Kenny Garrett

Foto Kenny Garrett
Kenny Garrett, Foto: Hollis King

Biographie

Kenny Garrett (* 9. Oktober 1960 in Detroit) ist ein US-amerikanischer Jazz-Saxophonist.

Kenny Garrett hat sich im Laufe seiner mehr als 30-jährigen Karriere zum herausragenden Altsaxophonisten seiner Generation entwickelt. Von seinem ersten Auftritt mit dem Duke Ellington Orchestra (unter der Leitung von Mercer Ellington) bis hin zu seiner Zusammenarbeit mit Musikern wie Freddie Hubbard, Woody Shaw, Art Blakey & The Jazz Messengers und Miles Davis hat Garrett stets einen kraftvollen und doch melodischen und wirklich unverwechselbaren Altsaxophonsound in jede musikalische Situation eingebracht. Als Bandleader hat er sich in den letzten zwei Jahrzehnten auch als Komponist kontinuierlich weiterentwickelt.

Garrett wurde am 9. Oktober 1960 in Detroit, Michigan, geboren. Er war das zweite von vier Geschwistern. Musikalisch waren seine Eltern sehr unterschiedlich veranlagt; seine Mutter mochte Rhythm and Blues, während sein Vater Jazz hörte. Garretts Vater war ein professioneller Saxophonist, und so entwickelte Garrett schon früh ein Interesse an der Musik. Sein Vater brachte ihm die Tonleitern bei, und im Alter von neun oder zehn Jahren begann Garrett, selbst Saxophon zu spielen. Seinen ersten Auftritt hatte Garrett in seiner Heimatstadt Detroit, wo er mit Marcus Belgrave zusammenarbeitete. Belgrave, der für seinen Gemeinschaftssinn bekannt ist, war eine Zeit lang Garretts Mentor.

In der High School spielte Garrett an den Wochenenden Gigs in der ganzen Stadt. Trotz seiner Jugend war er bis zu seinem Abschluss zu einem Jazzer der alten Schule gereift und bewahrte sich einen reservierten und skeptischen Zynismus gegenüber der akademischen Welt. Im Jahr 1978 wurde er an der berühmten Berklee School of Music aufgenommen. Zufälligerweise erhielt er eine Einladung, Mercer Ellington auf einer Tournee zu begleiten. Garrett entschied sich daraufhin gegen ein Studium in Berklee und für eine Tournee mit dem Duke Ellington Orchestra. Garrett erklärte wiederholt, dass er die Entscheidung, auf die Schule zu verzichten, nie bereut habe, da die Erfahrungen mit dem Orchester von unschätzbarem Wert gewesen seien und zu seiner Entwicklung zu einem einzigartig begabten Musiker beigetragen hätten. Nach dem Ellington-Orchester führte Garretts Karriere ihn zu Engagements in Freddie Hubbards Band und bei Woody Shaw.

Nach vielen Monaten auf Tournee zog Garrett 1980 nach New York City. Dort spielte er mit einer Band namens Out of the Blue. Sein Debütalbum nahm er als Bandleader mit dem Kenny Garrett Quintet beim Label Criss Cross auf. Das 1984 erschienene Album trug den Titel Introducing Kenny Garrett. Etwa zur gleichen Zeit schloss sich Garrett Art Blakey's Jazz Messengers an. 1986, immer noch mit Blakey, wurde Garrett als Sideman von Miles Davis engagiert. Er arbeitete fünf Jahre lang mit Davis zusammen und entwickelte ein einzigartiges musikalisches Verhältnis zu Davis.

Garrett arbeitete weiter als Bandleader und nahm für das Label Atlantic Jazz auf. Er veröffentlichte 1989 Prisoner of Love und 1990 African Exchange Student. Als Davis 1991 verstarb, trat Garrett mit voller Kraft in die Fußstapfen des Bandleaders, nachdem er fast 20 Jahre lang eine Ausbildung absolviert und mit den großen Jazzern der Geschichte zusammengearbeitet hatte.

Für die Dauer des Jahrzehnts bildete Garrett ein Quartett mit Nat Reeves am Bass, Schlagzeuger Jeff "Tain" Watts und Kenny Kirkland am Klavier. In den verbleibenden 1990er Jahren nahm Garrett eine Handvoll Alben für das Label Warner Brothers auf, darunter Black Hope (1992), Trilogy (1995) und Pursuance: The Music of John Coltrane im Jahr 1996. Seine nächsten beiden Alben - Songbook (1997) und Simply Said (1999) - wurden fast ausschließlich von Garrett selbst geschrieben. Nach dem frühen Tod von Kirkland Ende 1998 formierte sich das Kenny Garrett Quartet neu und umfasste den ehemaligen Toni Braxton Schlagzeuger Christopher Dave, den Bassisten Nat Reeves und Shedrick Mitchell am Klavier. Die Pianisten Nick Smith und Mulgrew Miller steuerten ebenfalls Gastauftritte bei.

