Antje Rößeler - Wie ein Phoenix aus der Asche

Antje Rößeler
Antje Rößeler, Foto: Anne Hornemann

Sending A Phoenix“ (WismART) ist die aktuelle Veröffentlichung der Berliner Pianistin Antje Rößeler mit der Saxophonistin Birgitta Flick, ein intimes Duoalbum mit interessanten Zwiegesprächen. Als Duo haben sich die beiden Musikerinnen lange nicht gesehen, obwohl sie regelmässig zusammen gejammt haben. Doch in den elf Tracks kann der Zuhörer erleben, wie Stimmungen aufgebaut werden und musikalische Ideen weitergesponnen werden.

jazz-fun.de:
Dein aktuelles Album ist das Duo-Album mit der Saxophonistin Birgitta Flick, „Sending A Phoenix“.

Antje Rößeler:
Ja, und Duo ist eher ungewöhnlich für mich. Meine Hauptbesetzung ist eigentlich das Trio, meistens denke ich an das Trio, wenn ich komponiere. Diese Duogeschichte kommt aus dem Jammen heraus, es ist praktisch, sich zu zweit zum Jammen zu treffen. Birgitta und ich haben uns schon sehr lange zum Jammen getroffen und haben uns vermutlich überhaupt nicht als Duo gesehen. Deshalb sind wir wie ein natürlich gewachsenes Duo. Dann haben wir uns relativ spontan - als es diese Bewerbungsfrist für die Förderung Neustart Kultur gab – beworben. Da war ich in Helsinki und Birgitta und ich hatten telefoniert, uns beworben und die Förderung die Aufnahme tatsächlich bekommen. Das ging relativ schnell, wir hatten telefoniert und innerhalb von einem Tag den Antrag ausgefüllt und abgeschickt. Birgitta ist da ziemlich gut im Schreiben, weil sie ja auch gerade in Wien promoviert. Nach Antragstellung haben wir überlegt, womit wir uns beschäftigen wollen.

jazz-fun.de:
Und gab es Demoaufnahmen dazu?

Antje Rößeler:
Nein, gar nichts, ich hatte meine Triosachen, wo Birgitta als Gast dabei ist. Auch bei meinem zweiten Album, das nicht bei Jürgen Czisch und WismART erschienen ist, ist Birgitta als Gast dabei. Aber im Duo hatten wir nichts aufgenommen. Ich weiss gar nicht mehr genau, was wir eingereicht hatten, aber es ging in erster Linie darum, dass man sich ein Konzept ausdenkt. Wir haben überlegt, was wir wollen, unser Thema war „innen und aussen“. Birgitta hat da die Hauptrolle gespielt und sich das Konzept ausgedacht. Dann bekamen wir die Förderung. Der Hauptteil war, dass wir komponiert haben, und vor allem auch, dass wir zusammen komponiert haben. Das hatten wir noch nie gemacht. Sonst haben wir entweder meine oder ihre Stücke gespielt, Standards oder freies. Für dieses Projekt haben wir uns Ideen geschickt, die die andere weitergeführt hat.

jazz-fun.de:
Über die Entfernung hinweg…

Antje Rößeler:
Manchmal haben wir uns Aufnahmen geschickt, über die die andere weiter aufgenommen hat, es gab eine Menge Experimente für dieses Projekt. Birgitta hat auch ein paar Ideen für ihre Promotion verwendet, wie zum Beispiel das Stück „Pulsations“. Das fängt mit einzelnen Tönen an, da soll man  die Schwingungen der Saite hören und ganz langsam darauf reagieren. Diese Förderung hat somit auch zu einer Entwicklung von uns geführt und davon ist auch einiges auf dem Album gelandet. Aber wir haben auch Stücke, die es vorher schon gab, aufgenommen.

jazz-fun.de:
„Sending A Phoenix“ war ja auch eines der schon vorher aufgenommenen.

Antje Rößeler:
Ja, da gibt es ja auch ein Bild dazu, das Cover zu meinem „Stockholm Trio“ Album wurde. Das hat eine Freundin von mir gemalt, Henrika Kurkimäki, eine Finnin, die zu dem Zeitpunkt auch in Stockholm lebte. Sie hat das Bild gemalt, das ist auch als Video zu finden. Dann hatten wir überlegt, wie unser Duoalbum heissen sollte, und „Sending A Phoenix“ war als schönster Titel dann Namensgeber.

jazz-fun.de:
Es ist ein griffiger Name, unter dem sich jeder etwas vorstellen kann und vermutlich jeder eine andere Idee im Kopf hat.

