Face to Face – Soul to Soul: Jazzfotografie von Ssirus W. Pakzad - ein staunenswertes Lebenswerk
Jazzfotos von Ssirus W. Pakzad im Münchner Jazzclub Unterfahrt (ab 4. Oktober bis Mitte Dezember 2026)
Von Robert Fischer
Es gibt Fotografen und Fotografen. Ssirus W. Pakzad, 1961 geboren in Hannover und seit Langem in München zu Hause, ist einer derjenigen Fotografen, denen nie ein beliebiges, gar austauschbares Motiv unterlaufen würde. Alle seine Fotos haben einen ganz eigenen, besonderen Touch, eine eigene Magie, die man wie jede gute Kunst nicht erklären kann. Aber doch versuchen, sich ihr beschreibend anzunähern.
Der Musik zu Füßen
Also dann: Ssirus W. Pakzad ist derjenige Fotograf, der Konzertbesuchern in den letzten Jahrzehnten nicht nur durch modische Extravaganz (vor allem bei der T-Shirtauswahl) auffiel, sondern auch dadurch, dass er sich gern mal ganz vorn am Bühnenrand auf den Boden legt, den Musizierenden und damit der Musik zu Füßen, um so eine von keinem anderen wahrgenommene Perspektive einzufangen. Er ist derjenige Fotograf, den Musiker wie Dave Douglas freudig beim Soundcheck mit „Hallo Ssirus!“ begrüßen. Und er ist der Fotograf, der Kollegen schon mal darauf hinweist, dass jemandem, dem die ersten drei Stücke, die unserer Zunft gern von den Veranstaltern zum Fotografieren eingeräumt werden, nicht ausreichen, ein ernstes Problem hat – denn: „Wer bis dahin kein gutes Foto hat …“ Was stimmt, aber vielleicht auch nur jemand sagen (und wissen) kann, dem die technischen Aspekte der Fotografie herzlich egal sind, solange sie ihm beim Fotografieren nicht hinderlich sind. Denn ein gutes Bild ist ja nicht (nur) dann ein gutes Bild, wenn technisch alles „stimmt“.
Face to Face
Was aber ist ein gutes Bild? Da könnte man es sich jetzt einfach machen und sagen: Schaut euch doch einfach seine Ausstellung an, die, nachdem sie zuerst in diesem Sommer im Rahmen des 67. Ljubljana Jazzfestivals im Kultur- und Kongresszentrum Cankarjev dom gezeigt wurde, nun vom 4. Oktober bis 13. Dezember 2026 in der Münchner Unterfahrt zu sehen ist. Jüngere Farbfotos von Odean Pope, Melissa Aldana, Patricia Brennan, Jamaaladeen Tacuma, Adam O´Farrill, Guillaume Perret oder Mark Shim machen gut die Hälfte der Exponate aus. Die andere besteht aus Schwarzweiß-Aufnahmen, die bis ins Jahr 1990 zurückreichen – von Größen wie Roy Hargrove, Ornette Coleman, Erykah Badu, Al Green, Anita Baker, Macy Gray, Ravi Coltrane, Don Cherry, Joe Zawinul oder Dee Dee Bridgewater. Einige dieser intimen Close-up-Porträts gelten heute als junge Klassiker der Jazzfotografie. Kuratiert wurde die Ausstellung vom slowenischen Fotografen und Filmemacher Žiga Koritnik.
Soul to Soul
Was auf all diesen Fotos deutlich wird, ist, dass hier kein Fotograf am Werke ist, der Personen „ablichtet“, sondern einer, der mit den von ihm Porträtierten eine gemeinsame, wahre Leidenschaft teilt: die Musik. So ist jedes seiner Fotos, egal aus welcher Perspektive fotografiert, ein Bild auf Augenhöhe. Oder genauer: Soul to Soul zelebriert. Dass er ursprünglich vom Text her kam und als wandelndes Jazzlexikon mit einem beneidenswerten Namensgedächtnis gesegnet ist, war dem Gelingen wohl nur förderlich. Denn als ihm dann irgendwann mal irgendjemand sagte, wenn er all die Musiker schon interviewe, könne er für seinen Beitrag doch auch gleich die Fotos selbst machen, habe er schnell entdeckt, so sagt er das bescheiden selbst, dass er „ein Händchen dafür“ habe. Schnell dürfte ihm auch klar geworden sein, dass die Gelegenheit, Fotos von Musikern auch fernab ihrer Bühneninszenierung aufnehmen zu können, eine einmalige Chance für ihn bedeutete. Die er, für uns, zu nutzen wusste. Was aber keineswegs heißt, dass er sich nicht auch jederzeit wieder auf einem Konzertboden den Musikern, der Musik zu Füßen legen würde.
Ssirus W. Pakzad (* 1961), der seinen Namen seinem persischen Vater verdankt, absolvierte bereits während seines Kommunikationswissenschaftstudiums mehrere Presse- und Rundfunkpraktika und fing noch im vierten Semester bei der Münchner Abendzeitung als Jazzkritiker an. Seit Mitte der 1980er-Jahre arbeitet er als Autor, Fotograf, Moderator (Bayerischer Rundfunk, SWR Kultur) und Musikjournalist mit Schwerpunkt Jazz. Darüber hinaus sammelt er mit großer Leidenschaft afrikanische Stammeskunst, Fossilien, Bücher und Alben, geht regelmäßig nicht nur ins Konzert, sondern auch ins Kino, spielt Klavier, Gitarre, Bass und Ukulele. Nicht zuletzt erfreut er den Freundeskreis mit seiner Kochkunst und füttert seinen Instagram-Account täglich mit Musik-Fotos und Fotoserien wie „Random Art“ oder „Pareidolia“. Seine Musikfotos finden sich auf über hundert Album- und mehreren Dutzend Buchcovers; sie waren bislang in elf Einzel- und vier Gruppenausstellungen in Europa zu sehen. Face To Face – Soul To Soul ist Ssirus W. Pakzads erste Einzelausstellung seit 2010.
Über den Autor
Robert Fischer ist freier Autor, Fotograf und Musikjournalist aus München. Für jazz-fun.de berichtet er von Konzerten, Festivals und anderen kulturellen Veranstaltungen. Seine Fotografie wurde bereits mehrfach international ausgezeichnet.
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