Alexandrina Simeon Quintett & Benny Brown - Quiet Girl
Alexandrina Simeon Quintett & Benny Brown
Quiet Girl
Erscheinungstermin: 09.05.2025
Label: Laika Records, 2025
„Quiet Girl“ ist ein Album, das uns an die Schönheit jener Musik erinnert, die im Laufe der Jahrzehnte entstanden ist. Eine subtile Reise durch vertraute und geliebte Melodien – ein Klangkosmos, der zum Innehalten einlädt. Diese Musik verlangt nichts, sie will einfach nur da sein: ideal für einen stillen Moment mit einer Tasse Tee und guter Gesellschaft. Ein Album, das mit jeder Phrase Freude bereitet und das Herz berührt. (Jacek Brun, 10.05.2025)
Besetzung
Alexandrina Simeon – voc
Daniel Mark Eberhard – p, melodica (on track 7)
Stephan Holstein – cl, b-cl, tsax
Benny Brown – tr (guest on track 1, 2, 3, 5, 6)
Andi Bauer – b
Tom Steppich – dr, congas (on track 2)
Zeitlose Melodien, neu entdeckt
Nein, ein stilles Mädchen ist sie wahrlich nicht. Eher ein vielschichtiger musikalischer Vulkan. Geboren in Varna am Schwarzen Meer, hat Alexandrina Simeon ihr musikalisches Basislager in Augsburg aufgeschlagen. Von dort aus erobert sie mit ihrem hochkarätig besetzten Quintett die Bühnen Europas im Sturm. Während auf den Vorgängeralben „Roots & Influence“ (2010) und „Ocean Tales“ (2018) ihre bulgarischen Wurzeln deutlich zu hören waren, zeigt sie sich auf ihrem neuen Album „Quiet Girl“ von einer ganz anderen Seite.
Die Idee dazu entstand während einer Konzertreise. „Unser Pianist Daniel schlug vor, ein sehr intimes Album zu machen. Er hatte auch gleich einen passenden, augenzwinkernden Titel parat: Quiet Girl", erinnert sich Simeon. Mit dem Pianisten und Musikpädagogen Daniel Mark Eberhard verbindet sie seit 20 Jahren eine intensive musikalische Partnerschaft. „Wir wollten ihr bulgarisches Temperament etwas zügeln und ihre besinnliche Seite zeigen, in der ihre facettenreiche Stimme besonders gut zur Geltung kommt“, erklärt Eberhard. Für ihn ist das Album auch eine selbstbewusste Bilanz der mittlerweile 15-jährigen Bandgeschichte. „Das Album sollte so aufgenommen werden, wie es Jazz-Ikonen wie Coleman Hawkins vor 70 Jahren gemacht haben. Die sind mit groben Skizzen ins Studio gegangen und haben dort durch Interaktion, Intuition und Handwerk das meiste entstehen lassen. Auch bei uns soll das spontane Zusammenspiel der Bandmitglieder im Mittelpunkt stehen. Damit liefern wir ein Gegenmodell zum Trend der aufwändig und komplex durcharrangierten Jazzkompositionen“, so der Pianist.
Am Ende der Retro-Session standen neun Stücke. „Es sollten Lieder sein, die stimmlich herausfordernd sind, die ich schon lange singe oder die ich schon immer singen wollte. My Favorite Songs also“, erklärt Simeon. Von einem Coveralbum zu sprechen, wäre jedoch viel zu kurz gegriffen. „Wir präsentieren die Stücke aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln, was schon durch die wechselnde Besetzung deutlich wird“, betont Simeon mit Blick auf das „Band-in-Band-Konzept“. In fünf Stücken erweitert Benny Brown das Ensemble musikalisch zum Sextett. Mit dem Hamburger Trompeter verbindet die Band eine langjährige Freundschaft, die in Balladen wie „Save Your Love for Me“ (Buddy Johnson) und „The Look of Love“ (Burt Bacharach) zum Ausdruck kommt. Hier verschmilzt Browns Trompete elegant und virtuos mit Saxophon und Klarinette von Stephan Holstein. Auch „Dindi“ erstrahlt in neuem Licht. „Wir wollten den ruhigen Charakter des Albums beibehalten. Aber es hat uns Spaß gemacht, das langsame Bossanova von Antônio Carlos Jobim in eine leichtfüßige, spritzige Samba zu verwandeln“, erklärt Eberhard die Herangehensweise der Band. Abgerundet wird die klangliche Vielfalt durch den gefühlvoll gespielten Bass von Andi Bauer und den pulsierenden und zugleich malerischen Schlagzeugsound von Tom Steppich.
Dass Simeons Stimme „wie für den Jazz gemacht ist“ (Bayerischer Rundfunk), beweist sie in der Ballade „The Peacocks“ (Jimmy Rowles). Auch im Opener „Quiet Girl“ zieht sie mit ihren markanten Vokalisen alle Register der Gesangskunst, während sie im Duett mit Eberhard das Album melancholisch und hoffnungsvoll ausklingen lässt. Auch wenn der Frühling in „Spring Can Really Hang You up the Most“ (Text: Fran Landesman) als Quelle von Schmerz und Enttäuschung beschrieben wird, symbolisiert er doch auch Hoffnung, wenn Mensch und Natur nach einem langen Winter zu neuem Leben erwachen. Das macht „Quiet Girl“ zum perfekten Begleiter für die Zeit, in der die Tage wieder länger und heller werden.
Titelliste
- Quiet Girl (Billy Childs)
- The look of love (Burt Bacharach, Hal David)
- Save your love for me (Buddy Johnson)
- The Peacocks (Jimmy Rowles)
- The nearness of you (Hoagy Carmichael, Ned Washington)
- My favorite things (Richard Rodgers, Oscar Hammerstein II)
- Dindi (Antonio Carlos Jobim, Aloysio de Oliveira, Ray Gilbert)
- Sophisticated lady (Duke Ellington, Irving Mills, Mitchell Parish)
- Spring can really hang you up the most (Tommy Wolf, Fran Landesman)
jazz-fun`s recap:
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