Antje Rößeler:
Es ist ein englischer Titel und es ist tatsächlich ein kurzes Stück. Live auf dem Trioalbum ist die Komposition länger, aber im Studio haben wir es absichtlich kurz gehalten. Wir haben nur zwei Durchgänge gespielt, damit kommen wir auf knapp zwei Minuten. Wir hatten einen Tag Studiozeit.

jazz-fun.de:
Und wieviel Vorbereitungszeit vorher?

Antje Rößeler:
Das weiss ich gar nicht mehr, nicht so viel, ich war ja auch nicht vor Ort. Das besondere daran ist, dass wir eingespielt sind, das hört man auch bei der Aufnahme, finde ich. Zum Beispiel beim zweiten  Stück „Gespenster“, das sehr rubato anfängt: Das mag Birgitta gerne bei ihren Stücken haben, dass man gar nicht richtig Time spielt, dass alles aufgelöst und frei werden kann. Das ist eigentlich ziemlich schwierig. Man muss sich und das Stück gut kennen. Also ich muss das Stück gut auswendig kennen, um dann spontan wieder gut in die Komposition zurückzufinden. Wir haben hin- und her gewechselt zwischen freiem Spiel und Form, und das war vorher auch nicht abgesprochen. Das eingespielte, das hört man schon, finde ich.

jazz-fun.de:
Woher kommt eure Verbindung? Aus dem Studium?

Antje Rößeler:
Wir sind halt beide aus Berlin und haben auch beide in Stockholm studiert, allerdings zu anderen Zeiten, und haben uns dann über eine gemeinsame Freundin, die Trompeterin Kristine Schlicke in Berlin, zum jammen verabredet. Irgendwie haben wir gemeinsame Wege gehabt, auch halt über den schwedischen Weg.

jazz-fun.de:
„Sending A Phoenix“: wie schwierig ist es, ein Stück, das es in einer Trioversion gibt, in eine Duoversion herunterzubrechen?

Antje Rößeler:
Gar nicht schwierig. Das ist eigentlich genau das gleiche, man spielt das einfach (lacht). Aber in diesem speziellen Fall war es wirklich leicht, weil es nichts ausnotiertes für das Schlagzeug gab oder irgendwelche wichtigen Grooves für das Stück nötig sind. Das ist eines der Stücke, wo auf dem Papier tatsächlich nur Melodie und Akkordsymbole stehen.

jazz-fun.de:
Welches wäre schwerer gewesen?

Antje Rößeler:
Auf dem ersten Stockholmalbum, das „Takaisin Taas“, das ist ein grooviges Stück, das auch mit Schlagzeug anfängt. Das wäre nur mit Saxophon zusammen nicht so ergiebig gewesen, denke ich, weil es mehr auf dem Groove als auf der Melodie basiert. Das wäre nicht oben auf der Liste gewesen. Wir haben ja auch „Adventurous Groove“ genommen,da hätte Schlagzeug dabei sein können. Oder auf „Die Eröffnung“, da fehlt eigentlich an einer Stelle eine Bassgeschichte. Aber es klappt im Duo auch gut.

Antje Rößeler
Antje Rößeler, Foto: Oliver Look

jazz-fun.de:
Konntet ihr denn überhaupt irgendwelche Record Release Konzerte spielen?

Antje Rößeler:
Wir konnten tatsächlich mehrere spielen, obwohl es mir so schlecht ging (Antje Rößeler leidet seit geraumer Zeit unter extremer anhaltender Migräne). Wir hatten tatsächlich im Februar in Schweden eine Tour gehabt. Auch wenn es meinem Kopf echt nicht gut ging, während der Konzerte ging es dann irgendwie. Das war sonst gar nicht gut. Es war nicht gut für und mit meinem Kopf, aber es war gut, dass wir es gemacht haben. Irgendwie ging es. Ich bin von Helsinki nach Stockholm. Da haben wir einen Gig im Glenn Miller Cafe gespielt, zusammen mit Mauritz und mit Sebastian, und noch einen Duo-Gig in einer Hotelbar, danach haben wir in Göteborg gespielt. Eigentlich sollten es zwei Gigs dort sein, letztendlich wurde es ein Probentag und ein Konzert. Es war cool, das war unsere Pre-Release Tour. Dann haben wir am 1. Juni hier gespielt. Ich habe hier so einen Konzertort in einer alten Kirchenkapelle. Ich habe 2020 über einen Organisten diese Kapelle entdeckt. Die stand 20 Jahre lang leer, wurde nicht genutzt. Ursprünglich gehörte die zur Gedächtniskirche, auch wenn die wo ganz anders ist. Die Kapelle wurde zur Luisenkirche gegeben, und die brauchte sie nicht, weil auf dem Friedhof daneben auch noch eine Kapelle ist. Wir sind zusammen rein, er hatte den Schlüssel, weil er einmal eine Stummfilmvertonung dort gemacht hatte. Dort gibt es auch eine Orgel. Die Kappelle wartet auf Nutzung, sagte er. Ich hatte Glück mit dem Unterrichten zu Pandemie-Zeiten und bekam auch Geld von der Musikschule für Schüler, die nicht online unterrichtet werden wollten. Geldmässig ging es also, vor allem hatte ich Zeit. Deshalb habe ich angefangen das zu nutzen.

