Bill Petry - Close Your Eyes

Bill Petry - Close Your Eyes - Albumcover
Bill Petry - Close Your Eyes

Bill Petry
Close Your Eyes

Erscheinungstermin: 24.05.2024
Label: Timezone Records, 2024

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jazz-fun`s recap:

Musik, die kompositorisch und klanglich in die Vergangenheit eintaucht. Das Ganze ist kohärent, stimmig, strahlt Ruhe und Zuversicht aus. Die Handschrift eines reifen Künstlers mit edlem Ton, reinem Klang und schönen Soloparts. Ein großartiges Album, wir sind begeistert! (Jacek Brun, 29.05.2024)

Bill Petry - trumpet
Christian von der Goltz - piano
Olaf Casimir - bass
Tobias Backhaus - drums

„Close Your Eyes“ - der Titel, den der Jazztrompeter Bill Petry seinem Debütalbum gegeben hat, liest sich wie eine Gebrauchsanweisung: Man höre diese Musik als Angebot zum Innehalten, zur Entschleunigung, zur Selbstvergewisserung in Zeiten von Unsicherheit, Krisen und hektischem Alltag. Nicht die Augen schließen und durchhören, sondern die Augen schließen und sich auf die Ruhe einlassen, die dieser Musik innewohnt.

You can Close Your Eyes, der Song, den James Taylor vor mehr als einem halben Jahrhundert schrieb und den er selbst einmal als “Secular Hymn” bezeichnete, steht exemplarisch für eine Stimmung, die das gesamte Album durchzieht. Vertraute, intime Geschichten werden erzählt, Geschichten, die sich über die Sprache der Musik vermitteln, Lieder, die in diesem Fall ohne Worte auskommen. Zurückgenommen im Ton, auf die Schönheit der Musik vertrauend, harmonisch raffiniert und melodisch berührend, spielt Petry ihre besondere Stärke aus: einen unverwechselbaren Ton, reich an Nuancen, Farben, Emotionen.

Till Brönner, der das Debütalbum produziert hat, sagt über seinen Trompeter-Kollegen, er brauche nur zwei Töne zu hören, um zu wissen: Hier spielt Bill Petry! Zwei seelenverwandte Musiker haben sich für dieses Projekt zusammengetan: Sowohl Petry als auch Brönner spielen die Trompete so, dass sie der menschlichen Stimme möglichst nahe kommen. Als Produzent hat sich Brönner längst einen Namen gemacht - zunächst mit dem Großprojekt 17 Millimeter der verstorbenen Hildegard Knef (1999), dann mit Arbeiten für so unterschiedliche Künstler wie Manfred Krug, Thomas Quasthoff oder die No Angels. Mit Close Your Eyes hat Brönner nun erstmals ein Album für einen anderen Trompeter produziert.

Für ihn ein logisches Projekt, quasi alternativlos. Auf dem CD-Cover drückt es Till Brönner so aus: “Dieses Album musste einfach aufgenommen werden! Ich fühle jede Note und bin stolz darauf, an Bill Petrys Debüt mitgewirkt zu haben. Sie werden in Zukunft noch viel von ihm hören und lesen. Glauben Sie mir.”

Anknüpfend an die Ästhetik eines Chet Baker oder Chris Botti setzen Close Your Eyes entgegen allen Jazzklischees und Konventionen nicht auf komplizierte Improvisationen, sondern vertrauen auf die Schönheit der Melodien. Auf Songs, die ihren Platz in der Musikgeschichte bereits gefunden haben, unzählige Male aufgenommen wurden - und die Petry und sein Quartett dennoch auf ganz eigene Weise zu interpretieren wissen. Man staunt über ein geradezu cineastisch arrangiertes The Sound of Silence, meint die Wärme eines stellenweise nur gehauchten You Are So Beautiful fast körperlich zu spüren, lässt sich von einem in der Songnachbarschaft des Albums verblüffenden, an Herb Alpert erinnernden Yeh, Yeh gerne überraschen und findet es doch stimmig ins Gesamtkonzept eingefügt.

