Rezension des Albums "Rain, Flowers and New Beginnings" von Maik Krahl
Maik Krahl
Rain, Flowers and New Beginnings
Erscheinungstermin: 11.09.2026
Label: Challenge Records, 2026
Was nach dem Regen wächst
Keine Blume blüht ohne Regen. Hinter diesem einfachen Bild steht die Idee von „Rain, Flowers and New Beginnings”, dem neuen Album des Trompeters und Komponisten Maik Krahl. Wachstum braucht Veränderung, schwierige Zeiten können neue Kräfte freisetzen und aus Erfahrungen kann etwas entstehen, das vorher noch nicht sichtbar war. Krahl übersetzt diesen Gedanken in eine Musik voller Wärme, Klarheit und Zuversicht.
Dabei bleibt er seiner bisherigen künstlerischen Entwicklung treu. Er muss die Tradition des Jazz nicht verlassen, um Neues zu entdecken. Seine Kompositionen sind fest in dieser Tradition verwurzelt, betrachten das Überlieferte aber aus einer persönlichen, zeitgenössischen Perspektive. Amerikanische Jazztradition und europäisches Klangverständnis begegnen sich ganz selbstverständlich, ohne dass daraus ein stilistisches Programm gemacht werden müsste.
Im Mittelpunkt steht Krahls Trompete. Sein Ton ist klar, warm und flexibel, seine Phrasierung elegant und überlegt. Virtuosität besitzt er im Überfluss, doch er stellt sie niemals demonstrativ aus. Krahl spielt nicht mehr, als eine musikalische Situation verlangt. Gerade diese Zurückhaltung verleiht seinen solistischen Aussagen Gewicht.
Die Kompositionen bieten dafür viel Raum. Weite melodische Passagen wechseln mit bewegteren rhythmischen Momenten und ruhigen, beinahe nachdenklichen Abschnitten. Die Musik entwickelt sich organisch, ohne dass abrupte Gesten erzwungen werden müssen. Selbst dort, wo sie komplexer wird, behält sie ihre Transparenz.
Mit Tamara Lukasheva, Constantin Krahmer, Jakob Kühnemann und Fabian Rösch hat Krahl ein Ensemble um sich versammelt, das diese Balance ausgezeichnet versteht. Lukashevas Stimme erweitert die instrumentale Farbpalette, während Klavier, Bass und Schlagzeug ein bewegliches Fundament schaffen. Niemand drängt sich unnötig in den Vordergrund. Die individuellen Stimmen bleiben deutlich erkennbar und dienen zugleich dem gemeinsamen Klang.
In diesem Zusammenspiel zeigt sich Krahls Qualität als Bandleader und Komponist. Seine Musik gibt Orientierung, ohne die Musiker einzuengen. Tradition wird nicht reproduziert, sondern als lebendiges Material verstanden, aus dem sich die eigene künstlerische Vorstellung weiterentwickeln kann.
„Rain, Flowers and New Beginnings” handelt von Veränderung, klingt aber nicht nach einem radikalen Neubeginn. Vielmehr hört man einen Musiker, der seinen Weg konsequent weitergeht und dabei immer genauer weiß, was zu seiner Sprache gehört.
Ein wunderschönes, reifes Jazzalbum – klar im Ausdruck, reich an musikalischen Ideen und voller stiller Kraft.
Manchmal erkennt man eben erst nach dem Regen, was bereits zu wachsen begonnen hat.
(Jacek Brun, 12.09.2026)
Besetzung
Maik Krahl - Trumpet
Tamara Lukasheva - Vocals
Constantin Krahmer - Piano
Jakob Kühnemann - Double bass
Fabian Rösch - Drums
Titelliste
- Blue dots descending
- One way dialog
- Winter / botanical interlude
- Happy silly season
- Red wine and colorful glasses
- Breathe / sad song
- No pace, no race
- Rain, flowers and new beginnings
- The journey of serenity
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