Aksak Maboul - Before Aksak Maboul

Aksak Maboul - Before Aksak Maboul - Album cover
Aksak Maboul - Before Aksak Maboul

Aksak Maboul
Before Aksak Maboul

Erscheinungstermin: 21.11.2025
Label: CrammedLab, 2025

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jazz-fun`s recap:

Diese Musiker tragen das Experiment im Blut. Bei Before Aksak Maboul stellt sich immer wieder die Frage, wo Musik endet und wo die Suche nach etwas völlig Neuem beginnt – nach Klängen, die vor ihrer Entstehung kaum vorstellbar waren. Und genau dort setzt dieses Album an: bei der Vorstellungskraft. Sie ist der Motor dieser Musik, sie treibt die Künstler an und entscheidet zugleich darüber, wie offen wir als Hörer ihr begegnen.

Diese Aufnahmen verlangen keine Analyse im klassischen Sinne, sondern ein bewusstes Zulassen. Erst wenn man bereit ist, sich von gewohnten Hörmustern zu lösen, erschließt sich der Reichtum dieser Klangwelt. Die Stücke entstehen aus dem Wunsch heraus, etwas zu schaffen, das es so noch nicht gibt – manchmal intuitiv, manchmal gezielt, aber immer offen bis zum Moment des Erklingens. Musik als Prozess, als Suchbewegung, als offenes Experiment.

Für Kenner der Band und Liebhaber experimenteller Musik ist dieses Album weit mehr als nur ein historisches Dokument. Es eröffnet neue Perspektiven auf bekannte Ideen und lässt erahnen, wie radikal und frei das Denken dieser Künstler von Beginn an war. Die Kreativität, der Ideenreichtum und der Mut, musikalisches Neuland zu betreten, sind hier förmlich greifbar.

Before Aksak Maboul fasziniert, überrascht und inspiriert – ein Album, das zeigt, wie aus Neugier, Vorstellungskraft und Risiko Musik entstehen kann, die ihrer Zeit voraus ist.

(Jacek Brun, 03.01.2026)

Im Labor der Vorstellungskraft – Die frühen Klangexperimente von Aksak Maboul

Die jetzt erscheinende Sammlung von prähistorischen Spuren deckt einige der Mäander auf, die schließlich zur Entstehung der legendären experimentellen Popband Aksak Maboul führen sollten. Sie wurde aus lange in Vergessenheit geratenen Magnettonbändern und Kassetten zusammengestellt. Sie wurde 1977 gegründet und ist auch 2025 noch aktiv.

Ihre Geschichte beginnt im Jahr 1969 ähnlich einem Bildungsroman, als die damals 19-jährigen Marc Hollander und Paolo Radoni eine Band gründen, um eine eigentümliche Mixtur aus Psych-Rock und Free Jazz zu spielen. Sie nannten sich „Here and Now” – zur später in Großbritannien entstehenden Band gleichen Namens gibt es keine Verbindung.

Die Band wuchs bald zu einem wilden Septett an, gewann einen Amateur-Musikpreis und bewegte sich in den turbulenten Kreisen rund um das mythisch verklärte Amougies-Festival 1969, bei dem 48 Gruppen zwischen Prog-Rock, Pop, Avantgarde und Free Jazz auftraten. Ein Plattenvertrag beim renommierten französischen Label BYG Records winkt, doch letzten Endes veröffentlicht die Band nichts.

Weitere Musiker wurden Teil des Kollektivs, darunter die späteren Aksak-Maboul-Mitglieder Vincent Kenis und Denis Van Hecke. 1972 löst sich die Band auf und Marc Hollander veröffentlicht von 1973 bis 1976 Musik als Solokünstler und arbeitet dabei mit verschiedenen Musiker:innen zusammen. In diesen Projekten wurden Fadenstränge erforscht, die später das Grundgewebe von Aksak Maboul ausmachen sollten.

