Académie du Jazz: Auszeichnungen und musikalische Höhepunkte in Paris

Finalists of the Academie du Jazz 2025
Finalists of the Academie du Jazz 2025, Foto: Izabela Olejniczak

Von Izabela Olejniczak

Am Montag, dem 9. März, wurde die Pariser Jazzszene zum Schauplatz eines besonderen Abends. In der großen Halle des Beffroi de Montrouge versammelte sich die gesamte Jazzgemeinschaft – Journalist:innen, Veranstalter:innen und Musiker:innen – zur 72. Preisverleihung der Académie du Jazz.

Durch den Abend führte mit viel Charme der Präsident der Akademie, Jean-Michel Proust, der das Publikum mit persönlichen Anekdoten und Erinnerungen an große Jazzlegenden unterhielt. Seine Geschichten machten einmal mehr deutlich, wie schnell die Zeit vergeht – und wie eng die Gegenwart mit der reichen Geschichte dieser Musik verbunden ist.

Zwischen den einzelnen Preisvergaben betraten die Preisträgerinnen und Preisträger selbst die Bühne und präsentierten Live-Performances. Immer wieder klangen dabei musikalische Verweise auf große Persönlichkeiten wie Duke Ellington oder Wayne Shorter an. Zugleich führte eine eindrucksvolle visuelle Reise durch die Geschichte der Académie du Jazz – mit Archivbildern und Rückblicken aus mehreren Jahrzehnten seit ihrer Gründung im Jahr 1954.

Bereits seit 1955 gehört der renommierte Prix Django Reinhardt zu den wichtigsten Auszeichnungen des Abends. Der Preis, der jährlich an einen herausragenden französischen Jazzmusiker oder eine Jazzmusikerin vergeben wird, ging in diesem Jahr an den Schlagzeuger Gautier Garrigue.

Der Preis für das beste Album wurde an die Pianistin Sophia Domancich für ihr Werk „Wishes“ verliehen. Unter den Nominierten befanden sich außerdem James Brandon Lewis, Sullivan Fortner und Linda May Han Oh.

Der Prix du Disque Français ging an Leïla Olivesi für ihr Album „African Rhapsody“. Die Pianistin zählt bereits zu den früheren Preisträgerinnen der Académie du Jazz.

Mit dem Prix Evidence wurde das Album „Big Dipper“ der Formation Abysskiss ausgezeichnet – eine Ehrung, die besonders kreative und noch zu wenig beachtete Projekte ins Rampenlicht stellt.

Der Preis für das beste Vocal-Jazz-Album ging an den Sänger Tyreek McDole für „Open Up Your Senses“. McDole war eigens am selben Tag aus New York angereist, um die Auszeichnung persönlich entgegenzunehmen.

Den European Jazz Award erhielt die norwegische Saxophonistin Hanna Paulsberg ebenfalls für ihr Album „Big Dipper“.
Der Preis in der Kategorie Blues, Soul & Gospel wurde an Buddy Guy für „Ain’t Done With The Blues“ vergeben. Auch wenn der legendäre Bluesgitarrist selbst nicht anwesend sein konnte, wurde ein Titel aus dem Album während der Veranstaltung gespielt.

Der Heritage Award ging an den belgischen Regisseur Johan Grimonprez für seinen Film „Soundtrack to a Coup d’État“. Der eindrucksvolle Dokumentarfilm beleuchtet anhand historischer Archivaufnahmen und Jazzklänge die politische Geschichte des Kalten Krieges und der Dekolonisation. Mit Musik und Auftritten von Größen wie Louis Armstrong und Nina Simone zeigt der Film, welche Rolle Jazz als kulturelle und politische Kraft spielte.

Schließlich wurde der Prix du Patrimoine du Jazz an den Trompeter Jean-Loup Longnon vergeben – eine Würdigung seiner bedeutenden Beiträge zur klassischen Jazztradition.

Der Abend vereinte das gesamte Spektrum der französischen Jazzwelt: Künstler:innen, Kritiker:innen, Veranstalter:innen und viele Wegbegleiter dieser Szene. Gerade diese enge, leidenschaftliche Gemeinschaft machte die Atmosphäre des Abends besonders spürbar – etwas, das selbst für Außenstehende sofort auffällt.

Oder, wie man in Frankreich gern sagt:
„Laissez passer l’Académie“ – die Tradition lebt weiter, und die Musik weist den Weg.

Text und Fotos: Izabela Olejniczak

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