Jazz News

Joost Lijbaart - Free

Diese ruhige Musik enthält viel Stille. Sie lebt von der Spannung zwischen hohen hellen Frequenzen der klirrenden Becken und sparsamen tiefen Frequenzen der Drums. Das trifft auf (fast) alle Themen des Albums zu, jedoch besonders auf die Titel „Stringers from the Sky“, „Solitude“ und „Velocity“. Im letzteren Stück gesellen sich nach dem tiefen Wums des Anfangs die quirligen Becken dazu, die mit schnellen Noten, Breaks und Wirbel bearbeitet werden – rhythmisch treibendes Jazz-Trommeln. Sphärische Stimmen sind als Hintergrund-Sound - mal dezent, mal aufdringlicher - zu hören, runden ab, sind nur Begleitung.

Andreas Feith - Surviving Flower

Den Nürnberger Pianisten Andreas Feith kennt man in der süddeutschen Jazzszene als viel beschäftigten Sideman in unterschiedlichsten Settings. So prägt er mit seinem verantwortungsvollen und energetischen Spiel, wie auch seinen risikoreichen, dem Moment folgenden Soli entscheidend einige Bandsounds mit, beispielsweise die des Christoph Beck Quartetts oder des Rebecca Trescher Tentetts.

Christian Scott aTunde Adjuah - Axiom

"Axiom" ist ein Live Album, rar in 2020, aufgenommen als der Lockdown begann. Der 10. März 2020 ist fünf kurze Monate her, die eine Ewigkeit zurückzuliegen scheinen. Christian Scott aTunde Adjuah und seine Band befanden sich an einem vertrauten Ort unter unbekannten Umständen - das berühmte Blue Note von New York City - als Covid19-Ungewissheit die Welt erfasste. Der Chief, entschlossen, auf Kurs zu bleiben, und sich der Risiken bewusst, traf die Entscheidung, weiterzumachen und zu spielen.

Till Brönner & Bob James - On Vacation

Gemeinsam mit Jazz-Legende und Grammy-Preisträger Bob James hat Trompeter Till Brönner - Deutschlands erfolgreichster Jazzmusiker – sein langersehntes nächstes Studio-Album aufgenommen. Der eine aus dem Mutterland des Jazz - der andere aus dem Schoß europäischer Tradition, verabredeten sich beide im Herbst 2019 im legendären Studio "La Fabrique" in Südfrankreich. "Wir hatten beide zunächst sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, wohin sich unsere gemeinsame Session entwickeln sollte. Alle Theorie sollte jedoch einem zentralen Gefühl weichen, das wussten wir beide sofort", resümiert der mehrfache ECHO-Gewinner und Grammy-nominierte Ausnahmemusiker Brönner über den Entstehungsprozess.

Jarry Singla Eastern Flowers - Tendu

Wow! Muss oder kann man wirklich mehr über „Tendu“, das neue Album des Trios Jarry Singla Eastern Flowers sagen, als der Pianist das selbst in diesem kurzen Statement vermag? Musik ist eine Sprache, und jede Sprache bedarf der individuellen und interkulturellen Übersetzung. Denn Sprache, völlig egal, ob ihr Vokabular auf Worten, Farben, Bewegungen oder eben Tönen, Rhythmen und Klängen basiert, ist immer ein Abbild des Lebens.

Eva Klesse Quartett - Creatures & States

Der Zweijahresrhythmus bleibt gewahrt, auch beim vierten Album des Eva Klesse Quartetts. Ende Oktober 2018 erschien Miniatures - Ten Songs For Chamber Jazz Quartet, begleitet von begeisterten Medienreaktionen. Viele lobten besonders die traumwandlerisch sicheren Interaktionen der Band und ihre charakteristische, variable Klangsprache. "In den Stücken dieses Albums ist kaum ein Takt so, wie man ihn erwarten würde. Kein Klischee. Kein Abfeiern von Effekten. Sondern die Lust am instrumentalen Gespräch", konstatierte BR-Klassik und Matthias Wegner attestierte im Deutschlandfunk Kultur: "...ein wunderbarer Gesamtsound: unaufgeregt, aber dennoch voller Tiefe." Ulrich Steinmetzger notierte in der Leipziger Volkszeitung: "Die kontinuierliche Weiterentwicklung der Band, die auf feine Details und milde Stimmungen setzt und nicht auf vordergründige Überrumpelung, ist höchst faszinierend."

