JazzBaltica 2019

JazzBaltica 2019 - Gut gebrüllt Löwe - Karneval der Tiere – Ein Familienkonzert? - 23.06.2019

Katja Riemann
Katja Riemann, Foto: Jacek Brun

Katja Riemann - narrator
Nils Landgren - trombone
Fabia Mantwill - saxophone
Milena Hoge - harp
Izabella Effenberg - vibraphone, array mbira, glass harp
Lisa Wulff - bass
Silvan Strauss - drums

Roger Willemsen - text
Wolf Kerschek - arrangement

Die Stimme
Katja Riemanns Stimme ist so wenig zu überhören wie die zwischen den Texten aufspielende Musik. Es ist die raumfüllende Stimme einer für dieses Konzert perfekt ausgewählten Schauspielerin, die hier zur Sprecherin, zur Moderatorin, zur Übersetzerin von Texten aus dem Karneval der Tiere wird. Das ist gut so, denn ohne eine derart ausgebildete Stimme würden die witzig ironischen Texte von Roger Willemsen unter- und verlorengehen. Gut gefaucht Katja!

Musik & Band
Ein Septett sorgt in origineller Besetzung für die Musik. Da sind neben dem Kontrabass von Lisa Wulff, dem Schlagzeuger Silva Strauss noch die Bläser von Saxofon und Posaune. Als Blickfang dienen jedoch Harfe und Vibrafon. Eingängig kommt die Musik rüber, nett und einfach gestrickt, aber nicht oberflächlich banal. Die tiefen Tonlagen werden vom Tenorsaxofon der Fabia Mantwill sowie der Posaune von Nils (natürlich JazzBaltica-Nils) geliefert. Dagegen sind die hohen Lagen der Harfe für Milena Hoge sowie dem Vibrafon von Izabella Effenberg vorbehalten. Katja Riemann besetzt mit ihrer Stimme die Tonlage des Alt, wobei mitunter auch akustische Ausflüge ins Tierreich zu hören sind, die mehr nach Sopran und Tenor klingen. Alles in allem ist dieses Septett eine richtige Big Band. Oft folgen den Text-Blöcken Passagen von Musik, in denen die Stimme schweigt, Atem holt. Mitunter spielt die Musik diskret im Hintergrund wenn Katja am Plaudern ist, aber überwiegend sind entweder Text oder Musik zu hören.

Karneval der Tiere
Karneval der Tiere, Foto: Jacek Brun

Katja Riemann legt los, sagt, worum es geht. Klar, Karneval der Tiere. Das legendäre Thema des Klassikers Saint-Saens. Die Band spielt auf. Es klingt nach Zirkus- und Varieté-Musik oder nach einer originellen Variation des Narr-Halla-Marsches des Mainzer Karnevals.

Texte & Musik
Der nächste Text wird mit sanften Harfenklängen unterlegt, um sodann in einen leichten Swing zu wechseln. Die Soli von Bass, Sax und Posaunen sind kurz und knapp. Es wird stets nur angeschlagen, angezupft oder angeblasen, denn schon wartet die nächste Strophe des Textes auf ihren Auftritt. Die Texte wollen sich mit der Macht aller Tierstimmen Gehör verschaffen. Hier brüllt nicht nur der Löwe gut, sondern ebenso Elefant, Känguru, Fisch, Frosch wie Spinne. Und was es sonst noch alles gibt in diesem Zoo. Keine Frage, jedes Tier hat seine ganz individuelle Stimme. Dafür sorgt Katja Riemann mit Verve und Biss.

