Rezension des Albums "Michalke & Strings" von Stefan Michalke

Stefan Michalke - Michalke & Strings - Album cover
Stefan Michalke - Michalke & Strings

Stefan Michalke
Michalke & Strings

Erscheinungstermin: 04.09.2026
Label: JazzSick Records, 2026

Stefan Michalke - Michalke & Strings - bei JPC kaufen

Wo zwei Klangwelten einander zuhören

jazz-fun`s recap:

Die Idee, Jazz und klassische Kammermusik zusammenzubringen, ist zunächst nicht ungewöhnlich. Entscheidend ist jedoch, was aus dieser Begegnung entsteht. Stefan Michalke findet mit Michalke & Strings eine bemerkenswert eigenständige Antwort: Er versucht nicht, die Unterschiede zwischen den beiden musikalischen Welten verschwinden zu lassen. Er macht sie hörbar und lässt daraus einen neuen gemeinsamen Klang entstehen.

Für den Aachener Pianisten und Komponisten bedeutet das Album eine konsequente Fortsetzung und Erweiterung seines bisherigen musikalischen Weges. Michalke hat in zahlreichen unterschiedlichen Projekten seine Vielseitigkeit unter Beweis gestellt. Nun verbindet er erstmals innerhalb eines eigenen Projekts ein klassisches Streichquartett mit einem Jazzquartett.

Die Besetzung ist hochkarätig. Frederik Köster (Trompete, Flügelhorn), David Andres (Kontrabass) und Stefan Kremer (Schlagzeug) bilden gemeinsam mit Michalke den Jazzkern. Nina Leonard und Sebastian Reimann an den Violinen, Uwe Böttcher an der Viola und Veit Steinmann am Cello erweitern die Besetzung um die klanglichen Möglichkeiten eines klassischen Streichquartetts.

Doch Michalke & Strings funktioniert nicht nach dem einfachen Prinzip „Jazz plus Streicher“. Die Streicher liefern weder dekorative Flächen noch einen orchestralen Hintergrund für die Solisten. Sie sind integraler Bestandteil der Kompositionen und Arrangements. Mal tragen sie melodische Entwicklungen, mal schaffen sie Kontraste oder verändern mit wenigen Linien die Farbe eines Stücks. An anderen Stellen treten sie zurück und eröffnen Räume, in denen sich die improvisierenden Musiker entfalten können.

Michalkes Klavier steht im Zentrum dieser Begegnung, ohne diese zu dominieren. Sein Spiel verbindet harmonische Sensibilität mit jener Offenheit, die seine bisherigen Projekte ausgezeichnet hat. Besonders reizvoll ist der Dialog mit Köster: Trompete und Flügelhorn können sich über die Streicher erheben, mit ihnen verschmelzen oder bewusst einen anderen klanglichen Akzent setzen. Bass und Schlagzeug sorgen unterdessen dafür, dass auch in den kammermusikalischsten Momenten die rhythmische Beweglichkeit des Jazz erhalten bleibt.

So entsteht eine Musik von großer klanglicher Feinheit. Die Grenzen zwischen Jazz und Kammermusik werden dabei nicht verwischt, sondern erkundet. Komposition und Improvisation, präzise gesetzte Streicherpassagen und spontane Gestaltung existieren nebeneinander und reagieren aufeinander.

Wer Stefan Michalkes bisherige Arbeiten kennt, erlebt hier eine neue Facette seines Schaffens. Und doch wirkt nichts wie ein stilistischer Ausflug. Vielmehr konzentriert sich der Pianist auf etwas, das ihm offenbar besonders wichtig ist: die Beziehung zwischen Klang, Komposition und der Freiheit des improvisierten Augenblicks.

Michalke & Strings zeigt, dass zwei musikalische Welten nicht miteinander verschmelzen müssen, um sich einander anzunähern. Manchmal genügt es, wenn sie einander wirklich zuhören.

(Jacek Brun, 06.09.2026)

Besetzung

Stefan Michalke – Klavier
Frederik Köster – Trompete, Flügelhorn
David Andres – Kontrabass
Stefan Kremer – Schlagzeug

Strings:
Nina Leonards – Violine
Sebastian Reimann – Violine
Uwe Böttcher – Viola
Veit Steinmann – Cello

Titelliste

  1. Palma
  2. Tenno
  3. Waltz for Theo
  4. Interlude
  5. Skagen
  6. Moskenes
  7. Zeitenwende
  8. Kyjiw
  9. Tango for Claire
  10. May Rain

Einen Kommentar schreiben

Was ist die Summe aus 8 und 8?