Bill Petry hat für sein Debüt ein sehr intimes Album eingespielt. Er selbst sagt: „Es verrät viel über mich. Einige der Songs begleiten mich schon seit meiner Kindheit und liefen auf dem Plattenspieler meiner Eltern, der schon immer eine magische Faszination auf mich ausgeübt hat.“ Es liegt ihm am Herzen, dass das Publikum Zugang zu seiner Musik findet - ein barrierefreies Werk, was im zeitgenössischen Jazz nicht immer selbstverständlich ist.

„Der Jazz hat sich über die Jahrzehnte immer weiter vom Publikum entfernt“, bedauert Petry. „Er wurde immer akademischer und für viele schwer zugänglich - als gäbe es ein ungeschriebenes Gesetz, das besagt: Zeitgenössischer Jazz muss sperrig und kompliziert sein. Es ist schon ironisch: Das Vermeiden von Klischees ist im Jazz längst selbst zum größten Klischee geworden. Als ich mit zehn Jahren zum ersten Mal bewusst Ella Fitzgerald und Louis Armstrong hörte, hat mich das nicht mehr losgelassen. Ohne dass ich irgendetwas über diese Musik wusste, hat sie mich sofort gepackt, weil der Zugang zu ihr weder jahrelanges Hören noch ein Studium voraussetzt. Sie berührt ihr Publikum ohne den Umweg über den Kopf und ist dabei tiefgründig und komplex. Große Kunst eben.

Bill Petry wuchs in einer Künstlerfamilie in einem besetzten Haus auf. Im Alter von sieben Jahren begann er eine klassische Gesangsausbildung, wenig später erhielt er klassischen Klavierunterricht. Mit 13 hörte er zum ersten Mal Chet Baker und beschloss, Trompete zu lernen. Petry studierte am Jazz Institut Berlin bei Gerard Presencer und nahm Unterricht bei Malte Burba, zu dessen Schülern so erfolgreiche Trompeter wie Joo Kraus, Till Brönner und Julian Wasserfuhr gehören. Stilistisch lässt sich Bill Petry in keine Jazzschublade stecken. So arbeitete er als Solist neben Jazzgrößen wie Billy Hart, Riccardo Del Fra und Till Brönner, immer wieder auch genreübergreifend mit international gefeierten Musiker:innen wie Lisa Batiashvili und Daniel Hope.

Für sein Projekt Close Your Eyes hat sich Bill Petry kongeniale Musiker an die Seite geholt: den Pianisten Christian von der Goltz, dessen kluges Spiel bisweilen von sympathischem Understatement geprägt ist; den gefragten Kontrabassisten Olaf Casimir, der schon mit internationalen Jazzgrößen wie Sean Jones und Lionel Hampton gespielt hat; den Schlagzeuger Tobias Backhaus, dessen Weg sich schon mit so bedeutenden Kollegen wie Annett Louisan, Tony Lakatos oder Frank Chastenier gekreuzt hat. Bill Petry ist mit Close Your Eyes ein reifes und sehr persönliches Album gelungen. Petry ist ein Musiker, der sich nicht mehr finden muss, der seine Stimme schon gefunden hat. Zu seiner gestalterischen Souveränität, zu seiner immensen technischen Versiertheit gesellt sich ein „gewisses Etwas“, ein Momentum, das sich jeder Analyse und präzisen Beschreibung entzieht. Bill Petrys Musik berührt uns, vielleicht, weil sie selbst etwas riskiert, weil sie verletzlich ist, weil sie zum empathischen Hören einlädt. Und weil sie alle, die diese Einladung annehmen, auf eine magische, eben nicht vollständig erklärbare Weise belohnt.

Text: Timezone Records

  1. All The Way
  2. You Can Close Your Eyes
  3. Losing You
  4. The Sound Of Silence
  5. These Foolish Things
  6. Yeh, Yeh
  7. Walk On By
  8. Too Late Now
  9. Mr. Blue
  10. You Don’t Know Me
  11. Ev’ry Time We Say Goodbye
  12. You Are So Beautiful

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Kommentar von Stöger Joachim |

Bill Petry ist ein absoluter Meister seines Faches, der sein Können sehr dezent und unaufdringlich einsetzt. Trompete kann auch zart sein. Diese Musik ist wie ein wohliges Bad.

Bitte rechnen Sie 7 plus 7.