Dierk Peters - Ambrosia

Dierk Peters - Ambrosia

Dierk Peters
Ambrosia

Erscheinungstermin: 17.05.2019
Label: Tangible Music, 2019

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Dierk Peters - Vibraphon, Kompositionen
Bastian Stein - Trompete, Flügelhorn
Stefan Karl Schmid - Klarinette, Bassklarinette
Laurent Derache - Akkordeon
David Helm - Kontrabass
Fabian Arends - Schlagzeug

Schon der Blick auf die Bandbesetzung lässt ahnen, dass Dierk Peters auf Ambrosia eigene, unkonventionelle Wege einschlägt. Der vielfach ausgezeichnete Vibraphonist und Komponist kreiert mit seinem Sextett eine facettenreiche Klangsprache, die song-ähnliche und interessante Melodien, vielfältige Harmonik und wechselnde atmosphärische Schattierungen vereint.

Eine Band zu entwickeln, die als ein großer Organismus erscheint, in dem sechs Instrumente und Interpreten unterschiedlicher Instrumentenfamilien zu einer Einheit verschmelzen, war Peters' zentrale Idee für Ambrosia. Intensiv hat er am harmonischen Konzept gefeilt und sondiert, wie sich einzelne Rollen verteilen oder sogar neu definieren lassen. Ebenso sorgfältig legte Peters danach seine Kompositionen an. Ihre Raffinesse basiert häufig auf ausgefuchsten Symmetrien und klugen Variationen vergleichsweise einfachen Materials. Trotz ihrer bisweilen mathematischen Strukturen klingt die Musik stets nahbar und lebendig. Durch die lange Beschäftigung mit den eigenen Ideen habe er immer neue Nuancen entdecken und freilegen können, stellt Peters fest.

„Ich liebe zeitgenössische Musik, die den Intellekt anspricht. Jenseits von Genregrenzen suche ich aber auch nach Musik, die mir emotional nahe geht, die mich auf eine Reise nimmt. Im Prozess von Ambrosia waren das u.a. die Beatles und die Dirty Projectors, Rachmaninov und Dutilleux, Barry Harris und Tim Berne“, sagt Dierk Peters. „Wichtig ist, möglichst sparsam mit den jeweiligen Mitteln umzugehen, um nichts zu überfrachten.“ Als Beispiel für sein Arbeitsprinzip führt er die Biologie an: „Das Große lässt sich in der Mikroebene wieder entdecken, in jeder kleinen Zelle.“ Peters' Kompositionen erzählen Geschichten, mit kontemplativen Passagen, überraschenden Wendungen und unwiderstehlichen Spannungsbögen. Formal betrachtet finden sich darin Harmonien und Akkorde, die nach gängiger Tonlehre kaum zu benennen sind. „Ich finde es reizvoll, Klänge aus der Avantgarde tonal so zu verschalten, dass es plötzlich harmonisch klingt“, erklärt Peters, „das Ziel bleibt immer, schöne Musik zu kreieren.“

Natürlich hatte Peters schon beim Komponieren die Musiker im Kopf, die nun durch ihr subtiles Spiel zum besonderen Klang von Ambrosia beitragen. „Bastian Stein hat vor einiger Zeit sehr fragile Stücke für Trompete, Vibraphon und ein Gambenensemble aus Brüssel geschrieben. Im Prozess dieses sehr intimen Projekts war ich von seinem warmen, trotzdem präsenten Timbre begeistert und von seinem Gespür für Räume in der Musik.“ Aus sehr ähnlichen Gründen engagierte er Stefan Karl Schmid. Wie Stein verfügt der Saxophonist und Klarinettist Schmid über einen persönlichen, eher weicheren Ton und ein feines Gefühl für den jeweils passenden Ausdruck. Nicht lange nachdenken musste der Bandleader über das gut eingespielte Rhythmusgespann David Helm und Fabian Arends. Ihre Spannweite zwischen leisen Einsätzen und pointierten Energieschüben bildet eine perfekte Basis. Schwieriger gestaltete sich dagegen die Suche nach einem Akkordeonisten, zumal Peters in diesem Fall nicht auf persönliche Begegnungen zurückgreifen konnte. Einige Recherchen später kristallisierte sich Laurent Derache aus Paris heraus und nach dem ersten Zusammenspiel war klar, dass er perfekt zu Peters' ästhetischer Vision passt.

Bis zu den Aufnahmen im Kammermusiksaal des co-produzierenden Deutschlandfunks sollte noch einige Zeit vergehen. Und obwohl Dierk Peters seine komplexen Kompositionen recht kleinteilig zu Papier gebracht hat, blieb jede Menge Raum für individuelle Beiträge der Musiker.

