Abdullah Ibrahim

Abdullah Ibrahim, Foto: Patrick Scales
Abdullah Ibrahim, Foto: Patrick Scales

Biographie

Abdullah Ibrahim (* 9. Oktober 1934 in Kapstadt als Adolph Johannes Brand) ist ein südafrikanischer Pianist und Komponist. Daneben spielt er auch Flöte, Saxophone und Cello. Abdullah Ibrahim gilt als Protagonist des Modern-Creative-Stils in der Jazzmusik. Bevor er den aktuellen Namen mit seiner Konversion zum Islam Ende der 1960er Jahre annahm, nannte er sich Dollar Brand. Seine Komposition Mannenberg galt unter dem Apartheid-Regime als so etwas wie eine inoffizielle Hymne der farbigen Bevölkerung Südafrikas.

Abdullah Ibrahim wuchs bei seinen Großeltern in Kensington auf, einem der schlimmsten Schwarzen-Ghettos in Kapstadt. Sein Vater wurde ermordet, ebenso einige seiner Freunde. Ruhepunkt war für ihn die „American Methodist Episcopal Church“, wo seine Mutter und Großmutter Klavier spielten. Als siebenjähriger Junge lernte er Klavier spielen. 1949 wurde er professioneller Musiker, zunächst als Begleiter einer Gesangsgruppe, der Streamline Brothers; später spielte er in Gruppen wie den Tuxedo Slickers und der Willie Max Big Band. 1960 und 1961 spielte er mit den Jazz Epistles, einer der ersten südafrikanischen Jazzbands, zu denen Hugh Masekela (Trompete), Kippie Moeketsi (Tenorsaxophon), Jonas Gwangwa (Posaune), Johnny Gertze (Bass) und Makaya Ntshoko (Schlagzeug) gehörten.

1962 nahm er die Gelegenheit wahr, Südafrika zu verlassen, als er mit dem Musical King Kong auf eine Europa-Tournee ging; gemeinsam mit der Sängerin Sathima Bea Benjamin, die 1965 seine Frau wurde, ließ er sich zunächst in Zürich nieder. Dort trat Abdullah Ibrahim als Dollar Brand Trio mit dem Bassisten Johnny Gertze und dem Schlagzeuger Makaya Ntshoko fast zwei Jahre lang vor allem im Cafe Africana auf, wo er von Duke Ellington entdeckt wurde.

Durch Ellingtons Vermittlung konnte Abdullah Ibrahim Trio eine erste Platte einspielen, Duke Ellington Presents the Dollar Brand Trio, die 1963 bei Reprise erschien, und auf wichtigen Festivals wie in Antibes auftreten. 1963 gastierte er zusammen mit Sathima Bea Benjamin in Paris; 1964/1965 tourte er durch Europa und trat u.a. im Jazzhus Montmartre in Kopenhagen auf, bevor er in die USA ging, wo er zunächst auf dem Newport Jazz Festival 1965 auftrat, dann mit eigenem Trio sowie mit John Coltrane und Ornette Coleman arbeitete. Daneben fungierte der Pianist 1966 als Ellingtons Ersatzmann bei einigen Konzerten des Duke Ellington Orchestra, löste dann sein Trio auf und trat in Elvin Jones Quartett ein, wo er ein halbes Jahr blieb. In den folgenden Jahren der Dekade arbeitete er in verschiedenen Projekten, u.a. ging er 1968 als Solist auf Tournee, spielte in den Bands von Don Cherry und im Duo mit Gato Barbieri. 1968 konvertierte er zum Islam.

