Adam Baldych

Adam Baldych
Adam Baldych

Biographie

„Zweifellos der größte lebende Geigentechniker des Jazz. Von ihm kann man alles erwarten“, schrieb Ulrich Olshausen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung nach dem umjubelten Auftritt von Adam Bałdych beim Jazzfest Berlin 2011. Schon kurz zuvor hatte der 1986 in Gorzów Wlkp in Polen geborene Musiker mit seiner Band Damage Control international auf sich aufmerksam gemacht.
Adam Baldychs Talent zeigte sich früh. In Polen wurde er als „Wunderkind“ gefeiert. „Mit neun Jahren entschloss ich mich, eine Musikschule zu besuchen“, erinnert er sich. Er war sich der Tradition seiner Heimat wohl bewusst: „Polen hat große Musiktradition, speziell beim Klavier und seit Henryk Wieniawski auch bei der Geige.“ Zur Violine kam Bałdych erst mit elf und suchte sich bald große Vorbilder: „Ich war sehr von den berühmten osteuropäischen Komponisten beeinflusst, Rachmaninoff, Chopin und Tschaikowski.“ Dass dieser Anspruch nicht zu hoch gesetzt war, belegt eine ganze Reihe von Auszeichnungen, die er schon zu dieser Zeit bei Nachwuchswettbewerben für klassische Musik in Polen gewann. Im Jahr 1999 wurde er Dritter beim nationalen Geigerwettbewerb in Poznan und gewann jeweils den ersten Preis beim regionalen Geigerwettbewerb in Szczecin und beim Barock Musik Wettbewerb in Gorzow.

Mit dreizehn entschied Adam Baldych sich für den Jazz: „Er gab mir die Freiheit, die ich suchte.“ Auch hier folgte in kürzester Zeit eine bemerkenswerte Reihe von Auszeichnungen. 2002 gewann er den ersten Preis beim „Jazz Celebration“ Wettbewerb in Gorzów. Seit 2001 hat er jährlich den „Key for Career Award“ des renommierten Polnischen Magazins „Jazz Forum“ gewonnen.

Mit 16 begann schließlich Bałdychs internationale Karriere. Er spielte in ganz Europa und Asien. Nachdem er sein Jazzstudium an der Musikhochschule Kattowitz mit Auszeichnung abgeschlossen hatte, bekam er ein Stipendium für das Berklee College of Music in Boston. Seither ist New York der Ausgangsort seiner musikalischen Reisen durch alle Welt, unter anderem tourte er mit Grammy-Gewinner, dem Pianisten Jim Beard. In den vergangenen drei Jahren dann erhöhte sich die Schlagzahl enorm: An der Seite der berühmten Violin-Kollegen Didier Lockwood, Pierre Blanchard, Jerry Goodman Krzesimir Debski und Christian Howes nahm er an dem vom Gitarristen Jaroslaw Smietana geleiteten „Tribute to Seifert“ teil. In unterschiedlichsten Konstellationen legte er zudem in rascher Folge bemerkenswerte Alben vor, unter anderem ein Duo mit der Sängerin Mika Urbaniak, eines mit den „Groove Razors“ und zuletzt „Magical Theatre“, inspiriert von der Lektüre von Hermann Hesses „Steppenwolf“.

Neben seiner regelmäßigen Arbeit für Theater- und Filmproduktionen ließ Adam Baldych – obwohl in den USA lebend – auch den Kontakt zu polnischen Musikern nie abreißen. Seine Band Damage Control ist ausschließlich mit Landsleuten besetzt. Folgerichtig wurde der polnische Pianist und ACT-Künstler Leszek Możdżer auch auf ihn aufmerksam. Während der Expo in Spanien 2008 lernten sich die beiden kennen, ein Jahr später schrieben sie gemeinsam den Soundtrack für den Film „Sir Arnes Schatz“ des schwedischen Regisseurs Mauritz Stiller. Możdżer empfahl Bałdych auch an ACT-Chef Siggi Loch, der nicht lange zögerte, den jungen Geiger in die ACT Familie aufzunehmen.

Mit Loch und Nils Landgren als Produzenten ging es mit einer erstklassigen Studioband und Adam Baldychs neuesten Kompositionen Anfang März 2012 zur Aufnahme seines ACT Debüts „Imaginary Room“ (ACT 9532-2) ins Berliner Hansa-Studio. Neben dem schwedischen Weltklasse-Bassisten Lars Danielsson unterstützen Bałdych auf dem Album der Schlagzeuger Morten Lund sowie der schwedische Pianist Jacob Karlzon. Zwei der derzeit größten Talente des skandinavischen Jazz, der finnische Trompeter Verneri Pohjola und der norwegische Saxophonist Marius Neset, bilden die Bläsersektion.

Auf „Imaginary Room“ erlebt man stets eine Geige, wie man sie so noch selten gehört hat. Hier klagt und schluchzt nichts, eher erinnern Bałdychs technisch atemberaubende Linien an die eines Bläsers und mehrstimmige Passagen an das Akkordspiel eines Pianisten, immer unterlegt von einem leicht rauhen, bluesigen Unterton. Man vergisst jedes Geigen-Stereotyp und bekommt eine Ahnung davon, warum Adam Baldych den Spitznahmen „evil“ trägt - wegen seiner „teuflischen“ Virtuosität, Expressivität und Variabilität. Mit erst 26 Jahren ein bemerkenswertes Debüt.

Links

Adam Baldych Internetseite:
http://www.adambaldych.com/

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