Joost Lijbaart - Free

Joost Lijbaart - Free

Joost Lijbaart
Free

Erscheinungstermin: 06.11.2020
Label: Challenge Records, 2020

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Die rhythmische Stille der Trommeln

Diese ruhige Musik enthält viel Stille. Sie lebt von der Spannung zwischen hohen hellen Frequenzen der klirrenden Becken und sparsamen tiefen Frequenzen der Drums. Das trifft auf (fast) alle Themen des Albums zu, jedoch besonders auf die Titel „Stringers from the Sky“, „Solitude“ und „Velocity“. Im letzteren Stück gesellen sich nach dem tiefen Wums des Anfangs die quirligen Becken dazu, die mit schnellen Noten, Breaks und Wirbel bearbeitet werden – rhythmisch treibendes Jazz-Trommeln. Sphärische Stimmen sind als Hintergrund-Sound - mal dezent, mal aufdringlicher - zu hören, runden ab, sind nur Begleitung.

Das ist in den Titeln wie Corona Spiritual, Manhood und Free etwas anders. Hier schiebt sich ein niederfrequenter Sound stärker in den Vordergrund. Beim ersten Hören von Corona Spiritual sind Assoziationen an Orgel oder Akkordeon/ Bandoneon nicht zu vermeiden. Der Cover-Text klärt auf: der tiefe voluminöse Sound entströmt im Wortsinn den Luftzungen eines Harmoniums. In dieses dunkle Dröhnen setzen die Schläge der Drums feine Nadelstiche. Der programmatische Titel trifft die Stimmung. Wer versetzt hier wem die Nadelstiche? Das Virus uns allen oder der Musiker mit seinem kreativen Akt der Pandemie? Bei Manhood bewirkt der orgelähnliche Klang mit seinen durchgängigen, leicht monotonen Harmonien eine melancholische Stimmung – ein klassisches November-Thema. Auch beim Titelstück Free sorgt das Harmonium für die fortlaufende Bodenhaftung, in die als Kontrast Becken und helle Glöckchen anklingen. Erinnerungen an „Winterliche Idylle“ mit Schlittenfahrt und verwandten Themen sind naheliegend – so auch die Titel Twinkling Night und Dreamtime. Intendiert ist wohl eine Reise ins Innere des Individuums mit dem Ziel der Selbsterkenntnis. Wie auch immer, Free ist - wie das gesamte Album - ein sehr persönlicher Titel von Joost Lijbaart.

Einige Stücke sprechen naturverwandte Themen an. Dies mutet bisweilen - wegen der eruptiven Dschungelstimmen - etwas tropisch an. Das ist bei Half Moon, Talking Trees und Saman gut zu hören. Melodisch nur wenig variierende Klänge im Hintergrund erwecken eine minimalistische Stimmung, die von einzelnen wuchtigen Trommelschlägen unterbrochen werden. Auch bei Saman entwickelt sich das Thema zwischen hohem Klirren und dunklem Grummeln der Drums. In diesen Natur-Sound haucht eine einsame Flöte zierliche Farbtupfer, stets unterstützt von den Stimmen der gefiederten Freunde.

Aber es geht auch anders. Niaga verschafft einem wilden leidenschaftlichen Trommeln zum Durchbruch. Ein Marimba-Sound dient als Grundlage: Darüber, davor, dahinter und dazwischen bearbeitet der Schlagzeuger sein Felle, um einem sein quirliges Jazz Drumming um die Ohren zu hauen. Die rhythmische Stille der Trommeln.

Text: Cosmo Scharmer

  1. Strangers from the sky
  2. Velocity
  3. Corona spiritual
  4. Half moon
  5. Twinkling night
  6. Dreamtime
  7. Manhood
  8. Talking trees
  9. Niaga
  10. Saman
  11. Interstellar
  12. Solitude
  13. Free

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