Die Tanzmusik und religiöse Hymnen aus den südafrikanischen Townships zählen neben Kompositionen von Duke Ellington zu den wichtigsten Einflussquellen der Werke von Abdullah Ibrahim. Der pianistisch deutlich durch Thelonious Monk und Randy Weston beeinflusste Ibrahim trat solo, im Sextett, aber auch mit großformatigen Gruppen, zu denen unter anderem Carlos Ward, Don Cherry und Johnny Dyani gehörten, auf. 1974 organisierte er – kurzzeitig in Südafrika – Aufnahmen für mehrere einflussreiche, zunächst im Untergrund vertriebene Platten von Cape Jazz-Musikern wie Basil Coetzee und Robbie Jansen, darunter auch seine Komposition „Mannenberg“ mit einem beeindruckenden Solo von Coetzee, die sich in Größenordnungen wie sonst nur Hits verkaufte und bald zu einer inoffiziellen Hymne der Anti-Apartheid-Bewegung in Südafrika wurde.[3] Bei einem späteren Aufenthalt 1976 organisierte er auch ein Jazzfestival, das die Apartheid-Gesetze des damaligen Regimes ignorierte. 1977 siedelte er in die USA über. 1982 präsentierte er in Europa seine Kalahari Liberation Opera. 1990 kehrte er nach Kapstadt zurück, wo er die südafrikanische Jazzszene maßgeblich beeinflusste. Gleichzeitig behielt er seinen Wohnsitz in New York. 1994 spielte er bei der Amtseinführung Nelson Mandelas. In Kapstadt gründete er die Akademie "M7" zur Unterstützung der musikalischen Ausbildung junger Südafrikaner; 2006 war er Initiator des Cape Town Jazz Orchestra, einer 18köpfigen Big Band.

Wiederholt hat Abdullah Ibrahim mit Big Bands und Sinfonieorchestern zusammengearbeitet. Aus der Kooperation mit Daniel Schnyder, der seine Kompositionen orchestrierte, entstand 1997 die African Suite für Jazztrio und Sinfonieorchester. Er arbeitete auch mit George Gray, Buddy Tate und Max Roach zusammen. Immer wieder trat er auch mit Soloprogrammen auf, zuletzt dokumentiert auf Senzo (2008). Als Interpret ist er „ein Zauberer der Wiederholung, und hinter jedem Ton steht eine ganze Landschaft“; die Musik „strahlt Weite und Ruhe aus“ (Konrad Heidkamp).

Gemeinsame Tochter von Abdullah Ibrahim und Sathima Bea Benjamin ist die New Yorker Underground-Rapperin Jean Grae; ein weiteres Kind ist der Sohn Tsakwe.

Ausgewählte Diskographie

  • Round Midnight at the Montmarte, 1965
  • African Space Program, 1973
  • Sangoma, 1973
  • Mannenberg: Is Where It's Happening, 1974
  • Black Lightning, 1976
  • Streams of Consciousness, 1977
  • Echoes from Africa, 1979
  • Africa - Tears and Laughter, 1979
  • African Marketplace, 1980
  • Duke's memories (Live in Berlin), 1981
  • African Dawn, 1982
  • Water from an Ancient Well, 1985
  • Mindif, 1988
  • African River, 1989
  • No Fear, No Die, 1990
  • Desert Flowers, 1991
  • Mantra Mode, 1991
  • Knysna Blue, 1993
  • Yarona, 1995
  • Cape Town Revised (Live in Kapstadt), 1997
  • CapeTown Flowers, 1997
  • African Suite, 1998
  • Made in Southafrica Township, 1998
  • Voice of Africa, 1998
  • African Sun, 1999
  • Ekapa Lodumo, 2001
  • African Symphony, 2001
  • African Magic, 2002
  • Blues for a Hip King, 2003
  • The Journey, 2003
  • A Celebration, 2005
  • Senzo - Preis der deutschen Schallplattenkritik (Bestenliste 4/2008), 2008
  • Abdullah Ibrahim & Ekaya - Sotho Blue, 2010

Links

Abdullah Ibrahim bei allmusic.com:
http://www.allmusic.com/artist/abdullah-ibrahim-mn0000923935

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Quelle: Wikipedia

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