Rezension des Albums "PULSES" von Christian Frentzen
Christian Frentzen
PULSES
Erscheinungstermin: 18.09.2026
Label: roundrobyn record, 2026
Wenn der Puls die Richtung vorgibt
Man könnte lange darüber diskutieren, ob PULSES nun Jazz, Pop oder elektronische Musik ist. Man könnte versuchen, die einzelnen Einflüsse auseinanderzunehmen, stilistische Grenzen zu markieren und jedes Detail einer bestimmten Schublade zuzuordnen. Man kann es aber auch einfach lassen.
Denn Christian Frentzen interessiert auf diesem Album vor allem eines: gute Musik.
Der Kölner Pianist und Keyboarder, der regelmäßig mit Künstlern wie Till Brönner, Max Mutzke oder Nils Landgren auf der Bühne steht, konzentriert sich auf PULSES konsequent auf starke Kompositionen. Seine Stücke funktionieren wie kleine Erzählungen. Sie entwickeln sich, wechseln Perspektiven, überraschen mit neuen Wendungen und bleiben dennoch unmittelbar zugänglich.
Eingängige Melodien treffen auf atmosphärische Klangflächen, elektronische Texturen auf eine organisch spielende Band. Analoge Synthesizer, Tape Delays und Drum Machines stehen gleichberechtigt neben Klavier, Gitarre, Bass und Schlagzeug. Nichts wirkt nachträglich hinzugefügt. Produktion und Komposition gehören hier von Anfang an zusammen.
Dass Frentzen das Album nicht nur komponiert, sondern auch selbst produziert und gemischt hat, prägt den Klang entscheidend. Man hört die Liebe zum Detail, ohne dass diese Detailarbeit die Musik schwer oder verkopft erscheinen lässt. Im Gegenteil: PULSES besitzt eine erstaunliche Leichtigkeit.
Dabei ist das Album keineswegs bloß gefällige Hintergrundmusik. Beim konzentrierten Hören öffnen sich viele kleine Ebenen. Frentzens Spiel ist präzise, farbenreich und voller Ideen, und mit Nir Felder an der Gitarre steht ihm ein Musiker zur Seite, der improvisatorische Freiräume immer wieder mit überraschenden Wendungen nutzt.
Thomas Stieger am Bass und Moritz Müller am Schlagzeug sorgen dafür, dass der titelgebende Puls tatsächlich ständig spürbar bleibt. Die Musik groovt, ohne sich im Groove einzurichten. Sie bleibt beweglich, verändert ihre Gestalt und bewahrt sich dabei eine sehr klare melodische Handschrift.
Zusätzliche Farben liefern Roland Peil an der Percussion sowie Marc Doffey, Chris Mehler und Michael Theissing-Tegeler an den Blasinstrumenten. Dadurch erweitert sich die Klangpalette, ohne dass die Stücke überladen wirken.
PULSES ist deshalb ein Album, das in unterschiedlichen Situationen funktioniert. Es kann einen Abend begleiten, Menschen in Bewegung bringen und gute Stimmung erzeugen. Genauso gut kann man sich zurückziehen und genauer zuhören – den Kompositionen, den Sounds und den improvisierten Details.
Vielleicht ist es genau das, was diese Musik so schön macht: Sie verlangt keine Entscheidung zwischen Anspruch und Unterhaltung.
(Jacek Brun, 26.09.2026)
Besetzung
Christian Frentzen – Keyboards, Piano
Nir Felder – Gitarre
Thomas Stieger – Bass
Moritz Müller – Schlagzeug
Guests:
Roland Peil – Percussion
Marc Doffey – Tenorsaxofon, Flöte
Chris Mehler – Trompete, Flügelhorn
Michael Theissing-Tegeler – Posaune
Titelliste
- In My Humble Opinion
- Last November
- Cuban House Jam
- Way Up High
- Distant Future
- Only Time Will Tell
- Pulses
- Moog Sequence
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