Yellowjackets + WDR Big Band - Jackets XL

Als langjährig eingespieltes Jazz-Ensemble hat Yellowjackets in seiner fast vier Jahrzehnte währenden Geschichte ein ganz eigenes Universum elektroakustischer Klangwelten erschaffen. Seit dem gleichnamigen Debütalbum der Band aus dem Jahr 1981 hat Yellowjackets mit innovativen und herausfordernden künstlerischen Statements immer wieder neue Wege beschritten. Für Jackets XL, ihr 25. Album und das vierte für die Mack Avenue Music Group, hat sich die Band in einer aufregenden und intensiven Zusammenarbeit mit der herausragenden WDR Big Band aus Köln weiter profiliert und neu erfunden. Das Projekt kombiniert das vielgestaltige, mehrfach mit dem GRAMMY®- Preis ausgezeichnete Quartett mit der renommierten Big Band und kreiert bekannte Band-Originale mit dynamischen neuen Arrangements, die sich durch Wendungen, Texturen und Farben, bewegende Harmonien und mutige Soli auszeichnen.

Quadro Nuevo - Mare

Musik der Meere und ein Meer voller Träume - Quadro Nuevo kehren zurück zu Ihrer frühen alten Liebe zur mediterranen Leichtigkeit. Es duftet... Die mediterrane Leichtigkeit des Seins war zweifellos immer schon von grossem Einfluß für Quadro Nuevo: italienische Tänze, französische Valse, ägäische Mythen-Melodien, Songs entlang einer sonnenbeschienenen Küstenstraße, orientalische Impressionen, Brasilianische Aromen und neapolitanische Gassenhauer.

Rebekka Bakken - Winter Nights

Auf dem neunten Soloalbum interpretiert Rebekka Bakken, mit ihrer kraft- und ausdrucksvollen drei Oktaven umfassenden Stimme, Lieder, die alle ganz wunderbar zur kommenden Winter- und Weihnachtszeit passen. So singt sie u.a. Calling All Angels, In The Bleak Midwinter, Silent Night und schafft es auch Wham!`s Last Christmas in ein anderes, ein romantisch zartes Licht zu tauchen.

Caspar van Meel Quintet - On The Edge

Der Titel "On the Edge" vom neuen Album des Caspar van Meel Quintets ist kein Zufall – hier ist eine Gruppe die sich traut Risiken einzugehen und sich gegenseitig inspiriert neue musikalische Räumen zu erforschen. Swingen in bester Hardbop-Tradition, afrikanische Beats, krumme Taktarten und dabei grooven wie eine Funkband – das Caspar van Meel Quintet spielt modernen Jazz mit jeder Menge Energie. „Ich möchte Stücke schreiben, die beides sind: intellektuell anregend und emotional bewegend“, sagt Caspar van Meel, Bandleader, Komponist und Bassist der Gruppe, über seine Musik.

Lia Pale - Sing My Soul

Was Lia Pale macht, ist im Grunde nichts anderes als das, was im Jazz ohnehin üblich ist – vorhandenes musikalisches Material nehmen um etwas Eigenes, Neues daraus zu machen. Der einzige Unterschied besteht darin, dass sie ihre Lieder nicht aus dem Great American Songbook, sondern aus dem Great European Songbook bezieht. Anders gesagt, statt George Gershwin, Irving Berlin und Cole Porter hat sie sich bis jetzt für Franz Schubert, Robert Schumann und Johannes Brahms entschieden.

Deutsche Jazzunion warnt vor Folgen von Veranstaltungsverbot ohne Kompensation für Kulturschaffende

Berlin, 28.10.2020 | Die Deutsche Jazzunion richtet gemeinsam mit vielen anderen Bundesverbänden einen dringenden Appell an die Bundesregierung, bei den weiteren Verschärfungen der Corona-Maßnahmen die teils drastischen Auswirkungen für den Kulturbereich im Auge zu behalten. Am heutigen Mittwoch werden nach Gesprächen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsident*innen der Länder weitere Vorgaben zur Eindämmung des Infektionsgeschehens erwartet.

