Rezension des Albums "Wrap a Tear in Cellophane" von ARBRE
ARBRE
Wrap a Tear in Cellophane
Erscheinungstermin: 17.04.2026
Label: Ronin Rhythm Productions, 2025
Ein fragiles Klanguniversum voller Überraschungen
Mit Wrap a Tear in Cellophane präsentiert ARBRE ein Album, das sich bewusst zwischen den Genres bewegt und gerade dadurch eine ganz eigene Sprache entwickelt. Das Trio – bestehend aus Mélusine Chappuis, Paul Butscher und Xavier Almeida – erschafft eine Musik, die leicht und transparent wirkt, zugleich aber voller Tiefe, Reibung und emotionaler Vielschichtigkeit steckt.
Schon nach wenigen Takten wird deutlich: Hier geht es nicht um stilistische Kategorien. Die Musik bewegt sich frei zwischen Indie-Pop, elektronischen Klangwelten, Art-Rock und improvisatorischen Strukturen, die gelegentlich an Jazz erinnern, ohne sich ihm jemals vollständig zu unterwerfen.
Gerade diese Offenheit macht den besonderen Reiz des Albums aus. Die Arrangements wirken fragil und luftig, besitzen zugleich aber eine bemerkenswerte Dichte. Hinter der scheinbaren Leichtigkeit verbirgt sich ein präzise konstruiertes Klanggewebe aus subtilen Grooves, rhythmischen Verschiebungen und fein austarierten Klangfarben.
Die Instrumentierung balanciert gekonnt zwischen analogen und elektronischen Elementen. Flügelhorn, Keyboards, Stimmen und Percussion verschmelzen zu einem organischen Ganzen, das stets in Bewegung bleibt. Dabei wechseln die Texte und Vokalsprachen zwischen Englisch und Französisch, was dem Album zusätzliche emotionale und stilistische Ebenen verleiht.
Besonders faszinierend ist die Art, wie ARBRE Spannung erzeugt: nie durch große Gesten oder Überwältigung, sondern durch Atmosphäre, Nuancen und kleine klangliche Verschiebungen. Die Melodien bleiben klar und zugänglich, während darunter komplexe rhythmische und harmonische Prozesse arbeiten.
Wer hier klassischen Jazz erwartet, wird überrascht sein. Wrap a Tear in Cellophane verweigert sich bewusst traditionellen Kategorien und sucht seine Inspiration vielmehr in elektronischer Musik, Rock und zeitgenössischem Songwriting. Jazz erscheint eher als Haltung – als Offenheit für Struktur, Interaktion und klangliches Risiko.
Gerade deshalb lohnt es sich, dieses Album ohne stilistische Erwartungen zu hören. Denn hinter seiner Fragilität verbirgt sich eine faszinierende musikalische Welt voller Details und unerwarteter Schönheit.
Ein mutiges, poetisches und überraschend vielschichtiges Werk – für offene Ohren unbedingt hörenswert.
(Jacek Brun, 12.05.2026)
Besetzung
Mélusine Chappuis - Keys, Vocals, Electronics
Paul Butscher - Flügelhorn, Vocals, Synthesizer
Xavier Almeida - Drums
Titelliste
- The Clock Won't Stop
- Thin Walls
- The Shore
- Was It Real?
- Je Suis La Nuit
- Over And Over
- Arrimee A La Brise
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