Andreas Feith & Markus Harm - Abstract Truth

Andreas Feith & Markus Harm - Abstract Truth - Album cover
Andreas Feith & Markus Harm - Abstract Truth

Andreas Feith & Markus Harm
Abstract Truth

Erscheinungstermin: 29.08.2025
Label: Double Moon Records, 2025

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jazz-fun`s recap:

Zwei Instrumente, zwei Persönlichkeiten, zwei völlig unterschiedliche Klangwelten – und doch eine gemeinsame Wahrheit. „Abstract Truth“ vereint den Pianisten Andreas Feith und den Saxophonisten Markus Harm zu einem Duo, das mit technischer Brillanz, Empathie und Spielfreude eine fast einstündige musikalische Reise gestaltet.

Solche Besetzungen sind in der Jazzwelt zwar keine Seltenheit mehr, doch begegnet man einer solchen Intensität und Kreativität nicht oft. Feith und Harm lassen sich in ihren Improvisationen gegenseitig Raum, greifen Themen auf, entwickeln sie weiter und verwandeln musikalische Ideen in Geschichten voller Melodik und Spannung. Die Übergänge zwischen Klavier und Saxophon wirken wie ein inspirierter Dialog, der immer neue Wendungen nimmt.

Die Musik dieses Albums überrascht, fesselt und bleibt im Gedächtnis. Trotz der kammermusikalischen Besetzung ist die Ausdruckskraft enorm – jeder Track öffnet neue Perspektiven und Klangfarben. „Abstract Truth“ ist ein Werk, das man immer wieder hören möchte, weil es bei jedem Durchgang neue Facetten offenbart.

(Jacek Brun, 01.09.2025)

Besetzung

Markus Harm - Alto Saxophone
Andreas Feith - Piano

Andreas Feith & Markus Harm – wenn zwei Instrumente ganze Welten eröffnen

Es gibt zahlreiche Beispiele im Jazz – und trotzdem fasziniert jedes weitere aufs Neue: Musiker:innen, die so vertraut miteinander sind, dass ihr Zusammenspiel eine besondere Qualität erhält. Im Falle des Pianisten Andreas Feith und des Saxofonisten Markus Harm ist diese Vertrautheit über Jahre gewachsen. Ihr neues Duo-Album, das fünf Jahre nach dem ersten entstand, dokumentiert eine musikalische Nähe, die alles zulässt. Im Vergleich zum bemerkenswerten Debüt „What’s New“ ist „Abstract Truth“, wie Andreas Feith es formuliert, „ein künstlerisches Statement auf einem komplett anderen Level“. Damals hatten die beiden eine gute Gelegenheit genutzt, um eine Aufnahme von schnell zusammengestelltem Material zu machen. „Diesmal haben wir komponiert, konzipiert und intensiv vorbereitet“, unter anderem im Umfeld eines Gastspiels im idyllischen Schloss Elmau. Markus Harm kann das Gefühl seines Duo-Partners nur bestätigen. „In den letzten Jahren hat sich unsere Vertrautheit wirklich krass weiterentwickelt. Unser Zusammenspiel ist extrem vielschichtig und beweglich. Eine solche Konstellation ist Gold wert!“

Feith und Harm kennen sich seit vielen Jahren. Sie begegneten sich in Nürnberg in einer der frühen Großformationen der Klarinettistin und Komponistin Rebecca Trescher, dem Ensemble 11. Bis heute gehören sie Treschers vielgelobter und preisgekrönter Gruppe an, die mittlerweile ein Tentett ist. In dem Ensemble verspürten die beiden schnell die „gemeinsame Wellenlänge“. Nebenbei trafen sie sich zu lockeren Duo-Begegnungen und spielten außerdem in einer losen Quintett-Besetzung. Feith sprang auch mal als Pianist im Markus-Harm-Quartett ein, wenn der Stamm-Gitarrist verhindert war, und umgekehrt. Die Duo-Sitzungen intensivierten sich, speziell bei der Auseinandersetzung mit Standards. Harm sagt dazu: „Da haben wir viel ausprobiert, uns gegenseitig herausgefordert. Dabei haben wir die gegenseitige Impro-Language absorbiert und sie weiterentwickelt.“ Eigene Stücke wurden erst später Thema. Feith ergänzt: „Wenn wir Standards spielten, ergaben sich die erfüllendsten Momente!“ Markus Harm unterstreicht das mit einer überraschenden Erklärung: „Da sind wir komplett frei.“

