Rezension des Albums "All You Can Eat. Variationen des Verschlingens" von Ariane Koch & Jan Drees
Ariane Koch & Jan Drees
All You Can Eat. Variationen des Verschlingens
Erscheinungstermin: 15.04.2026
Label: Jazzhaus Musik, 2026
Variationen des Denkens und Hörens
Mit All You Can Eat. Variationen des Verschlingens legen die Schweizer Autorin Ariane Koch und der Hamburger Multiinstrumentalist Jan Drees ein Werk vor, das sich bewusst zwischen Literatur, Musiktheater, Hörspiel und experimenteller Klangkunst bewegt.
Ausgangspunkt ist ein Text von Ariane Koch, deren Arbeiten immer wieder sprachliche und gesellschaftliche Grenzräume ausloten. Jan Drees übersetzt diese sprachliche Vielschichtigkeit in eine musikalische Umgebung, die sich frei zwischen Jazz, Ambient, experimenteller Musik und Art Rock bewegt – nie dekorativ, sondern stets als aktiver Teil der Erzählung.
Dieses Werk verlangt Aufmerksamkeit. Es ist keine Musik für den beiläufigen Konsum, sondern eine Produktion, die Konzentration und Offenheit einfordert. Die verschiedenen Erzählstränge entfalten sich schrittweise, oft fragmentarisch, manchmal irritierend, immer wieder überraschend. Aussagen, Beobachtungen und sprachliche Wendungen wirken nach, fordern Interpretation und laden dazu ein, Bedeutungen neu zu verhandeln.
Gerade darin liegt die besondere Qualität dieser Produktion: Man hört nicht einfach zu – man gerät in einen Denkprozess. Viele Passagen erschließen sich erst beim wiederholten Hören vollständig. Manche Bilder bleiben rätselhaft, andere entfalten ihre Wirkung erst zeitverzögert.
Die musikalische Gestaltung ist dabei bemerkenswert vielschichtig. Drees schafft eine Klangwelt, die nie bloß begleitet, sondern kommentiert, widerspricht, verstärkt oder neue Perspektiven eröffnet. Elektronische Texturen, rhythmische Impulse, improvisatorische Elemente und atmosphärische Klangflächen bilden eine dichte, oft cineastische Umgebung für Kochs Sprache.
Dabei entsteht nie Langeweile – vielmehr eine Art produktive Überforderung, die neugierig macht und zum Weiterdenken anregt. Allerdings verlangt das Werk Geduld. Es entfaltet seine Wirkung am stärksten, wenn man bereit ist, sich Zeit zu nehmen, innezuhalten und den einzelnen Gedanken nachzuspüren.
All You Can Eat. Variationen des Verschlingens ist eine ungewöhnliche, anspruchsvolle und zugleich faszinierende Produktion – ein Werk an der Schnittstelle von Literatur und Musik, das sich bewusst einfachen Kategorien entzieht.
Eine mutige und einzigartige Veröffentlichung, die Aufmerksamkeit fordert – und diese reich belohnt.
(Jacek Brun, 14.05.2026)
Besetzung
Oda Thormeyer, Tim Porath, Friederike Ziegler, Christian Rodenberg, Heinz Rudolf Kunze, Ariane Koch - speakers
Ariane Koch - author
Jan Drees - compositions, conception, field recordings and all instruments
Titelliste
- Jan Drees/Oda Thormeyer/Tim Portah/Friederike Ziegler/Christian Rodenberg/Heinz Rudolf Kunze/ArianeTeil 1: Von der Gleichheit - Vom Nichts - Homo Consumens I - Homo Consumens II - Reprise I - Das Meer I - Reprise II - Homo Consumens III - Homo Consumens IV
- Jan Drees/Oda Thormeyer/Tim Portah/Friederike Ziegler/Christian Rodenberg/Heinz Rudolf Kunze/ArianeTeil 2: Das Meer II - Die Worte - Influenca - Vom Fortgehen - Reprise III - Von leeren Händen
- Jan Drees/Oda Thormeyer/Tim Portah/Friederike Ziegler/Christian Rodenberg/Heinz Rudolf Kunze/ArianeTeil 3: Der Schatten - Happy End - Das Meer III - Menschenfresser - Homo Consumens V
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