Ich habe eine geringe Miete an die Kirche gezahlt, um den Raum nutzen zu können. Zuerst hatte ich das als Probenraum konzipiert. Jeden Sommer hatte ich dann selber Konzerte veranstaltet, 2020 und 2021. 2022 habe ich ein Kollektiv gegründet mit Birgitta und Leon Griese. Das Kollektiv hatte geholfen mit den Konzerten. 2022 haben wir für „Draussenstadt“ eine Förderung bekommen. Dazu hatte ich einen Raum wärmeisoliert, deshalb kann man einen Raum das ganze Jahr zum proben nutzen. Den grossen Raum kann man nur von Juni bis September nutzen, ohne Heizung ist das zu kalt.

2023 habe ich Senatsförderung für die Konzertreihe bekommen. Eigentlich toll, aber auf der anderen Seite war ich da schon in Helsinki, deshalb war das ganze etwas konträr. Es war ein Riesentraum mit Helsinki und dem Jazzschloss…

jazz-fun.de:
Zwei Träume auf einmal, aber geografisch weit auseinander.

Antje Rößeler:
Ja, aber es ging irgendwie, ich habe acht Konzerte organisiert. 2022 hatten wir den ganzen Sommer durch Konzerte. 2022 war viel, 2023 gab es die Reihe, für die ich gekommen bin. Da kamen dann leider nicht so viele Leute, aber ich war halt auch nicht da.

jazz-fun.de:
Von aussen organisieren ist ja auch immer schwierig.

Antje Rößeler:
Ich habe so etwas natürlich auch noch nie gemacht, mit so einer krassen Förderung. Ich habe eine grosse Plakataktion gemacht. Das ist jetzt richtig, das bringt es jetzt, dachte ich, aber es kamen nicht genug für das Geld, das investiert wurde. Am Ende habe ich kein Plus gemacht.

jazz-fun.de:
Bis 2022 war alles unter Corona-Bedingungen, 2023 war alles wieder offen und viel Konkurrenz da.

Antje Rößeler:
Ja, und der Ort selber ist auch ein bisschen versteckt. Es war alles viel Aufwand, und ich habe kein Plus gemacht.

jazz-fun.de:
Und die Reiserei für dich war auch viel.

Antje Rößeler:
Danach habe ich gemerkt, ich bin müde, und im Herbst darauf kam dann die Migräne.
Dieses Jahr haben Birgitta und ich ein Release Konzert dort gespielt. Eine weitere Konzertreihe gibt es da nicht.
Wir haben nicht viel geplant, wir haben im November noch einen Gig in Dresden und im Februar wieder im Glenn Miller Cafe in Stockholm im Quartett.

Wir haben ja auch ein paar Kritiken bekommen, dass da was läuft, das freut mich.
Durch diese verrückte Helsinki Geschichte habe ich die Aufmerksamkeit, die meine Alben bekommen habe, nicht richtig genutzt.

jazz-fun.de:
Aber wenn der Traum Helsinki ist, und sich eine Möglichkeit auftut, sollte man das auch nutzen. Würdest du gerne wieder zurück gehen?

Antje Rößeler:
Erst mal geht es nicht, und sicher nicht dauerhaft. Aber ich kann mir vorstellen, wenn es mir besser geht, wieder öfter dort hinzugehen. Ich habe dort einen Triogig mit zwei Finnen gehabt, der auch auf Youtube gelandet ist. Ich hatte da auch Konzerte in einem Proberaumhaus organisiert, ich wollte das so ähnlich machen wie das Jazzschloss hier. Dann ging es halt nicht mehr.

jazz-fun.de:
Und das Jazzschloss ist zu?

Antje Rößeler:
Der Probenraum ist immer noch in Betrieb, Veranstaltungen waren jetzt aber keine. Ich würde gerne wieder was machen, wenn ich kann, oder das andere Leute machen lassen. Das Kollektiv, das war auch cool, aber nicht alle hatten diese Begeisterung, diesen Raum zu beleben. Das haben die anderen nicht im gleichen Masse geteilt. Ich habe das als unfassbares Geschenk begriffen, ein toller Raum, in den 100 Leute reinpassen. Den könnte man sogar mit Eintrittspreisen tragen.

