Rezension des Albums "Blue Garden" von Anton Mangold
Anton Mangold
Blue Garden
Erscheinungstermin: 04.09.2026
Label: Treasure Records, 2026
Wo die Musik wachsen darf
Ein Garten entsteht nicht dadurch, dass alles nach einem strengen Plan nebeneinander steht. Man pflanzt, versetzt, kombiniert, pflegt und lässt manches einfach wachsen. Genau dieses Bild verwendet Anton Mangold, wenn er über die unterschiedlichen Inspirationen spricht, die auf Blue Garden zusammenfinden. Und tatsächlich beschreibt der Titel die Musik dieses Albums erstaunlich genau.
Der Würzburger Saxofonist, Flötist und Harfenist gehört zu jenen Musikern, deren Handschrift unabhängig von der jeweiligen Formation erkennbar bleibt. Seit Jahren fällt Mangold in unterschiedlichsten Projekten durch seine enorme instrumentale Beweglichkeit, seine Fantasie und vor allem durch die erzählerische Qualität seiner Improvisationen auf.
Auf „Blue Garden” kann er all diese Fähigkeiten innerhalb seiner eigenen musikalischen Welt entfalten. Ob auf Flöte, Altflöte, Sopran- oder Altsaxofon – Mangold besitzt eine erstaunliche Leichtigkeit im Umgang mit seinen Instrumenten. Technische Virtuosität ist dabei nie Selbstzweck. Seine Soli entwickeln Gedanken, verändern Perspektiven und erzählen Geschichten. Selbst dort, wo die Linien komplexer und die Improvisationen intensiver werden, bleibt sein Spiel klar und unmittelbar.
Bemerkenswert ist ohnehin die positive Grundstimmung des Albums. Schon nach wenigen Minuten stellt sich eine Leichtigkeit ein, die auch in den energetischeren Passagen nicht verloren geht. Diese Musik kann komplex sein, ohne schwer zu wirken. Sie besitzt Wärme, Neugier und eine beinahe ansteckende Freude am gemeinsamen Spielen.
Daran hat Mangolds Ensemble entscheidenden Anteil. Felix Schneider-Restschikow (Klavier), Theodor Spannagel (Bass), Zhitong Xu (Schlagzeug), Roland Neffe (Vibrafon) und Carolina Attoumani Díaz (Gesang) begegnen dem Bandleader nicht als bloße Begleiter. Die Kommunikation wirkt außergewöhnlich vertraut. Musikalische Gedanken werden aufgegriffen, weitergereicht und verändert, als wüsste jeder bereits, was der andere im nächsten Moment tun möchte.
Gerade deshalb passt das Bild des Gartens so gut. Mangold gibt seinen Kompositionen Form und pflegt ihre Strukturen, lässt seinen Musikern aber genügend Platz für eigenen Wildwuchs. Improvisationen dürfen sich verzweigen, neue Farben tauchen auf und scheinbar unterschiedliche Pflanzen stehen plötzlich selbstverständlich nebeneinander.
Blue Garden ist ein Album voller wunderbarer Kompositionen und ebenso wunderbarer improvisierter Momente. Vor allem aber strahlt es etwas aus, das man nicht komponieren kann: echte Freude am gemeinsamen Musizieren.
Ein musikalischer Garten, in dem man gerne etwas länger bleibt.
(Jacek Brun, 11.09.2026)
Besetzung
Anton Mangold - Alto & Soprano Saxophone, Flute, Alto Flute
Felix Schneider-Restschikow - Piano, Fender Rhodes
Theodor Spannagel - Bass, Vocals
Zhitong Xu - Drums
Roland Neffe - Vibraphone, Glockenspiel
Carolina Attoumani Díaz - Vocals (Track 4,6 & 7)
Titelliste
- Morning
- October
- Walter
- Bubbles
- Blue Garden
- Choral To Fading Sky
- Fading Sky
- Stars
- Never Stop
- Bamboo Forest
- You And The Night And The Music
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