Al Jarreau

Al Jarreau, Foto by Jasper De Boer
Al Jarreau, Foto by Jasper De Boer

Biographie

Al Jarreau, eigentlich Alwyn Lopez Jarreau, (* 12. März 1940 in Milwaukee/Wisconsin; † 12. Februar 2017 in Los Angeles, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Jazz-, Pop- und Rhythm and Blues-Sänger und Songautor.

Al Jarreau ist das fünfte von sechs Kindern. Die Familie war sehr arm und zeichnete sich durch eine große Musikalität aus. Al sang bereits mit vier Jahren sein erstes Solo in der Kirche. Sein aus New Orleans stammender Vater – Emile Alphonse Jarreau – war Pfarrer in der „Seventh Day Adventist Church“, arbeitete aber während des Zweiten Weltkrieges in der Munitionsfabrik A.O. Smith, so dass Al seinen Vater nie in der Kirche predigen hörte, nur zu Hause. Seine Mutter – Pearl Walker Jarreau – war Kirchenorganistin. Schon als Kind entdeckte Al Jarreau durch seine Brüder die Improvisation, als er mit ihnen zusammen zu Hause sang.

In seiner Jugend begann er in Bars seiner Heimatstadt aufzutreten. In einer davon lernte er den ungarischen Jazzpianisten Laszlo Les Czimber (genannt „Tarzan“) kennen, der 1956 nach dem Volksaufstand von Budapest nach Milwaukee geflohen war, und ihm beibrachte, wie man Songs ausarbeitet. Von 1958 bis 1962 studierte Al am Ripon College in Wisconsin Psychologie und schloss das Studium mit dem „Bachelor of Arts“ ab. Während seines Studium trat er lokal mit einer vierköpfigen Gruppe namens „The Indigos“ an den Wochenenden auf. Danach absolvierte er an der University of Iowa einen Magisterstudiengang (Master's Degree in Vocational Rehabilitation).

1964 ging er nach sechs Monaten Dienstzeist in der Armeereserve nach San Francisco. Dort führte er eine Art Doppelleben: Dreimal pro Woche trat er abends in einem Club mit einem Trio auf, welches von dem damals noch unbekannten George Duke geleitet wurde. Tagsüber arbeitet er als Rehabilitationshelfer im „California Division and Rehabilitation Center“, wo er Menschen mit geistigen oder körperlichen Behinderungen half, sie wieder ins Arbeitsleben mit einzugliedern. 1965 sang er als Student an Wochenenden unter anderem mit dem Joe Abodeely Trio in einem Club in Cedar Rapids, genannt „The Tender Trap“. Dort traf er auch auf den Saxophonisten J. R. Monterose, der ihm beibrachte, die Noten, welche für den Saxophonisten bestimmt waren, einfach zu singen beziehungsweise zu „scatten“. Ein Liveauftritt wurde mitgeschnitten, welcher später als Platte unter dem Titel „1965 - Al Jarreau“ beim „Bainbridge Label“ erschien (auch unter den Titeln „The Masquerade is over“ oder „J. R. Monterose - Live at the Tender Trap“ bekannt), auf dem er so bekannte Standards wie „Sophisticated lady“, „My Favourite Things“, „Come Rain or Shine“ oder „One Note Samba“ singt.

Mit dem brasilianischen Gitarristen Julio Martinez, den er 1968 kennen lernte, trat er im Duo im „Gatsby's“ in Sausalito auf. In dieser Zeit entdeckte er auch seine Liebe zum Bossa Nova und entwickelte er seinen speziellen Gesangsstil (den Gesang mit instrumentalen Sounds zu unterlegen). Die Tätigkeit als Sozialarbeiter war eigentlich sein Traumberuf, weil er schon immer anderen Menschen in irgendeiner Weise helfen wollte. 1969 entschied er sich jedoch ganz für die Musik und kündigte seine Arbeitsstelle, da ein Doppelleben auf Dauer einfach zu anstrengend war.

1975 trat er im Vorprogramm des Jazzpianisten Les McCann im Troubadour Club in Hollywood auf. Bei einem nachfolgenden Auftritt im „Bla Bla Cafe“ wurde er von einem Warner Brothers Talentscout entdeckt und unterschrieb seinen ersten Plattenvertrag. Kurz darauf erschien seine erste Platte bei Warner: „We got By“. Er war damals bereits 35 Jahre alt. 1976 kam sein zweites Album heraus: „Glow“. 1977 wurden Ausschnitte von der Europa-Tournee auch auf die Platte Look to the Rainbow gepresst. Hier machte ihn vor allem die Liveversion von Dave Brubecks Klassiker „Take Five“ mit einem Schlag bekannt. Er erhielt den deutschen Schallplattenpreis für Nachwuchskünstler. Auch in den USA wuchs seine Bekannt- und Beliebtheit. Im gleichen Jahr erhielt er dort den „Grammy“ als „Best Male Jazz Vocalist“. 1978 gewann er für „All Fly Home“ einen zweiten Grammy als „Best Jazz Vocal Performance“