Dass Ambrosia letztlich zum Titelstück des Albums wurde, lag unter anderem an der Chronologie der Ereignisse. Es war seinerzeit die erste Komposition, die Peters für sein neues Ensemble schrieb und durch die er für sich selbst realisierte, wie die Band zusammengesetzt sein sollte. Darüber hinaus versteht Peters Ambrosia, angelehnt an die Bedeutung der gleichnamigen Götterspeise in der griechischen Mythologie, als Metapher für eine Musik, die Inspiration und Nahrung für die menschliche Seele ist. Gewiss ein hoher Anspruch, den Dierk Peters mit seinem ungewöhnlich besetzten Sextett und seiner mal elegant-eingängigen, mal unprätentiös-komplexen Musik einlösen kann.

Kurzbiografien:

Dierk Peters, *27.10.1986, begann mit sieben Jahren Schlagzeug zu spielen. Über die Schulbigband kam er zum Jazz und übers Klavier zum Vibraphon. 2008 war er Co-Gründer der Band Offshore, seit 2012 ist er als Mitbegründer des Quartetts Botter auch hier Co-Leader. Darüber hinaus spielt(e) Peters mit Niels Klein, Pablo Held, Verneri Pohjola, Simon Nabatov u.v.m. und leitete einzelne eigene Projekte. Nach seinem Diplom in Köln führte ihn ein DAAD-Stipendium 2016 zum Masterstudium an die New York University, wo Stefon Harris sein Mentor wurde und ihn 2017 an die Manhattan School Of Music lotste. In den USA arbeitet(e) er u.a. mit Chris Speed, Rich Perry, Jakob Sacks, RJ Miller und Jochen Rueckert. Auszeichnungen (Auswahl): 2008 Praetorius Musikpreis Niedersachsen, 2011 Sondersolistenpreis beim Jazzfestival Burghausen, mit Offshore den Convento-NRW-Jazzpreis. Ein Kompositions-Stipendium des Landes Niedersachsen ermöglichte Peters die Arbeit für Ambrosia.

Bastian Stein, *1983 in Heidelberg. Schulzeit in Wien, schon mit 15 Jahren Beginn des Trompeten- Studiums. Ab 2005 lebte Stein, anfänglich mit einem Stipendium, mehrere Jahre in New York. 2010 erschien sein Debütalbum, 2013 Diegesis (Pirouet) mit Pablo Held, Matthias Pichler, Tobias Backhaus. Im selben Jahr zog Stein nach Köln. Seitdem spielte er auch im European Jazz Orchestra der EBU sowie in den Bigbands von WDR, HR und NDR.

Stefan Karl Schmid, *1984, studierte Saxophon und Komposition, ein Fullbright-Stipendium brachte ihn an die Manhattan School Of Music. Er leitet sein eigenes Tentett Extended und spielte Konzerte oder Tourneen u.a. mit Bobby Shew, John Hollenbeck, Ack van Rooyen und der WDR Bigband. Album- Auswahl: Extended (mit Niels Klein, Frederik Köster, Robert Landfermann, Jens Düppe u.a.), Schmid's Huhn und Golden Spheres (mit Leonhard Huhn, Stefan Schönegg, F. Arends), Anima (mit Philipp Brämswig).

Laurent Derache, *1987, studierte Jazz-Akkordeon in Reims und am Centre des Musiques Didier Lockwood, zudem klassischen Kontrapunkt in Paris. Sein Spiel ist geprägt von Pianisten wie Keith Jarrett und Brad Mehldau, die Welt des lyrischen Jazz verbindet er mit Einflüssen des klassischen Akkordeon-Repertoires. Mit seinem Trio tourte Derache in Europa und USA, gewann Wettbewerbe der Jazzfestivals Vannes und Lagny (beide 2011) und den Sondersolistenpreis in Burghausen 2013.

Fabian Arends, *1990 in Friesoythe, studierte in Köln bei Jonas Burgwinkel, Frank Gratkowski und Michael Küttner und spielte u.a. mit Lee Konitz, Marc Copland, Hayden Chisholm, Nils Wogram bei Jazzbaltica, Moersfestival, Elbjazz. Album-Auswahl: Jürgen Friedrich Reboot; Florian Ross Quintett Lines & Crosscurrents (mit Niels Klein, Markus Segschneider); Jason Seizer Cinema Paradiso (mit Pablo Held, Matthias Pichler).

David Helm, *1990 in Weilburg, studierte von 2009 bis 2011 klassisches Klavier an der HfMdK Frankfurt a.M. Danach Wechsel zum Kontrabass und nach Köln. Mit Arends und Matthew Halpin bildet er die Band Last Chance Dance, außerdem spielte Helm mit Kurt Elling, Matthias Nadolny, Sebastian Sternal u.a. Album-Auswahl: Pollon herb (mit Theresia Philipp, Thomas Sauerborn); Makkro why (mit F. Arends, Janning Trumann u.a.); Philip Zoubek Trio Outside.

  1. The Fly's Eye
  2. Lumen
  3. Mizmor
  4. Skär
  5. Desmond
  6. Miroirs
  7. Miniature
  8. Bloom
  9. Ambrosia
  10. Encore

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