Rezension des Albums "Peace Anthems" von Red Hook Records - Peace Anthems
Peace Anthems
Erscheinungstermin: 04.09.2026
Label: Red Hook Records, 2026
Dreizehn Stimmen für eine gemeinsame Hoffnung
Wie klingt Frieden? Eine eindeutige Antwort darauf kann es kaum geben. Vielleicht liegt genau darin die Stärke von Peace Anthems. Zum fünfjährigen Bestehen von Red Hook Records versammelt das Album dreizehn Musiker unterschiedlicher Generationen und musikalischer Herkunft. In zwölf Originalkompositionen nähern sie sich demselben Gedanken – und finden dafür vollkommen unterschiedliche Sprachen.
Ausgangspunkt ist eine Gegenwart, in der Kriege, Gewalt, Angst und gesellschaftliche Spannungen den Wunsch nach Frieden wieder besonders dringlich erscheinen lassen. Peace Anthems versucht daraus jedoch weder ein Manifest noch eine musikalische Botschaft mit eindeutigen Antworten zu formen. Frieden wird vielmehr als Idee, Sehnsucht und zugleich als künstlerische Praxis verstanden.
Schon die Besetzung macht deutlich, wie weit dieses Konzept gefasst ist. Wadada Leo Smith, Amina Claudine Myers und Andrew Cyrille begegnen Künstlern wie Moor Mother, Qasim Naqvi, Kalia Vandever, Thomas Morgan, Kit Downes oder BlankFor.ms. Trompete, Posaune, Saxofon und Klavier stehen neben Pfeifenorgel, modularen Synthesizern, Tape-Loops, Elektronik und Stimme.
Entsprechend verschieden sind die zwölf Stücke. Manche wirken meditativ und beinahe schwerelos, andere abstrakter, rauer oder stärker von elektronischen Klangwelten geprägt. Akustische Instrumente treffen auf bearbeitete Sounds, improvisatorische Freiheit auf klar entwickelte kompositorische Vorstellungen. Dennoch zerfällt das Album nicht in eine lose Sammlung einzelner Beiträge.
Seine Einheit entsteht gerade aus den Unterschieden. Es wirkt, als würde derselbe Gedanke aus wechselnden Entfernungen und Perspektiven betrachtet. Jeder Musiker formuliert eine persönliche Vorstellung davon, welche Klänge mit Frieden, Hoffnung oder vielleicht auch deren Abwesenheit verbunden sein können.
Bemerkenswert ist dabei die Zurückhaltung der Produktion. Sun Chung sowie Rick Kwan und Taylor Deupree geben den unterschiedlichen ästhetischen Ansätzen genügend Raum und sorgen zugleich für eine klangliche Kontinuität. Die einzelnen Persönlichkeiten bleiben erkennbar, ohne dass der Zusammenhang verloren geht.
Peace Anthems behauptet nicht, dass Musik Kriege beenden kann. Das wäre eine viel zu einfache Vorstellung. Sie kann aber einen Raum schaffen, in dem Menschen zuhören – auch dann, wenn ihre Stimmen vollkommen unterschiedlich klingen.
(Jacek Brun, 07.09.2026)
Besetzung
BlankFor.ms - Electronics, tape loops, processing
Sungjae Son - tenor saxophone, bass, clarinet, pump organ
Kalia Vandever - trombone
Amina Claudine Myers - piano
Qasim Navqi - modular synthesizer
Simone Maggio - Fender Rhodes
Kit Downes - pipe organ
Martha Deribe - voice
Moor Mother - voice
Taylor Deupree - guitar, percussion
Wadada Leo Smith - trumpet
Thomas Morgan - bass
Andrew Cyrille - drums
Titelliste
- Al Badawi
- Wither Light And Airy
- Imaginary Lines
- Sonic Requiem
- The River Of Imjin
- War Is Over
- Three Years Later
- Into The Woods - 3 Wary Calls
- Reflections On Palestine
- Closing Meditation For OM
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