Freiheit ist ein Begriff, den man im Zusammenhang mit einem Ensemble, das von klassischen Jazz-Werten ausgeht, eigentlich nicht unbedingt erwartet. Doch gerade diese Einstellung ist ein wichtiger Faktor für die außergewöhnliche Zusammenarbeit von Andreas Feith und Markus Harm. Feith sieht das selbstbewusst: „In dem, was wir machen, haben wir eine ähnliche Freiheit wie Free-Musiker – nur verbunden mit traditionellen Fähigkeiten und einem großen Respekt vor der Tradition. Es ist eine Dialektik von Freiheit und Wertschätzung von Tradition. Das ist schon selten in der deutschen Jazzszene.“ Freiheit bezieht sich einerseits auf den Umgang mit den Vorlagen – seien es Standards oder eigene Stücke – und andererseits auf den improvisatorischen Austausch. Letzterer kann auch zum Ausgangspunkt werden, wie in der spontan gestalteten Duo-Fassung von Harms „Out In Space“ (darauf geht er in seinen erhellenden Liner Notes ein). Apropos: „Out In Space“ war das Titelstück des jüngsten Markus-Harm-Albums, eine exzellente Quartett-Aufnahme mit Feith am Klavier, die 2024 auf Double Moon erschienen ist. Der erfahrene Leader und Saxofonist über jene Produktion: „Es war herausragend, wie Andreas da meine Songs interpretiert hat. Damals habe ich sofort an das gedacht, worüber wir zuvor immer mal locker geredet hatten: Wir müssen unbedingt wieder etwas zu zweit machen, da muss ein weiteres Album kommen!“

Harm, der inzwischen in Wien lebt, ergänzt: „Immer, wenn wir uns treffen, ist Andreas noch besser geworden. Er ist sehr ideenreich und hat immer etwas beizutragen, egal wohin es geht. Er folgt, aber er fordert auch und gibt selbst etwas vor. So bleibt unser Zusammenspiel immer frisch und spannend. Außerdem kann er solistisch denken wie ein Saxofonist oder ein Sänger. Er hat eine extrem starke rechte Hand und kann immer auch die Melodien spielen.“

Auch Feith, der in Nürnberg lebt (zuvor pendelte er zeitweise zwischen Nürnberg und Berlin), spart nicht mit Komplimenten – sie sind sachlich, gut begründet und kein Freundschaftsdienst. „Ich habe bei Markus schon immer die sanglichen Qualitäten im Melodiespiel geschätzt. Es gibt wenige, die so im Moment Melodien spielen können, die das Herz berühren. Da war unsere Resonanz schon immer sehr hoch, da waren wir gegenseitige Katalysatoren. Bei Markus hat man immer das Gefühl, dass er ehrlich ist. In der Polarität von emotionaler Intuition und Intellekt spürt man bei ihm immer das Herz. Außerdem beherrscht er eine riesige Bandbreite im Sound, wie sie kaum jemand besitzt: vom großen, fokussierten Strahlen bis zum dreifachen, feinen Piano.“

Abstract Truth ist ein in vielerlei Hinsicht außerordentliches Duo-Album. Das beginnt mit Feiths kraftvoll rollendem, bluesig gestimmten Titelstück. Auch wenn es nicht beabsichtigt ist, lässt der Titel an Oliver Nelsons klassisches „Blues And The Abstract Truth“-Album von 1961 denken. Die Atmosphäre von „Calm“, die elegante Beschwingtheit des „Tune For K“ und das hymnische Finale in „Long Way Home“ sind Facetten eines vielfältigen Statements, in dem Feith und Harm ganz bei sich sind. Genau das merkt man auch in den gefühlsintensiven Versionen der ausgewählten Standards – bis hin zum nostalgischen Schlusspunkt, einer herrlichen Fassung von „Smoke Gets In Your Eyes“. Auch hier ist das Duo in faszinierendem Einklang zu erleben.

Text: Double Moon Records

Titelliste

  1. Abstract truth
  2. Unfolding path
  3. Out in space improvisation
  4. Darn that dream
  5. Calm
  6. Tune for k
  7. Blood count
  8. Long way home
  9. Ringelegangele
  10. Smoke gets in your eyes

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