Huong Thanh

Huong Thanh, Foto: Thomas Dorn / ACT
Huong Thanh, Foto: Thomas Dorn / ACT

Biographie

Huong Thanh wurde in Saigon, Viêt-nam, geboren und stammt aus einer Familie angesehener traditioneller Musiker. Ihr Vater, Huu Phuoc (gest. 1997) war einer der berühmtesten Sänger des Erneuerten Vietnamesischen Theaters, Cai Luong, einer Art Oper, die traditionelle Gesangs-, Tanz- und Theaterelemente miteinander verbindet. Cai Luong  wurde 1916 von einer Gruppe von Musikliebhabern aus dem Süden geschaffen: Sie verknüpften traditionelle Theaterformen Nordviêtnams, Hat Boi und Hat Cheo, mit Kammermusik aus dem Süden und Elementen französischer Musik.

Im vietnamesischen Gesang herrscht eine besondere und sehr enge Verbindung zwischen Melodie und Text: Da es sechs linguistische Tonhöhen gibt, kann ein und dieselbe Silbe unterschiedliche Bedeutungen annehmen, und der lyrische Text besitzt so eine ganz eigene Musik. Der Sänger aber muß die Emotionen beider Melodien ausdrücken können. Huong Thanh verkörpert die Besonderheiten des traditionellen vietnamesischen Gesangs, der reich an feinsten Modulationen und Verzierungen ist und sowohl Kunstfertigkeit wie ein breites Spektrum an Ausdrucksmöglichkeiten und Timbres erfordert.

Bereits im Alter von zehn Jahren wurde Huong Thanh innerhalb ihrer Familie in Cai Luong und traditionellem Gesang ausgebildet. Auch verkehrten in ihrem Elternhaus viele bekannte Sänger und Musiker, von denen sie direkt unterrichtet wurde. Mit 13 setzte sie ihre Ausbildung an Saigons Musik- und Theaterschulen fort und trat mit 16 Jahren zum ersten Mal öffentlich auf.

1977 ging sie nach Paris und ist seither immer wieder zusammen mit großen traditionellen Künstlern - darunter auch ihrem Vater - in Cai Luong -Aufführungen quer durch Europa (Frankreich, Deutschland, Schweiz und Belgien) aufgetreten. Bei jedem ihrer Besuche in Viêt-Nam machte sie mit den besten Musikern des Landes Plattenaufnahmen.

1995 traf Huong Thanh Nguyên Lê, der sie mit der für sie bis dahin unbekannten Welt des Jazz vertraut machte. Das Abenteuer Tales from Viêt-Nam begann - die Gruppe tourte auf den wichtigsten Festivals in Frankreich, Italien, Deutschland, Portugal, England und der Schweiz. Die 1996 entstandene CD (ACT 9225-2) wurde von der internationalen Kritik begeistert aufgenommen: Diapason dor, Choc du Monde de la Musique, Choc of Year 1996 Jazzman (Frankreich), zweitbeste CD 96 in Jazzthing (Deutschland), Beste CD 96 auf Radio TRS (Schweiz), ein kleines Meisterwerk: Jazztimes (USA).

Beim Festival der Banlieues Bleues, Paris, konnte man Huong Thanh 1996 in einer Show erleben, die traditionelle und zeitgenössische vietnamesische Tänzer mit dem Ensemble von Tales from Viêt-nam zusammenbrachte. Sie trat nicht nur wie gewohnt als Sängerin, sondern auch als Tänzerin mit dem traditionellen Schwertertanz Trung Trac Trung Nhi auf, in dem zwei Schwestern, Heldinnen Viêt-nams, ihre Truppen auf den Kampf vorbereiten. Im selben Jahr wurde Huong Thanh von der UNESCO eingeladen, bei der Feier zum Jahrestag der Erklärung der Menschenrechte mitzuwirken. 1997 machte sie in Los Angeles Plattenaufnahmen mit ihrer in den USA lebenden Schwester Huong Lan, ebenfalls eine der berühmtesten vietnamesischen Sängerinnen. 1998 war sie auf Nguyên Lês jüngster CD Maghreb & Friends (ACT 9261-2) mit dem Song Louanges, einer Komposition des algerischen Musikers Karim Ziad, zu hören: Der Text wurde vom Arabischen ins Vietnamesische übersetzt und zwischen ihr und den nordafrikanischen Sängern entstand eine Art Wechselgesang.

1999 präsentierte sie Moon and Wind (ACT 9269-2), ihr erstes Soloalbum und gleichzeitig ihre erste CD für ACT, produziert, geschrieben und aufgenommen von Nguyên Lê. Von der Presse wurde diese Produktion als "eines der schönsten Alben diesen Jahres" gefeiert. Die Veröffentlichung wurde von einer erfolgreichen Tour durch Deutschland und Österreich begleitet. Im nächsten Jahr trat Huong Thanh bei Festivals in Frankreich, der Schweiz, Deutschland, Luxemburg und Mazedonien auf.

2001 legte Huong Thanh ihr nächstes Album, ebenfalls in enger Zusammenarbeit mit Nguyên Lê entstanden, bei ACT vor: Dragonfly. Wie schon auf Moon and Wind wird sie dabei von Musikern unterschiedlichster Herkunft begleitet. Erneut dabei sind Paolo Fresu und Tino di Geraldo, zu denen Renaud Garcia-Fons, Etienne Mbappé sowie Richard Bona stoßen, mit dem sie im Duett zu hören ist. Im Januar 2004 erschien ihr neuestes Werk: Mangustao (ACT 9423-2) – ein Weltmusik-Highlight mit Nguyên Lê, Paul McCandless, Paolo Fresu, Dhafer Yussef u.a.

Diskografie

Huong Thanh - Traditionelle Musik

  • Chuyên Ba Nguòi, 1995
  • Chuyên Phim Buôn, 1996
  • Duyên Ta Nhu Mây, 1996
  • To Duyên, 1996
  • Suo Em No Vôi Lây Chông, 1998
  • Viet-Nam: Musique Du Théâtre Cai Luong, Ocora, 2008

Huong Thanh - World Jazz

  • Moon and Wind, ACT Music + Vision, 1999.
  • Dragonfly, ACT Music + Vision, 2001, Prix Choc du Monde de la musique
  • Mangustao, ACT Music + Vision, 2004
  • Fragile Beauty, ACT Music + Vision, 2007

Mitwirkung

  • Nguyên Lê - Tales from Viêt-Nam, 1996
  • Nguyên Lê - Maghreb and Friends, 1998

Links

Huong Thanh Internetseite:
http://www.huongthanh.com/

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