Tini Thomsen und ihr MaxSax Quartett - Internationale Jazz Open Air Glauchau

19.08.2017

Konzert:

Internationale Jazz Open Air Glauchau
Schlosshof Schloss Hinterglauchau
Einlass 19:00, Beginn 20:00

Tini Thomsen
Tini Thomsen, Foto: Jens-van-der-Felde

the long ride - tour

Tini Thomsen und ihr Saxophon machen seit geraumer Zeit Karriere mit ihrem "High Energy Rockin‘ & Punkin’ Jazz” ; kein Wunder, denn ausser von der kongenialen Art-Rock Band Morphine wurde ein Bariton selten so prominent in Szene gesetzt. Der Titel ihres 2014er Albums “Max Sax" ist somit auch Programm. Die quirlige Jazzerin orientierte sich darauf an Bands wie den Foo Fighters oder Queens of the Stone Age..

BESETZUNG
Tini Thomsen - Bariton Sax
Nigel Hitchcock - alt Sax*
Tom Trapp - Guitar
Mark Haanstra - Bass
Jost Nickel - Drums
* bekannt u.a. durch sein Wirken für Mark Knopfler, Tom Jones, The Jackson 5, Robbi Williams, Incognito, Jamiroquai u.v.a.

Mit "High Energy Rockin‘ & Punkin’ Jazz” macht das gefragte Hamburger Deern unbeiirrt Karriere; klar, meint man; wurde doch ausser von der kongenialen Art-Rock Band Morphine ein Bariton nur selten so prominent in Szene gesetzt - erst recht nicht von einer Frau und schon gar nicht von einer, die ihr Instrument in Grösse kaum übertrifft.

Wäre es vor nicht langer Zeit nach Tini Thomsen gegangen, hätten alle Alt Saxophone umgeschmolzen werden sollen - zu Bariton Saxophonen. Nebelhörnern gleich, mit denen man unter 50 Meter Sichtweite sicher nach Haus kommt - mal abgesehen von ein paar Kratzern und Dellen vom gelegentlichen Rempeln. Und wenn es tiefer zu tönen nicht mehr möglich schien, holte Tini die Bass Klarinette dazu…

Der Titel ihres 2014er Albums “Max Sax" war damit nicht nur Programm - er wurde schliesslich auch zum Bandnamen der höchst aussergewöhnlichen, mittlerweile auf ein Quintett angewachsenen Kreativschmiede.

Bei den frenetisch gefeierten Auftritten in der Reihe "Fantastische Musik" war aber die grösste Überraschung wohl die, dass Tini es mittlerweile auch geschafft hatte, Kollegen um sich zu scharen, die Lotsen gleich das dicke Schiff in jeden noch so schwer anzulaufenden Hafen zu manövieren im Stande schienen. Kompositorische Überraschungen und Virtuositäten reihten sich laufend aneinander und hinterliessen eine höchst inspirierte Gästeschar.

NEUES ALBUM "The Long Ride"
Der Titel des neuen Albums "The Long Ride” beschreibt es ganz gut:
Es ist viel passiert seit „Max Sax“!
Ende 2014 erschienen, blieb zunächst der CD- als Bandname bestehen, zahlreiche Auftritte haben Tini und ihrer hochkarätigen 5-köpfige Band schliesslcih den Feinschliff am Livesound ermöglicht. Was gar nicht so einfach und in der Tat - a long ride – war.

Denn so, wie Thomsen als jüngstes von 5 Kindern viel Aufmerksamkeit verlangte, hat im klanglichen Bereich auch ihr Baritonsaxophon diesen Anspruch. Um dieses Instrument live zur Geltung kommen zu lassen, ohne einfach nur den Pegel lauter zu drehen, bedarf es großen Einfallsreichtums in Sachen Komposition und Arrangement. Aber Tini mag diese Herausforderung und wurde dafür konsequenterweise 2015 mit dem Jazzbaltica Förderpreis und 2016 mit dem GEMA Musikautorenpreis Jazz/Crossover ausgezeichnet.

Eines Ihrer Lieblingszitate über das Resultat ihrer Anstrengungen entstammt der Fachzeitschrift Jazzthetik:
„Warum ist da eigentlich vorher noch niemand drauf gekommen?"

Aber zurück zu besonderen Herausforderungen:
Deren andauernde Bewältigung bringt laufend neues Material hervor und ließ auch für "the long ride" Musik entstehen, die diesem seltsamen Instrument wie auf den Leib geschrieben ist.

Bassist Mark Haanstra und Gitarrist Tom Trapp sind mittlerweile Spezialisten, wenn es um die Abwechslung von Bariton dienlichem Groove, Ohrwurm-Melodien, zerbrechlichen Balladen oder hoch energetische Solopassagen geht. Das Suchen der Extreme schien die Lösung, der Bandsound war gefunden und dann passierte es:
auf einem Jazzfestival traf sie ihren Jugendhelden am Altsaxophon, den Engländer Nigel Hitchcock. Nach einer kurzen Unterhaltung war klar, man wollte zusammen Musik machen und schon kurze Zeit später folgten die Reunion und etliche gefeierte Auftritte des legendären Saxophon Quartetts "Itchy Fingers" mit Nigel am Alt und Tini am Baritonsax. Hitchcock musste also auch bei Max Sax mitspielen!

Aber hatte Tini Thomsen nicht herausposaunt „Vergiss das Altsax“, "tiefer ist besser“?
Nun, Irren ist menschlich und der gemeinsame Sound von Hitchcock und Thomsen als ein großes Super-Sax ist nun mal einfach göttlich.

Auf „The Long Ride“ sind neben den MaxSax typischen eingängigen Melodien nun auch größere Bögen, ein längerer Aufbau und mehr Zeit für Soli zu finden - was angesichts der Kongenialität ihrer Mitstreiter ein weiterer Schritt in die richtige Richtung scheint.

Die CD Produktion ist ausserdem daran orientiert, wie die Band auf der Bühne klingt. Für Thomsen ist dies ein Fortschritt, war die erste CD noch vom Studio aus - quasie mit dem Geist von Studiomusikern produziert, spiegelt „The Long Ride“ nun die Entwicklung hin zu einer eingespielten Band.

Neu dabei ist auch, dass der Ausnahme-Gitarrist Tom Trapp drei Kompositionen beigesteuert hat, die sich nahtlos in das
Klangkonzept einreihen. Sein eigensinniges und hoch energetisches Solospiel ist auf den Titeln „Lightning Girl“ und „Equalizer“ zu hören.

„Chicago“ ist einer der Ohrwürmer der Platte, „Say It Quietly“ die Ballade mit Altsax-Feature, und Tini´s Lieblingsmomente während ihrer Konzerte haben es ebenfalls auf die Platte geschafft - die „Petal“, ein Konzept, das sich ebenso weiter entwickelt hat: erst waren es Zwischenspiele nur mit dem Baritonsax. Nun aber sind es Hitchcock und Thomsen, die im Duo mal flächige verträumte Sounds oder drückende Grooves à la Itchy Fingers hinzaubern.

„The Long Ride“ scheint Thomsen’s Versuch zu sein, das in der "Zeit" über sie Geschriebene so schnell wie möglich wahr zu machen: „sie wird die Bühnen der Welt bespielen“.

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