Garrett huldigte offen und oft seinen Vorgängern und Helden des amerikanischen Jazz. Seine 1996 erschienene Erinnerung an John Coltrane mit dem Titel Pursuance: The Music of John Coltrane, mit Pat Metheny an der Gitarre, dem Schlagzeuger Brian Blade und Rodney Whitaker am Bass. Die Aufnahme wurde laut einer Leserumfrage von Down Beat als Jazzalbum des Jahres ausgezeichnet. Garrett selbst wurde in der gleichen Umfrage zum Altsaxophonisten des Jahres gewählt. Seine selbstproduzierte Veröffentlichung von 1999 mit dem Titel Simply Said spiegelt den Einfluss seiner ein halbes Jahrzehnt währenden Zusammenarbeit mit Miles Davis wider.

Mehr als jeder andere Künstler im traditionellen Jazz sind Saxophonist/Komponist/Arrangeur Kenny Garrett und seine Band dafür bekannt, das Publikum zum Aufstehen und Tanzen zu animieren. Ob in Spanien, wo ein Mann aus Kamerun aufsprang und ein paar afrikanische Moves hinlegte, zu denen sich dann ein junger Breakdancer gesellte, oder in Deutschland, wo ein offensichtlich klassisch ausgebildeter Balletttänzer auf die Beine gebracht wurde; in Polen, wo ein Fan buchstäblich vom Balkon auf die Bühne sprang, um zu tanzen, oder auf einem Festival in Barbados, wo Musikliebhaber aufstanden und im Regen zu "Happy People" groovten, das Spektakel ist immer dasselbe: Der Geist übernimmt die Kontrolle und die Bewegungen kommen von selbst.

Die Evolution ist das Paradigma, das Garretts Kunst bestimmt. Seiner Überzeugung folgend, dass Handeln Lernen bedeutet, und um seine Suche nach neuen Stilen voranzutreiben, verbrachte Garrett über seine Lehrjahre in der Band hinaus Zeit damit, mit Künstlern aus Musikrichtungen zu arbeiten, die dem modernen amerikanischen Jazz fremd sind. Auf einer Tournee mit Sting für Amnesty International reiste Garrett nach Afrika, Griechenland und Indonesien. In Indonesien arbeitete er einige Wochen mit einem einheimischen Saxophonisten namens Ibu (Ebu) zusammen, von dem Garrett polynesische Rhythmen und die balinesische Tonleiter lernte. Außerdem arbeitete er einige Zeit mit der japanischen Sängerin Jano Okiko zusammen und lernte japanische Tonleitern. Garrett spielt zeitweise auch Flöte und Sopransaxophon. 1999 arbeitete er mit dem Vibraphonisten Bobby Hutchinson bei Skyline zusammen und trat mit dem Kenny Garrett Quartet auf dem Montreaux Jazz Festival in der Schweiz auf. Ebenfalls 1999 wirkte Garrett zusammen mit Mulgrew Miller und anderen an dem Album Urban Dreams mit, das von der Firma Mankind Records des Saxophonisten Ron Brown produziert wurde. Das gemeinnützige Projekt half dabei, ein gemeindebasiertes Kunstprogramm für Kinder in Austin, Texas, zu unterstützen.

Garrett schloss sich um 2008 der "Five Peace Band" von Chick Corea, John McLaughlin, Christian McBride und Brian Blade/Vinnie Colaiuta an. Die CD Five Peace Band - Live wurde 2010 mit einem Grammy Award ausgezeichnet.

Im Jahr 2011 wurde Garrett die Ehrendoktorwürde für Musik des Berklee College of Music in Boston, Massachusetts, verliehen. Garrett war auch der Commencement Speaker für die Absolventen.

Im Jahr 2012 erhielt Garrett eine Soul Train Award-Nominierung für sein in 2012 erschienen Studioalbum Seeds from the Underground in der Kategorie Best Traditional Jazz Artist/Group. Ebenfalls 2012 folgten Grammy-Nominierungen für Seeds from the Underground in den Kategorien Best Jazz Instrumental Album und Best Improvised Jazz Solo, und Seeds From The Underground erhielt eine NAACP Image Award-Nominierung in der Kategorie Outstanding Jazz Album. Im Jahr 2013 gewann Garrett einen Echo Award in der Kategorie Saxophonist des Jahres.

Garretts Album Pushing the World Away erhielt 2013 eine Grammy-Nominierung in der Kategorie Best Jazz Instrumental Album.

Kenny Garrett lebt in Glen Ridge, New Jersey.

Ausgewählte Diskographie

  • Sounds From The Ancestors, 2021
  • Do Your Dance!, 2016
  • Sketches of MD - live at the Iridium, 2008
  • Beyond The Wall, 2006
  • Standard of Language, 2003
  • Happy People, 2002
  • Happy People, 2002
  • Birds Of A Feather: A Tribute To Charlie Parker, 2001
  • Simply Said, 1999
  • Songbook, 1997
  • Pursuance: The Music Of John Coltrane, 1996
  • Triology, 1995
  • Introducing Kenny Garrett, 1994
  • Black Hope, 1992
  • African Exchange Student, 1990
  • Prisoner of Love, 1989

Links

Kenny Garrett Internetseite:
http://www.kennygarrett.com/

Einen Kommentar schreiben

Bitte rechnen Sie 9 plus 6.