Andreas Hourdakis - Underworld

Nicht viele Gitarristen sind so vielseitig wie Andreas Hourdakis. Seine Konzerte gab er in renommierten Jazzlokalen, schweißtreibenden Rockclubs und sogar in Schwedens größten Arenen. Im Jazz haben ihn seine Beiträge zu Magnus Öströms Band, Lars Danielsson, Karin Hammar, Sebastian Studnitzky, Jeanette Lindström, Joakim Milder, um nur einige zu nennen, auf einige der angesehensten Jazzbühnen Europas gebracht – aber in jeder Umgebung, in der er spielt, ist sein einzigartiger Klang unverkennbar.

Stefano Bollani mit „Piano Variations on Jesus Christ Superstar“ beim Jazzfestival Esslingen

Trotz widriger Umstände konnte das 6. Jazzfestival Esslingen dank des energischen Engagements von Maximilian Merkle und seinem Team in modifizierter Form stattfinden. Stefano Bollani war in Esslingen bereits beim Festivalauftakt 2015 ein Programmhöhepunkt. So erwartete das Publikum mit den obligatorischen Masken und viel Abstand zueinander in der Stadtkirche St. Dionys den Meister, der zur Begrüßung mit einem Tribut für den am 6. Juli in Rom verstorbenen Ennio Morricone sein Konzert begann.

Eyot - 557799

Der Name des Albums lautet 557799, nach der Kompositionsnummer 7, bei der es um das durchgehende Rhythmusmuster geht. 5/8 5/8, 7/8 7/8, 9/8 9/8. Diese 3 ungeraden Rhythmen sind die Grundlagen der traditionellen Musik des Balkans, aber für uns ist das mehr als nur die Nummer - es ist der Inbegriff des Lebens und der Geschichte, die in diesem Teil der Welt immer schon turbulent war. Das ist unser Herzschlag. Es ist eine Merkwürdigkeit voller Leben und Emotionen.

Yumi Ito - Little Things

Offizielles Musikvideo für die Single "Little Things" aus dem Album "Stardust Crystals" von Yumi Ito. Album erscheint am 20.11.2020 auf allen Plattformen.
MusikerInnen: Yumi Ito (vocals, composition, arrangement, lyrics), Marina Tantanozi (flute), Sam Barnett (altosax), Enrique Oliver (tenorsax, bassclarinet), Victor Darmon (violin), Hugo Van Rechem (viola), Joachim Flüeler (cello) , Esther Sévérac (harp), Izabella Effenberg (vibraphone, array mbira), Kuba Dworak (doublebass), Phelan Burgoyne (drums)

Worldwide Sax Alliance (WSA) & JazzDayGermany stellt Ganna Gryniva vor

Ganna Gryniva ist eine ukrainische (*04.07.1989), in Deutschland lebende Sängerin, Pianistin und Komponistin. Aufgewachsen in der Ukraine und Deutschland sucht Ganna nach Wegen ihre verschiedenen kulturellen Wurzeln zum Ausdruck zu bringen. Ihre Arbeit als Bandleaderin und Komponistin kombiniert Musikwelten von Jazz über ukrainischen Folk bis hin zu klassischer und experimenteller Musik. 2018, 2019 und 2020 erhielte Ganna (drei Jahre in Folge) das Stipendium der Neuen Liszt Stiftung.

Das Eismeer - Live im Sowieso Neukölln

Die Musik des Trios ‚Das Eismeer‘ hat etwas schwebend Mildes und Entschleunigtes. Sie klingt melancholisch nordisch und nach Weite. Doch wie es schon der treffende Bandname anzeigt, kann auch schroff das Tempo der ausgewogenen Ereignisse angezogen werden. Es ist, als würde sich eine innere Leinwand mehr und mehr mit den bewussten Bildern im Kopf entfalten. Insofern ist das eine Art musikalischer Impressionismus, ausgewogen, leise und doch nachdrücklich. Es zählt der Gruppenklang und nicht das solistische Lospreschen des Einzelnen. Je länger man hört und sich bewusst einlässt auf dieses gleichberechtigte Musizieren, umso mehr gewinnen diese Klänge an Tiefenschärfe.

I am the master of my fate: I am the captain of my soul

Statt wie gewohnt im stimmungsvollen Esslinger Jazzkeller in der Webergasse fand sich das treue Publikum entspannt und in gehörigem Abstand im „Komma“ wieder. Anke Helfrich, hier am zierlichen Piano statt am Flügel, Dietmar Fuhr neben ihr am Bass und der WDR-Jazzpreisträger Jens Düppe, der das Trio temporeich als Schlagzeuger ergänzt. Nach langer Pause ist das Trio nun endlich wieder live zu erleben und beginnt mit „Aspettami„ sofort das Publikum zu verzaubern.