Die Akustik ist gut, mit Schlagzeug wird es schwierig, aber nicht so schwierig wie in anderen Kirchen, weil es kein Gewölbe sondern eine Holzdecke gibt. Für Klassik oder Cello Solo ist das grossartig. Meine Eltern sind Cellisten, meine Mutter hatte da schon Vorspiele gemacht.

Mit dieser Förderung war es krass, aber es muss ein Jahr vorher beantragt und konzipiert sein, das ist nicht einfach. Das ist echt viel Arbeit.

Wenn ich nicht weiss, wie es mir geht, kann ich nicht planen. Und wenn man viel Arbeit selber übernehmen muss, weiss ich nicht, ob das klappt. Motivation habe ich, vielleicht gibt es ja auch Leute, die sowas gerne machen, die mich unterstützen könnten.
Ich bin ja nur in Musikerkreisen unterwegs, und war somit auf der anderen Seite.

jazz-fun.de:
Du möchtest spielen und hast keine Zeit, Dinge zu organisieren…

Antje Rößeler:
Ich kenne das nicht anders, meine Eltern sind ja beide Musiker, mir ist es spät erst bewusst geworden, dass es ein Privileg ist, als ich Abi gemacht habe. Ich hatte in Bigbands gespielt, in der United Bigband. Da waren andere, die supergut waren und auch Jazz hätten studieren können, haben dann aber Jura gewählt, weil eben kein Support da war. Dann wird was „vernünftiges“ gewählt.

Ich habe immer unterrichtet, während und viel nach den Studium. Eines meiner ersten Vorbilder war Julia Hülsmann, die hat auch immer unterrichtet. Ich wollte schnell Geld verdienen und finanziell unabhängig von meinen Eltern sein. Es gibt ja auch genug Jazzmusiker, die Bürgergeld beziehen, habe ich jetzt gelernt.

jazz-fun.de:
Oder die ein Stipendium nach dem anderen organisieren.

Antje Rößeler:
Aber wenn man „richtig“ arbeitet, kriegt man ja dann auch ein bisschen Rente….
Mit Birgitta hatte ich ein Stipendium bekommen und selber hatte ich auch eines bekommen, ich wollte Standards üben, um die mehr in mein Programm zu integrieren. Dann hatte ich Geld, dann gehe ich nach Helsinki, das hatte sich vereinfacht.

jazz-fun.de:
So konntest du deinen Traum wahr machen.

Antje Rößeler:
Ich bin auch immer noch dankbar, dass ich das gemacht habe. Hier fühle ich mich auch anders, es war immer dieses „du müsstest doch nach Helsinki gehen“. Jetzt weiss ich, wie es ist. Und es ist teuer.

jazz-fun.de:
Hast Du schon andere Projekte, über die du nachdenkst?

Antje Rößeler:
Ich bin froh, wenn es Tage gibt, an denen ich arbeiten kann. Planen kann ich schlecht, das ist alles unklar. Ich möchte gerne wieder spielen, am liebsten im Trio. Ich habe auch wieder angefangen zu komponieren, aber nur kurze Abschnitte. Es liegen auch noch Stücke, die noch nicht erschienen sind. Trio ist mir immer wichtig, ich habe immer mehrere gehabt, nicht nur eine feste Besetzung. Das ist dann etwas unvorhersehbarer.

Ich wollte immer alles können, deshalb habe ich immer eigene Stücke geschrieben, ich wollte aber auch die Standards richtig gut spielen können. Ich habe auf den Trioalben auch immer Standards dabei.

Auf dem Duoalbum ist jetzt keiner drauf, was  eher Zufall ist, weil wir live schon auch mal einen Standard dazu nehmen. Ich wollte beides gut machen. Ich mag auch Jamsessions gerne. Oft ist es ja ein Showing Off, aber eigentlich mag ich das Spontane mit Leuten spielen. Das geht aber nur, wenn man die Stücke gut kann. Das übt man ja immer, da muss man dran belieben. Deshalb habe ich das Stipendium für Jazzstandards üben angefragt. In Helsinki ist das auch sehr angesagt, die Sibelius Akademie ist sehr traditionell. Im Nordic Master habe ich in Stockholm, Helsinki und Aarhus studiert, und das halbe Jahr in Finnland war wirklich das produktivste in Sachen üben. Da habe ich Standards geübt.

jazz-fun.de:
Das ist aber Euch etwas sehr Konkretes, das hilft bei etwas Kreativem wie Improvisation sehr.

