Rezension des Albums "A Woman’s Voice" von Emma Pilgaard

Emma Pilgaard - A Woman’s Voice - Album cover
Emma Pilgaard - A Woman’s Voice

Emma Pilgaard
A Woman’s Voice

Erscheinungstermin: 11.09.2026
Label: April Records, 2026

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Stimmen, die nicht verstummen

jazz-fun`s recap:

Die Geschichte erzählt nicht von allen Menschen mit derselben Lautstärke. Während manche Namen präsent bleiben, geraten andere an den Rand oder verschwinden beinahe vollständig. Mit A Woman’s Voice richtet die dänische Sängerin und Komponistin Emma Pilgaard den Blick auf acht Frauen aus der Geschichte ihres Landes und gibt ihren Lebenswegen eine neue musikalische Stimme.

Nach In My Garden und Waiting Game ist dies ihr bislang konzeptionell ambitioniertestes Werk. Die porträtierten Frauen könnten unterschiedlicher kaum sein. Da sind die Malerin Anna Ancher, die Pionierin der elektronischen Musik Else Marie Pade, die Geophysikerin Inge Lehmann, die Frauenrechtlerin Thit Jensen, die Stummfilm-Stuntfrau Emilie Sannom und die Bildhauerin Anne Marie Carl-Nielsen. Neben den bekannten Persönlichkeiten steht die Geschichte von Carla Hansine Petersen, deren Schicksal an die menschenverachtende dänische Eugenikpolitik des 20. Jahrhunderts erinnert.

Pilgaard macht daraus jedoch keine musikalische Geschichtsstunde. Die Biografien dienen als Ausgangspunkte für Kompositionen über Kreativität, Widerstandskraft, Selbstbehauptung und die Fähigkeit, sich gegen gesellschaftliche Grenzen einen eigenen Weg zu bahnen. Dadurch wird Vergangenheit nicht lediglich erinnert, sondern aus heutiger Perspektive befragt.

Musikalisch bewegt sich „A Woman’s Voice” zwischen lyrischem Songwriting und zeitgenössischem Jazz. Intime Balladen stehen neben rhythmisch komplexeren Stücken, wechselnde Metren treffen auf melodische Basslinien und weit gespannte Gesangsbögen. Dabei bleibt Pilgaards Stimme das Zentrum der Erzählung, ohne die Musik auf eine Begleitfunktion zu reduzieren.

Die Besetzung ist dafür von Bedeutung. Mit der estnischen Pianistin Rahel Talts, der schwedischen Bassistin Hilda Nordkvist, der polnischen Schlagzeugerin Patrycja Wybrańczyk sowie den Däninnen Viktoria Søndergaard am Vibrafon und Ida Brinch an der Trompete hat Pilgaard ein internationales Ensemble zusammengestellt. In diesem kann jede Musikerin ihre eigene Persönlichkeit einbringen.

Das ist mehr als eine symbolische Entscheidung. Die individuellen Stimmen werden Bestandteil des Konzepts. Komposition und Improvisation greifen ineinander und aus Pilgaards Geschichten entstehen gemeinsame musikalische Aussagen. Das Album spricht über Frauen der Vergangenheit und wird gleichzeitig von Künstlerinnen der Gegenwart gestaltet.

„A Woman’s Voice” verbindet somit historische Erinnerung und heutige Kreativität auf bemerkenswert natürliche Weise. Emma Pilgaard erzählt von Frauen, die gestaltet, geforscht, komponiert, gekämpft und gesellschaftliche Grenzen überschritten haben.

Und vielleicht liegt darin der schönste Gedanke dieses Albums: Eine Stimme kann lange überhört werden – verschwunden ist sie deshalb noch lange nicht.

(Jacek Brun, 12.09.2026)

Besetzung

Emma Pilgaard - Vocals
Ida Brinch - Trumpet (Tracks 2, 4)
Rahel Talts - Piano (except track 5)
Viktoria Søndergaard - Vibraphone (Tracks 2, 5, 6)
Hilda Nordkvist - Double Bass (except track 5)
Patrycja Wybrańczyk - Drums

Titelliste

  1. Glowing in the Light of a Sunbeam
  2. Hidden Melodies
  3. My Mother
  4. A Woman's Voice
  5. Interlude
  6. Mistress of the Air
  7. Through the Gloom
  8. Above Expectations
  9. We Can Be Lonely

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