Nils Wogram solo - Bright Lights

Was zum Beispiel auf Klavier oder Gitarre längst zur Normalität gehört, mutet auf der Posaune immer noch ungewohnt an, um nicht zu sagen gewagt. Dabei hat diese andernorts ungewöhnliche Konstellation im deutschen Jazz durchaus Tradition. Albert Mangelsdorff und Conny Bauer haben es vorgemacht und ihr Instrument auf mehreren stilprägenden Alben und unzähligen solitären Konzerten als Soloinstrument präsentiert. Mit seinem Solodebüt ‚Bright Lights‘ schließt Nils Wogram nicht nur an diese große Tradition an, sondern eröffnet ihr gleichzeitig völlig neue Perspektiven.

Frida - Freedom Of Fight

Drei Stimmen, Bass und Schlagzeug – schon auf den ersten Blick wird das Besondere dieses Quintetts offensichtlich. Die ungewöhnliche Besetzung ist aber nur ein charakteristisches Markenzeichen der Band, ein weiteres ist Fridas Repertoire. Couragiert und leichtfüßig, aber niemals leichtfertig lässt es Stil- und Genregrenzen rund um zeitgenössischen Jazz hinter sich. Auf ihrem Debütalbum Freedom of Flight präsentiert Frida intensive Poesie-Vertonungen, individuelle Neudeutungen von Pop-Hits und eigene Kompositionen. Allen gemeinsam ist dieser spezielle, so vielleicht noch nie gehörte Frida-Sound, der Himmel und Erde zu verbinden scheint. Hier die oft glockenklaren, manchmal geradezu schwebenden, dann wieder nachdrücklichen oder lautmalerischen Stimmen. Dort ein knurrig-holziger, zuweilen absichtsvoll rau gestrichener Kontrabass und ein pointiert und dynamisch gespieltes Schlagzeug.

Konzentrat und weite Räume - Phishbacher im Corona – Modus

Lyrisch, melodischer Einstieg, ein Solo – Piano – Intro, aber von Beginn an spürbar: die vibrierende Energie die im diesem Phishbacher Power – Paket lauert, die zu jeder Sekunde ausbrechen kann und die das auch immer wieder tut. Weil es täglich mehr Risikogebiete in Europa gibt, sagt Walter Fischbacher mit einem Lachen in seinem markigen Gesicht, habe er keine Ahnung, wie`s und ob`s überhaupt weitergeht mit der Tour. Und vielleicht deshalb, womöglich gerade deshalb powert dieses Trio von Beginn aus dermaßen los. In das Piano Intro sind längst der am Vorabend rekrutierte ‚Ersatzbassist‘ Cliff Schmitt und Ulf Stricker an den drums eingestiegen...

Gediminas Karkauskas - Lost Suite

Gediminas Karkauskas nahm sich Zeit für die Veröffentlichung seines ersten Albums. Auf die Frage "Warum jetzt?" - "Ich habe Jahre damit verbracht, den klassischen Jazz durch Improvisation in einem zeitgenössischen Jazzkontext zu beeinflussen. Ich würde sagen, ich bin offener geworden, meine Musik mit dem Zuhörer zu teilen. Es ist ein experimentelles Projekt, das Jazz aus klassischen Einflüssen schafft und Raum für Improvisation in einem zeitgenössischen Jazz-Rahmen bietet...

Uli Rennert - codeRED

"codeRED" ist ein Stück Musik geworden, das vor allem in Sachen Sound weit aus dem gewöhnlichen musikalischen Rahmen fällt. Uli Rennert entlockt seinen Instrumenten – dem Synthesizer und der Lap-Steel-Gitarre – Klänge, die futuristisch bis psychedelisch anmuten und im Zusammenspiel mit Bass und Schlagzeug irgendwo zwischen Komposition und Improvisation eine wirklich ganz eigene Atmosphäre entwickeln. Man durchfliegt den leeren und stillen Raum, man trifft auf chaotische Ereignisse, man wird Zeuge von mächtigen Ausbrüchen und Explosionen. (Michael Ternai)