Rezension des Albums "Goodbye Ghosts" von Arnold Kasar
Arnold Kasar
Goodbye Ghosts
Erscheinungstermin: 04.09.2026
Label: Neue Meister, 2026
Ein stiller Ort aus Tönen
Es gibt Musik, die unsere volle Aufmerksamkeit fordert. Und es gibt Musik, die einfach da ist, wenn wir sie brauchen. „Goodbye Ghosts” von Arnold Kasar gehört zu jener seltenen zweiten Kategorie. Die zwölf Klavierstücke des Albums schaffen einen stillen Raum, in den man eintreten kann, ohne dass die Musik etwas von einem verlangt.
Der Ursprung des Albums ist sehr persönlich. Als ein Kasar nahestehender Mensch erkrankte, suchte der Pianist und Komponist nach einer Möglichkeit, mit dem ihm vertrautesten Mittel Unterstützung zu geben: mit Musik. Er fand Inspiration in der musiktherapeutischen Methode der „Guided Imagery“, bei der Klänge innere Bilder hervorrufen und dabei helfen können, Ängste und belastende Gedanken für einen Moment loszulassen.
Zwischen Winter und Frühling entstanden daraus zwölf Stücke. Jedes trägt den Namen eines Monats und einer Heilpflanze aus Kasars Garten. Gemeinsam bilden sie einen Jahreszyklus – weniger als programmatische Erzählung, sondern vielmehr als behutsame Bewegung durch unterschiedliche Stimmungen und innere Landschaften.
Entscheidend ist dabei der Klang des Klaviers. Kasar präpariert das Instrument mit Filz und nimmt ihm bewusst einen Teil seiner brillanten, konzertanten Strahlkraft. Das Ergebnis wirkt nah und vertraut. Man hat nicht das Gefühl, einem Flügel in einem großen Saal gegenüberzusitzen. Eher scheint das Instrument im eigenen Zimmer zu stehen, nur wenige Schritte entfernt.
Diese Intimität bestimmt die gesamte Aufnahme. Kasar spielt reduziert und ohne demonstrative Gesten. Einzelne Töne bekommen Zeit, Harmonien dürfen nachklingen und melodische Gedanken müssen nicht zwangsläufig auf ein Ziel zulaufen. Die Musik erzählt, ohne eine Geschichte vorzuschreiben.
Darin liegt ihre besondere Wirkung. „Goodbye Ghosts” kann leise im Raum erklingen und den Alltag begleiten. Man kann sich der Musik aber auch vollständig hingeben, den kleinen Veränderungen folgen und sich in ihrer Ruhe verlieren. Beides ist möglich, weil Kasar dem Hörer nichts aufzwingt.
So werden aus zwölf scheinbar schlichten Klavierstücken zwölf musikalische Kontemplationen über Zeit, Nähe und vielleicht auch darüber, was Musik für einen anderen Menschen sein kann.
„Goodbye Ghosts” verspricht keine Antworten und keine Wunder. Es schenkt etwas viel Einfacheres: einen Augenblick des Innehaltens.
Manchmal kann genau das sehr viel sein.
(Jacek Brun, 11.09.2026)
Besetzung
Arnold Kasar – Klavier
Titelliste
- Turnaround
- Goodbye Ghosts
- Up And Down The Hills
- Violet
- Sunflowers
- Stardust
- Roses
- Waltz For Ella
- Pines
- Bread And Butter
- Watch The Cat
- Peace Of Mind
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