Rezension des Albums "Continuum" von Thomas Quendler Motion

Thomas Quendler Motion - Continuum - Album cover
Thomas Quendler Motion - Continuum

Thomas Quendler Motion
Continuum

Erscheinungstermin: 18.09.2026
Label: Quinton Records, 2026

Thomas Quendler Motion - Continuum - bei JPC kaufen

Wenn aus Bewegung eine eigene Sprache wird

jazz-fun`s recap:

Ein größeres Ensemble bedeutet nicht automatisch mehr musikalische Möglichkeiten. Entscheidend ist, ob aus zusätzlichen Stimmen tatsächlich neue Räume entstehen. Auf Continuum gelingt Thomas Quendler genau das.

Der österreichische Pianist und Komponist hat sein langjähriges Klaviertrio für dieses Album zum Quintett Motion erweitert. Mit Jakob Gönitzer am Kontrabass und Andreas Reisenhofer am Schlagzeug bleibt das vertraute Fundament bestehen. Hinzu kommen Max Glanz am Tenorsaxofon und Johannes Mandl an der Gitarre – zwei Stimmen, die das Klangbild nicht einfach verbreitern, sondern seine innere Struktur verändern.

Plötzlich stehen Quendler mehr Farben, mehr Kontraste und deutlich größere Möglichkeiten für Interaktion und Arrangement zur Verfügung. Saxofon und Gitarre können melodische Linien übernehmen, gegeneinander setzen, verdichten oder bewusst offenlassen. Dadurch entsteht eine Musik, die zugleich intimer und weiter wirkt.

Quendlers Kompositionen leben von dieser Balance. Lyrische Passagen wechseln mit rhythmisch energischen Momenten, klare Formen öffnen sich immer wieder für Improvisationen, die nicht wie eingeschobene Soli wirken, sondern unmittelbar aus dem jeweiligen Stück herauswachsen. Das Ensemble reagiert aufmerksam aufeinander, und gerade in diesen spontanen Übergängen zeigt sich die besondere Qualität von Motion.

Bemerkenswert ist dabei, wie selbstverständlich Quendler seine Rolle als Bandleader ausfüllt. Er drängt sich nicht in den Vordergrund, sondern schafft Strukturen, in denen die anderen Musiker eigene Entscheidungen treffen können. Seine Stücke geben Orientierung, ohne die Musik festzuschreiben.

Deshalb wirkt Continuum nicht wie das Dokument eines jungen Pianisten, der noch nach einer Richtung sucht. Vielmehr begegnet uns hier bereits ein erstaunlich gereifter Musiker, der genau weiß, welche klanglichen Möglichkeiten ihn interessieren und wie er sie gemeinsam mit seinem Ensemble entwickeln möchte.

Das Album entstand im Rahmen des Ö1 Jazzstipendiums 2025 und markiert zweifellos einen wichtigen Schritt in Quendlers Entwicklung. Doch entscheidender als solche biografischen Eckpunkte ist, was man hört: eine Band mit eigener Identität und einen Komponisten, der sich nicht mit vorgegebenen Mustern zufriedengibt.

Continuum ist durch und durch von einem jungen europäischen Jazzverständnis geprägt – offen, melodisch, improvisatorisch mutig und gleichzeitig strukturell klar. Vergangenheit und Gegenwart werden dabei nicht gegeneinander ausgespielt. Tradition erscheint vielmehr als Ausgangspunkt für eine Musik, die ihre eigene Richtung sucht.

Thomas Quendler ist hier nicht einfach auf dem Weg zu etwas. Er ist längst unterwegs auf seinem eigenen.

(Jacek Brun, 26.09.2026)

Besetzung

Thomas Quendler - Klavier
Maximilian Glanz - Tenorsaxophone
Johannes Mandl - Gitarre
Jakob Gönitzer - Kontrabass
Andreas Reisenhofer - Schlagzeug

Titelliste

  1. Homage
  2. New Wave
  3. Voyage
  4. Simple Proof
  5. Blue in Green
  6. Indecisive
  7. Blues for C.P.
  8. Blossom
  9. Stolen Moments

Einen Kommentar schreiben

Was ist die Summe aus 2 und 8?