Nicht nur mit ihrer Stimme beseelt sie die Tiere, sondern gleichermaßen mit Mimik, Gestik, mit dem ganzen Repertoire an Fertigkeiten, über das eine hervorragende Schauspielerin verfügt. (Mal wieder ins Theater gehen!) Es wird trompetet, geschnattert, gepiepst, gebrüllt, geschnaubt und posaunt was das Zeug hält. Und die Musi spielt dazu. Da tönen gerade helle Klänge aus den Metallzungen des neuartigen Instruments Array Mbira, entlockt von der Vibrafonistin Izabella Effenberg. Perlende Klänge von Array Mbira und Harfe, ein warm gestrichener Kontrabass, erzeugen einen balancierten Sound, der von der Spannung zwischen dem tiefen Bass und den zarten Tönen von Harfe & Vibes lebt.

Karneval der Tiere
Karneval der Tiere, Foto: Jacek Brun

Der Elefant ist nun dran. Unüberhörbar, ja unerhört wie Katja und Nils dem Elefanten ihre Stimmen verleihen. Der musikalische Hintergrund tönt mit kluger Einfachheit. Der federnde Beat der Drums versetzt den Elefanten in den Zirkus des Karnevals. Dieser macht sich seinen Reim aufs Leben, philosophiert und posaunt sich dabei den Rüssel aus dem Leib. Elefantissimo.

Texte & Reime
Die Texte sind witzig wie originell, aber wohl doch nichts für Kinder. Die oft ironischen oder parodierenden Anspielungen erfordern ein gut aufgehäuftes Wissen, das auch Teenager heraus- oder gar überfordern würde. Für Kinder sind diese Strophen nicht zu verstehen. Für weltoffene und kulturell interessierte Erwachsene können die Texte dagegen höchst amüsant sein – sofern man/frau dieses Genre liebt. Den im Konzert Anwesenden gefallen die Strophen und Reime gut. Für die Kinder bleibt nur die hervorragend einfach gehaltene Musik frei nach dem Motto: Jazz-Musik „macht Kinder froh und Erwachsenen ebenso“.

Hier sind aus - dem musikalischen Zusammenhang gerissen - ein paar Kostproben der Reime: „ Fische, wenn ich mich nicht verhöre, doch das sind die Fischer-Chöre … Give Fish a Change … Die Ochsen-Lotti und der Pavarotti … Es ganz anders grooved, wenn der Kuckuck ruft.“ Es gäbe noch viele Beispiele. Aber diese konnten nicht behalten oder notiert werden. Sie können bei Willemsen nachlesen werden

Karneval der Tiere
Karneval der Tiere, Foto: Jacek Brun

Reime & Musik
Gestrichene Basslaute sowie zarte Klangperlen des Vibrafons verstärken den Reim des Kuckucks. Derart eingebettet schallt´s: Kuckuck ruft, Musik grooved. Gegen Ende des „tierisch guten“ Karnevals spielt das Septett klassisch swingenden Jazz. Soli von Posaune, Sax, Bass und Drums heitern auf, verbinden die lustigen Sprüche mit musikalischen Inhalten. Die kristallinen Klänge des Vibrafons klingen nach verzauberten Tieren, die im Stein eingeschlossen, sich durch Musik befreien können. Oder wie es ein Reim bekundet: „Musik verschlossen im Stein, da muss Radetzky-Marsch rein“. Oder so ähnliche Musik wie die heutige, die Wolf Kerschek famos komponiert und arrangiert hat.

Text: Cosmo Scharmer
Foto: Jacek Brun

JazzBaltica 2019 - Fotoreportage

JazzBaltica 2019 - Fotoreportage
JazzBaltica 2019

19.000 Besucher feierten vom 20. bis zum 23. Juni die 29. Ausgabe von JazzBaltica in Timmendorfer Strand. Sämtliche Konzerte auf der MainStage im Festsaal des Maritim  Seehotel Timmendorfer Strand waren ausverkauft. Hier waren unter anderem Mathias Eick, Nils Wülker, Jakob Bro und Palle Mikkelborg, Katja Riemann, Marilyn Mazur, Bugge Wesseltoft, Dan Berglund und Magnus Öström sowie das senegalesische Orchestra Baobab zu erleben.
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