Rezension des Albums "Let's THRAK Again" von Stick Men
Stick Men
Let's THRAK Again
Erscheinungstermin: 04.09.2026
Label: Unsung Records, 2026
Wenn Geschichte wieder unter Strom steht
Manche musikalischen Kapitel lassen sich nicht einfach wiederholen. Man kann sie nur neu öffnen. Genau das tun Stick Men auf Let’s THRAK Again.
31 Jahre nach King Crimsons THRAK greifen Tony Levin, Pat Mastelotto und Markus Reuter eine Ästhetik auf, die für progressive Musik bis heute prägend geblieben ist. Doch dieses Album lebt nicht von Rückschau oder bloßer Referenz. Es nimmt vertraute Prinzipien – rhythmische Verschachtelung, klangliche Härte, elektronische Erweiterung, instrumentale Präzision – und führt sie in eine neue, eigenständige Richtung.
Tony Levins Chapman Stick bleibt dabei eine der markantesten Klangquellen überhaupt. Bassfunktion, Harmonie, Melodie und rhythmischer Impuls können sich innerhalb weniger Sekunden verschieben. Markus Reuter erweitert dieses Prinzip auf seiner achtseitigen Touch Guitar, während Pat Mastelotto mit seinem hybriden akustisch-elektronischen Schlagzeug eine rhythmische Architektur errichtet, die ebenso körperlich wie digital wirkt.
Das Zusammenspiel dieser drei Musiker ist entscheidend. Vieles klingt fast telepathisch. Komplexe rhythmische Strukturen greifen ineinander, brechen auf, setzen sich neu zusammen und entwickeln dennoch einen erstaunlich klaren Fluss. Virtuosität wird hier nicht ausgestellt. Sie ist Voraussetzung dafür, dass diese Musik überhaupt existieren kann.
Bemerkenswert ist auch die Konsequenz, mit der Stick Men den Klang des Albums neu entwerfen. Patches und Sounds wurden gezielt für diese Produktion entwickelt. Dadurch entsteht keine bloße Neuauflage eines bekannten Progressive-Rock-Vokabulars, sondern eine eigene, hochmoderne Klanglandschaft – massiv, fremdartig, detailreich und gleichzeitig überraschend zugänglich.
Die Musik kann kompliziert, verschachtelt und fordernd sein, ohne sich in ihrer Komplexität zu verlieren. Immer wieder tauchen klare Motive, starke rhythmische Hooks und prägnante Klangfarben auf, die Orientierung schaffen.
Dass Robert Fripp das Projekt ausdrücklich unterstützt, verleiht dem Album zusätzliche historische Verbindung. Entscheidend ist aber, dass Stick Men diese Legitimation musikalisch gar nicht nötig hätten. Levin und Mastelotto tragen selbst einen wesentlichen Teil dieser Geschichte in sich, und Reuter begegnet ihr nicht als Bewunderer von außen, sondern als gleichberechtigter Mitgestalter.
Let’s THRAK Again ist deshalb kein Denkmal. Es ist Bewegung. Ein Stück Vergangenheit wird wieder unter Strom gesetzt – und klingt plötzlich sehr gegenwärtig.
(Jacek Brun, 03.10.2026)
Besetzung
Tony Levin - Stick
Pat Mastelotto - Acoustic and Electronic Drums and Percussion
Markus Reuter - Touch Guitars U8 Deluxe, Voice
Titelliste
Disk 1 - Reel One
- Let's Thrak Again
- Like We Did Last Summer
- Haggin Triptych
- Komodo
- Swimming In Tea
- Bash Machine
- Reading The Future
- Thief Of The Dice
- Brutal (Tony)
- Dark Birthday
- Fandango
- The Well
Disk 2 - Reel Two
- Dark Birthday
- Komodo
- Let's Thrak Again
- Like We Did Last Summer
- Renoir
- Swimming In Tea
- Bash Machine
- Brutal (Pat)
- Carriage Parade
- Fandango
- Reading The Future
- The Well
- Thief Of The Dice
- Yosemite Sunset
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