Rezension des Albums "A Distant Land" von Rich Halley 4
Rich Halley 4
A Distant Land
Erscheinungstermin: 11.09.2026
Label: Pine Eagle Records, 2026
Freiheit braucht keinen Umweg
Manchmal braucht Jazz keine große Erklärung. Eine gute Komposition, vier ausgezeichnete Musiker, genügend Raum für Improvisation – und vor allem die Freiheit, daraus im Augenblick Musik entstehen zu lassen. Rich Halley erinnert mit A Distant Land daran, wie unmittelbar und gleichzeitig modern ein solcher Ansatz klingen kann.
Der in Portland, Oregon, lebende Tenorsaxofonist und Komponist verfügt über enorme Erfahrung. 27 Alben unter eigenem Namen und mehr als 120 eingespielte Eigenkompositionen erzählen von einem Musiker, der seine Sprache längst gefunden hat. Auf A Distant Land muss Halley deshalb niemandem mehr etwas beweisen. Er spielt mit jener Selbstverständlichkeit, die entsteht, wenn technische Möglichkeiten und musikalische Vorstellung vollkommen ineinandergreifen.
Bemerkenswert ist bereits die Besetzung. Neben Halleys Tenorsaxofon steht Michael Vlatkovichs Posaune, während Andrew Jones am Bass und Carson Halley am Schlagzeug das Quartett komplettieren. Ein Klavier oder eine Gitarre als Harmonieinstrument gibt es nicht. Genau daraus gewinnt diese Musik einen wesentlichen Teil ihres Charakters.
Der Klang bleibt offen und transparent. Harmonische Strukturen werden nicht permanent ausformuliert, sondern können angedeutet und von den Musikern im Moment weitergedacht werden. Saxofon und Posaune erhalten dadurch enorm viel Bewegungsfreiheit. Sie begegnen sich in gemeinsamen Linien, lösen sich voneinander, kommentieren ihre jeweiligen Ideen und finden anschließend wieder zusammen.
Halley nutzt diesen Raum mit leidenschaftlichem, zugleich bemerkenswert klarem Tenorspiel. Vlatkovich ist dabei weit mehr als sein Gegenüber. Seine Posaune erweitert das Klangspektrum um eine zweite starke Stimme, die mit dem Saxofon wunderbare Kontraste erzeugt. Jones und Carson Halley wiederum schaffen ein bewegliches rhythmisches Fundament, das nicht einengt, sondern zusätzliche Möglichkeiten öffnet.
Vor allem aber bekommen alle vier Musiker Zeit. Niemand muss seine Gedanken in wenige Takte pressen. Solistische Entwicklungen dürfen wachsen, Kompositionen können atmen und das Ensemble kann auf das reagieren, was gerade entsteht.
A Distant Land ist dabei keineswegs rückwärtsgewandt. Die Musik kennt ihre Tradition sehr genau, behandelt sie jedoch nicht als abgeschlossenes Kapitel. Halley und seine Mitmusiker entwickeln sie aus dem Spiel heraus weiter – ohne Verzierungen, ohne unnötige Umwege und ohne den Zwang, ständig etwas grundsätzlich Neues erfinden zu müssen.
Großartige Kompositionen, hervorragende Soli und vier Musiker, die einander wirklich zuhören. Manchmal ist genau das alles, was guter Jazz braucht.
Und A Distant Land besitzt davon reichlich.
(Jacek Brun, 11.09.2026)
Besetzung
Rich Halley - tenor saxophone
Michael Vlatkovich - trombone
Andrew Jones - bass
Carson Halley - drums
Titelliste
- Mismatch
- Crossways Logic
- A Distant Land
- Message From Maputo
- The Edge of Sunrise
- Subterfuge
- South of South
- Harnessing the Churn
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