1980 erschien „This Time“. 1981 erschien „Breakin' Away“ mit dem halsbrecherischen Song „(Round, Round, Round) Blue Rondo a la Turk“ von Dave Brubeck, der ihm seinen dritten Grammy als „Best Jazz Vocal Performance, Male“ und den vierten für die „Best Pop Vocal Performance, Male“ einbrachte. 1983 und 1984 erschienen die Alben „Jarreau“ und „High Crime“. 1985 wurde „Live in London“ im Wembley-Stadion in London vor Publikum live aufgenommen. Außerdem sang er beim von Quincy Jones produzierten Welthit „We Are the World“ mit anderen bekannten Künstlern für das Projekt „USA for Africa“ der Afrika-Welthungerhilfe mit. 1986 erschien „L is for Lover“. 1987 intonierte er die Titelmelodie für die bekannte amerikanische Fernsehserie „Das Model und der Schnüffler“ mit Cybill Shepherd und Bruce Willis in den Hauptrollen und schrieb selbst den Text zur Musik von Lee Holdrige. 1988 erschien „Heart's Horizon“.

1992 bekam Al Jarreau seinen fünften Grammy für sein Album „Heaven and Earth“ für die „Best R & B Performance, Male“. 1994 wurde „Tenderness“ auf einer kleinen Bühne in Los Angeles vor knapp 250 Zuschauern live eingespielt, produziert von Marcus Miller. 1996 folgte erstmal eine Tourpause, in der er drei Monate am Broadway in New York im Musical Grease die Rolle des „Teen Angel“ spielte. Ebenfalls folgten TV-Gastauftritte in den amerikanischen Serien „New York Undercover“ und „Touched by an Angel“ (dt. „Ein Hauch von Himmel“). Außerdem erschien „Best of Al Jarreau“, eine Zusammenstellung seiner bekanntesten Hits.

In den folgenden Jahren kam es zu keinen weiteren Veröffentlichungen, da Jarreau sich von seiner langjährigen Plattenfirma (Warner Brothers) trennte. Er tourte weiter rund um den Globus. 2000 wurde sein Album „Tomorrow Today“ und neuer Plattenfirma bei Verve/Grp) veröffentlicht. 2002 erschien „All I Got“. 2004 löste er mit „Accentuate the Positive“ das langjährige Versprechen ein, endlich ein Jazzalbum herauszubringen, welches er mit einem Trio einspielte. 2006 veröffentlichte er mit „Givin' It Up“ ein ganzes Album mit dem Jazz-Gitarristen und -Sänger George Benson. Im Jahr 2007 gewann er seinen sechsten Grammy für das Stück aus dem Album „God Bless the Child“ in der Kategorie „Best Traditional R & B Performance with Vocal“.

Ende Januar 2017 sagte Jarreau wegen Schwäche und Kurzatmigkeit eine geplante Jazz-Kreuzfahrt ab und musste ärztlich behandelt werden. Vom Krankenhaus aus ließ er am 8. Februar 2017 über seine Website erklären, dass er seine Live-Karriere beenden müsse. Vier Tage später starb er dort im Kreise seiner Familie. Bereits 2010 war der damals 70-jährige wegen lebensgefährlicher Atemprobleme intensivmedizinisch versorgt worden.

Ausgewählte Diskographie

Al Jarreau Alben

  • 1965 Al Jarreau, 1965
  • We Got By, 1975
  • Glow, 1976
  • Look to the Rainbow (live), 1977
  • All Fly Home, 1978
  • This Time, 1980
  • Breakin' Away, 1981
  • Jarreau, 1983
  • High Crime, 1984
  • In London (live), 1985
  • L is for Lover, 1986
  • Heart's Horizon, 1988
  • Heaven and Earth, 1992
  • Tenderness (live), 1994
  • Best of, 1996
  • The Masters, 1998
  • Tomorrow - Today, 1999
  • All I Got, 2002
  • Accentuate the Positive, 2004
  • Givin' It Up (mit George Benson), 2006
  • Love Songs, 2008
  • Christmas, 2008
  • My Old Friend: Celebrating George Duke, 2014

Al Jarreau Singles

  • Rainbow in your Eye, 1976
  • Take Five, 1977
  • Thinkin' About It Too, 1978
  • Never Givin' Up, Distracted
  • We're in this Love Together, Breakin' Away,Teach Me Tonight, 1981
  • Your Precious Love (mit Randy Crawford), 1982
  • Mornin', Boogie Down,Trouble In Paradise, 1983
  • After All, 1984
  • Day By Day (mit Shakatak), 1985
  • The Music Of Goodbye (Theme From Out Of Africa)“ (mit Melissa Manchester), Tell Me What I Gotta Do, 1986
  • Moonlighting (Theme), 1987
  • So Good, 1988
  • All of My Love, All or Nothing, 1989
  • Blue Angel, 1992
  • In My Music (mit Phife Dawg), 2001

Links

Al Jarreau Internetseite:
http://www.aljarreau.com/

Diese Artikel über Al Jarreau wurde veröffentlicht unter GNU Free Documentation License
Quelle: Wikipedia

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