Rezension des Albums "Dark" von Matthias Schwengler Soulcrane feat. Laurent Derache
Matthias Schwengler Soulcrane feat. Laurent Derache
Dark
Erscheinungstermin: 18.09.2026
Label: Klaeng Records, 2026
Wo die Dunkelheit Wärme trägt
Dunkelheit muss nicht bedrohlich sein. Sie kann Schutz geben, Erinnerungen bewahren und einen Raum schaffen, in dem sich Dinge zeigen, die im grellen Licht leicht übersehen werden. Auf Dark nähert sich der Kölner Trompeter Matthias Schwengler genau dieser anderen Seite des Dunklen – melancholisch, persönlich und voller Wärme.
Das Album ist eng mit Schwenglers eigener Biografie verbunden. Aufgewachsen in einer Bergarbeiterfamilie im Ruhrgebiet, gehörten Zechen, Fördertürme und die Geschichten aus der Welt unter Tage zu seiner Kindheit. Diese Bilder tauchen nicht nur im Artwork mit seinen Grubenlampen wieder auf. Sie scheinen auch in der Musik präsent zu sein: in dunkleren Klangfarben, in Molltönen, in einem Gefühl von Tiefe und zugleich von Geborgenheit.
Dark ist das vierte Album von Soulcrane. Neben Schwengler gehören Gitarrist Philipp Brämswig und Bassist Reza Askari zur Formation; für diese Aufnahme erweitert der französische Akkordeonist Laurent Derache das Ensemble. Gerade sein Instrument verändert die Klangwelt entscheidend.
Ohne Schlagzeug entsteht viel Raum. Rhythmus muss nicht von einem einzelnen Instrument getragen werden, sondern wandert durch das Quartett. Mal übernimmt der Bass die Bewegung, mal setzt die Gitarre Impulse, mal erzeugt das Akkordeon einen inneren Puls. Dadurch bleibt die Musik ständig in Bewegung, ohne jemals ihre Ruhe zu verlieren.
Besonders faszinierend ist das Zusammenspiel der Klangfarben. Schwenglers Trompete besitzt einen warmen, weichen Ton, der sich wunderbar mit Deraches Akkordeon verbindet. Die Gitarre kann harmonisch tragen, kommentieren oder eigene Linien entwickeln, während Askaris tiefer Bass dem Ganzen ein starkes Fundament gibt. Aus dieser ungewöhnlichen Instrumentierung entsteht ein Klang, den man schon nach wenigen Takten wiedererkennt.
Dabei spielt das Arrangement eine ebenso wichtige Rolle wie die Soli. Jeder Musiker erhält Raum, eigene Gedanken einzubringen, doch nichts wirkt wie eine Aneinanderreihung individueller Beiträge. Improvisation wächst aus dem Ensemble heraus und führt wieder dorthin zurück.
Deraches Akkordeon öffnet zusätzliche Assoziationen. Balkanische Farben, Anklänge an Tango und europäische Jazztraditionen ziehen vorbei, ohne die Musik in eine bestimmte Richtung festzulegen. Auch Schwenglers Vorliebe für melancholische Mollmelodien ist deutlich hörbar. Doch Melancholie wird hier nie zur Schwere.
Gerade das macht Dark so besonders. Diese Musik trägt Nachdenklichkeit in sich, aber ebenso viel Trost. Sie schaut zurück, ohne nostalgisch zu werden, und verwandelt persönliche Erinnerungen in etwas, das auch für andere unmittelbar zugänglich bleibt.
Dark ist eines jener Alben, deren Schönheit nicht laut um Aufmerksamkeit wirbt. Sie entsteht aus Klang, Nähe und dem Vertrauen zwischen vier Musikern.
Eine wunderbare Entdeckung für den Herbst.
Und vielleicht der schönste Beweis dafür, dass selbst im Dunkeln sehr viel Wärme liegen kann.
(Jacek Brun, 26.09.2026)
Besetzung
Matthias Schwengler - Trumpet
Laurent Derache - Accordion
Philipp Brämswig - Guitar
Reza Askari - Bass
Titelliste
- Dark
- Accordion Interlude
- Quiet Little Place
- Bass Interlude
- Walk Of The Mummer
- Trumpet Interlude
- Change Of Scenery
- Spaces
- Guitar Interlude
- When She Was Minus Three
- Reason Implement
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