Abdullah Ibrahim

Abdullah Ibrahim
Abdullah Ibrahim, Foto: Dr. Marina Umari

Biographie

Abdullah Ibrahim ist Südafrikas bedeutendster Pianist und ein weltweit geschätzter Künstler. Der 1934 in Kapstadt geborene Dollar Brand, wie er genannt wurde, war einem Schmelztiegel von kulturellen Einflüssen ausgesetzt: Afrikanische Khoi-san-Lieder, christliche Hymnen, Gospels und Spirituals, aber auch amerikanischer Jazz, Township Jive und klassische Musik. Aus dieser Mischung aus Weltlichem und Religiösem, Traditionellem und Modernem entstand Abdullah Ibrahims unverwechselbarer Sound und sein musikalisches Vokabular.

Abdullah Ibrahims Ruf entwickelte sich zunächst in lokalen Kapstädter Bands wie den Tuxedo Slickers sowie in seinem eigenen Dollar Brand Trio im Jahr 1958. Sein 1959 gegründetes, bahnbrechendes Septett Jazz Epistles, dem unter anderem der Trompeter Hugh Masakela und der Posaunist Jonas Gwanga angehörten, nahm das erste Jazzalbum südafrikanischer Musiker auf: Jazz Epistle, Verse 1. Aufgrund der immer strengeren Apartheidgesetze und der zunehmenden Schikanen der Regierung gegenüber Musikern sowie der Inhaftierung von Nelson Mandela verließ Dollar Brand mit seiner Partnerin Sathima Bea Benjamin das Land und zog in die Schweiz. Dort begegnete er Duke Ellington, was 1964 zu der entscheidenden Aufnahme Duke Ellington presents the Dollar Brand Trio führte.

Abdullah Ibrahims spätere Auswanderung nach New York im Jahr 1965 festigte seine Karriere als führender Musiker; in diesen Jahren arbeitete er mit progressiven Jazzmusikern wie Don Cherry, Ornette Coleman und John Coltrane zusammen und trat unter anderem mit Elvin Jones und dem Ellington Orchestra auf. In den folgenden Jahren kehrte er auf der Suche nach spiritueller Harmonie nach Kapstadt zurück und nahm Mannenberg - Is Where It's Happening auf, das zur inoffiziellen Nationalhymne des schwarzen Südafrikas wurde. Ende der 1970er Jahre kehrte Ibrahim in die USA zurück, wo er an einer Reihe von künstlerischen Projekten mitwirkte: Garth Fagans Ballett Prelude (Uraufführung 1981), die Kalahari Liberation Opera (Wien, 1982) und das Musical Cape Town, South Africa (1983) mit dem in diesem Jahr gegründeten Septett Ekaya.

1990 lud ihn der aus dem Gefängnis entlassene Mandela ein, nach Südafrika zu kommen. Die aufgewühlten Gefühle der Wiedereingewöhnung spiegeln sich in Mantra Modes (1991), der ersten Aufnahme mit südafrikanischen Musikern seit 1976, und in Knysna Blue (1993) wider. Ibrahim hatte einen denkwürdigen Auftritt bei Mandelas Amtseinführung 1994, wo Mandela ihn als "unseren Mozart" bezeichnete.

Kürzlich wurde Abdullah im Rahmen des National Endowment for the Arts (NEA) 2019 neben Maria Schneider und Stanley Crouch zum Jazz Master ernannt. Zu den früheren Empfängern dieser Auszeichnung gehören Dizzy Gillespie, Ella Fitzgerald und Herbie Hancock. Im selben Jahr präsentierte er auch ein neues Small-Band-Album, The Balance with Ekaya, das Platz 3 in den US Billboard Jazz Charts erreichte, sowie ein Soloalbum Dream Time, das im historischen Konzertsaal des 500 Jahre alten Hotels Hirzinger in Aschau aufgenommen wurde. Ein Auftritt in der BBC-Fernsehshow Later... with Jools Holland und ein wirklich denkwürdiger Auftritt im Kamigamo-Schrein in Kyoto in Japan zementierten 2019 als ein herausragendes Jahr für Abdullah.

Mit der Wende des Jahrzehnts tourt Abdullah weiterhin als Solopianist und mit Ekaya durch die Welt und bleibt auf seinem Zenit als Musiker und unermüdlicher Initiator neuer Projekte.

Ausgewählte Diskographie

  • Round Midnight at the Montmarte, 1965
  • African Space Program, 1973
  • Sangoma, 1973
  • Mannenberg: Is Where It's Happening, 1974
  • Black Lightning, 1976
  • Streams of Consciousness, 1977
  • Echoes from Africa, 1979
  • Africa - Tears and Laughter, 1979
  • African Marketplace, 1980
  • Duke's memories (Live in Berlin), 1981
  • African Dawn, 1982
  • Water from an Ancient Well, 1985
  • Mindif, 1988
  • African River, 1989
  • No Fear, No Die, 1990
  • Desert Flowers, 1991
  • Mantra Mode, 1991
  • Knysna Blue, 1993
  • Yarona, 1995
  • Cape Town Revised (Live in Kapstadt), 1997
  • CapeTown Flowers, 1997
  • African Suite, 1998
  • Made in Southafrica Township, 1998
  • Voice of Africa, 1998
  • African Sun, 1999
  • Ekapa Lodumo, 2001
  • African Symphony, 2001
  • African Magic, 2002
  • Blues for a Hip King, 2003
  • The Journey, 2003
  • A Celebration, 2005
  • Senzo - Preis der deutschen Schallplattenkritik (Bestenliste 4/2008), 2008
  • Abdullah Ibrahim & Ekaya - Sotho Blue, 2010
  • Dream Time, 2019
  • Solotude, 2022

Links

Abdullah Ibrahim Internetseite:
https://abdullahibrahim.co.za/

Einen Kommentar schreiben

Bitte rechnen Sie 5 plus 2.