Das jetzt vorliegende Album Before Aksak Maboul (Documents & Experiments 1969–1977) bietet mit seinen siebzehn Stücken und einer Gesamtlaufzeit von 80 Minuten einen Überblick über diese von vielen produktiven Umbrüchen geprägte Ära, deren Einflüsse in der Musik deutlich hörbar sind. Wir spazieren durch Momente aus Free Rock, Improvisation, quasi-krautiger Musik, modularer und ambienter Elektronik, Klavierstücken, Percussion und vielen Experimenten und Entwürfen, die erahnen lassen, was später zu Aksak Maboul werden sollte – und was nicht.

Zwei Stücke sowie Ausschnitte aus einem Live-Set der Band Here and Now aus dem Jahr 1969 gibt es nur auf der digitalen sowie der CD-Version. Alle Stücke sind zwischen 1969 und 1977 in und rund um Brüssel entstanden und wurden 2025 von Marc Hollander zusammengestellt und editiert. Die ausführlichen Liner Notes stammen ebenfalls von Marc Hollander.

Aksak Maboul hat sich während seiner gesamten Existenz beständig verändert. Die Band hat immer auf spielerische Weise unterschiedliche Musikgenres zwischen Rock, Elektronik, Experimentellem, Jazz, zeitgenössischer Klassik, Pop und nicht-westlicher Musik gemischt und erforscht, um eine eigene Klangwelt mit unverwechselbarer Ästhetik und musikalischem Fundament zu kreieren.

Marc Hollander gründete Aksak Maboul im Jahr 1977, bald stieß Vincent Kenis hinzu. Die ersten beiden Alben der Band gelten bis heute als Avantgarde-Klassiker. Dieser Status wurde durch die äußerst positive Aufnahme der letzten Vinyl-Wiederveröffentlichungen durch Kritik und Fans nochmals bekräftigt. 1980 ging Hollander noch einen konsequenten Schritt weiter und gründete das Label Crammed Discs als Erweiterung des polymorphen Aksak-Maboul-Ansatzes.

Drei Jahrzehnte lang war Aksak Maboul inaktiv, doch mit der Veröffentlichung des Albums Ex-Futur im Jahr 2014 ging die Band wieder auf Tour. Es enthielt unfertige Avant-Pop-Stücke, die von Hollander und Véronique Vincent zwischen 1980 und 1983 geschrieben und aufgenommen worden waren. Daraufhin entstand eine neue Live-Band, die in ganz Europa tourte. Sie spielte auf Festivals wie dem Primavera Sound in Barcelona und dem Le Guess Who? in Utrecht. Es folgten zwei neue Aksak-Maboul-Alben, die von Hollander und Vincent geschrieben wurden. 2020 erschien „Figures” und 2023 das Singspiel „Une Aventure de VV”, eine aus fünfzehn Stücken bestehende Suite, die man als experimentelles Hörspiel beschreiben könnte. Die mysteriöse, philosophisch-poetische Geschichte wurde von Véronique Vincent geschrieben, die Musik und die Arrangements stammen von Marc Hollander und zeigen seine charakteristischen Genre-Hopping-Tendenzen.

Darüber hinaus widmeten sich zwei Album-Projekte der Band – 16 Visions of Ex-Futur und das Doppelalbum Redrawn Figures – Neubearbeitungen, Remixen und Coverversionen anderer Künstler:innen und Bands, darunter u. a. The Notwist, Cate Le Bon, Kate NV, Felix Kubin, Toulouse Lowtrax, Vanishing Twin und Hello Skinny (aka Tom Skinner).

Text: CrammedLab

Titelliste

  1. Here and Now, a Free Rock Tentet (1969)
  2. Riot in the Solbosch (1970)
  3. Abstract and Concrete (1972)
  4. Five Sketches for a Short Film (1972)
  5. Lost in the Farmhouse (1973)
  6. Modular Excursions at John’s (1975)
  7. Kosmischer Afternoon (1975)
  8. The Big Slide (1976)
  9. Gyrovagations (1976)
  10. Imaginary Travels with Chris (1976)
  11. Proto-Kefak (1976)
  12. Didn’t Make It 1: Balinoid (1977)
  13. Didn’t Make It 2: Angeloid (1977)
  14. Java Ney (1977)
  15. Didn’t Make It 3: The Missing Dance (1977)
  16. Freeform Rock/Captain Crab/Softly Sometime (Bonus-Track)
  17. Sérénade de Paris/Miracle Fence (Bonus-Track)

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