Antje Rößeler:
Das stimmt, ich habe wirklich deutlich gemerkt, wie ich am Klavier besser wurde. Es kann auch eng werden, weil es anspruchsvoll ist. Alle Sängerinnen dort können alle Lines singen, und Du musst alle Stücke in allen Tonarten spielen können. Mein „Oha“-Moment war „Body and Soul“ in A. So was wird erwartet und ist ja eigentlich auch cool.

jazz-fun.de:
Gutes Handwerk ist also erwartet.

Antje Rößeler:
Ja, und mir ist auch aufgefallen, dass die Bassist*innen alle intonieren können, das ist ein Traum. Fundament finde ich wichtig, es ist eine gemeinsame Sprache, da kann man gleich loslegen. Deshalb habe ich auch immer mit verschiedenen Leuten im Trio gespielt, auch wegen der verschiedenen Länder. Einen Triogig habe ich am Jazzbaltica gespielt, zu Pandemie- Zeiten. Der war eigentlich für 2020 mit meinem Berliner Trio geplant, er wäre der letzte einer acht Konzerte-Reihe des Trios gewesen. Und dann kam die Pandemie. Ich war so traurig, ich hatte gerade Plakate und Postkarten für die Konzerte bekommen und fotografiert und dann fiel der erste Gig dem Lockdown zum Opfer. Bei jeder Karte habe ich den ersten Gig durchgestrichen… Der Gig wurde um ein Jahr verschoben und ich habe ihn dann mit meinem Stockholmer Trio gespielt, weil wir gerade das Album herausgebracht haben.

Es war ein grosser Konflikt für mich, wen ich für den verschobenen Gig frage. Ich habe noch nie eine richtige Tour in Deutschland gehabt, es wäre eine erste Tour gewesen, dann kam die Pandemie, dann bin ich nach Helsinki. Es ist schwierig.

Was ich im Moment machen möchte, ist ein bisschen unklar. Schon gerne Trio, aber mit wem? Am liebsten mit allen. Eigentlich habe ich ja zwei Trios…

Mein Masterkonzert in Stockholm habe ich auch mit zwei Trios nacheinander gespielt. Ich habe mit einem Trio Standards gespielt, mit dem anderen eigenes. Das Stockholmer Trio mit Mauritz und Sebastian war mein Standard-Trio, mit denen wollte ich noch eigene Sachen machen. Die Kombination – Leute mit richtig gutem Handwerk, die eigenen Stücke spielen, das wäre das optimale. Ich mag gerne die traditionelle Richtung und das Fundament auch in meinen eigenen Stücken. Meine Themen sind vielleicht nicht sofort jazzig, haben manchmal sogar eher klassische Themen.

Hier hatte ich in Dresden studiert und ich habe meinen Master in Stockholm gemacht. Die Energie war frischer und heller mit allem, was sich ergeben hat. Sebastian (Voegler, Drums) ist älter, der war schon nicht mehr an der Hochschule in Stockholm, und Mauritz (Agnas, Bass) ist jünger, der hatte noch nicht studiert. Ich hatte Sebastian an einer Session getroffen, eine Nachmittagssession in einem Café. Er hatte mich gefragt, ob wir was zusammen spielen wollten und erzählte mir von dem jungen Bassisten, den er gerne dazu nehmen wollte. Das Trio lief also gar nicht über die Hochschule, sondern über die Sessions. Das war alles frisch und organisch.
In Dresden ist es gut zu studieren, aber es bleiben wenig Studenten nach dem Abschluss dort. Ich mag Hauptstädte, egal, ob Stockholm oder Helsinki, was ja auch eine Hauptstadt ist, aber sehr ruhig. Gemütlich mag ich auch, aber ich würde das Hauptstadtding vermissen würde, dass alle was schaffen wollen. Helsinki hat beides, Hauptstadtvibes, alle wollen es schaffen, und gleichzeitig ist alles etwas langsamer.

Aber auch wenn man etwas Neues machen möchte, ist es langsam. Es dauerte, bis ich Privatschüler hatte, und Gigs organisieren ist auch schwer. Weil es wenig Orte mit einem richtigen Klavier gibt, was mir wichtig ist. Es gibt keinen Club, in dem jeden Tag Musik gespielt wird. Irgendwann würde ich gerne einen eigenen Club eröffnen wollen.

Das Gespräch führte Angela Ballhorn
Foto: Anne Hornemann, Oliver Look

Einen Kommentar schreiben

Bitte addieren Sie 7 und 4.