ARJAY und das Duo BLED bei „Jazz in den Gängen“ in Hamburg
Am Montag, dem 23. Februar 2026, fand im Rahmen von „Jazz in den Gängen“ ein Doppelkonzert statt, organisiert vom Verein JazzDayGermany e.V.. Zwei Formationen standen auf dem Programm: die Hamburger Band ARJAY und das polnische Duo BLED. Zwei sehr unterschiedliche musikalische Ansätze – und doch verband beide Konzerte eine spürbare Energie und Offenheit.
ARJAY – junger Jazz mit internationalem Blick
Den Auftakt machte ARJAY, eine Gruppe junger Musiker der Hamburger Szene um den britischen Saxofonisten und Komponisten Will Rees-Jones. Nach seinem Umzug aus Großbritannien gründete er das Ensemble, das improvisatorische Freiheit, starken Groove und Einflüsse aus verschiedenen musikalischen Kulturen verbindet.
Ein Teil seiner Kompositionen entstand während Reisen durch Südamerika – in abgelegenen Regionen und kleinen Dörfern. Diese Erfahrungen sind in der Musik deutlich hörbar. ARJAY versteht Jazz als offenen Dialog zwischen Genres, Kulturen und Menschen.
Besonders die lyrischen und zugleich kraftvollen Saxofonlinien von Rees-Jones sowie das lebendige Zusammenspiel des Ensembles prägten den Auftritt. Die Band wirkt trotz ihres jungen Alters erstaunlich reif und zielgerichtet. Man spürt sofort: Diese Musiker wissen genau, wohin sie musikalisch wollen.
Will Rees-Jones (GBR) - Saxofon, Komposition
Moritz Schöwing - Klavier
Fridosse Madoukpe Akakpo - Schlagzeug
Jair Leandro - Bass
BLED – Musik wie ein hypnotischer Ritus
Der zweite Teil des Abends gehörte dem polnischen Duo BLED – und wurde für mich zum eigentlichen Höhepunkt des Konzerts.
Die beiden Musiker aus Gdańsk, Emil Miszk und Sławek Koryzno, erschaffen gemeinsam Klanglandschaften, die sich langsam entfalten und das Publikum förmlich in ihren Bann ziehen. Ihre Musik bewegt sich zwischen Ambient, experimentellem Jazz und elektronischen Klangwelten und erinnert in ihrer Ästhetik an die „Fourth World“-Idee von Jon Hassell.
Schon nach wenigen Minuten hatte ich das Gefühl, als würde sich der Raum verändern. Die Musik entwickelte sich langsam, beinahe organisch. Emil Miszks Trompetenspiel besitzt eine beeindruckende Klangkultur – mal warm und lyrisch, mal von elektronischen Farben durchzogen. Gleichzeitig baut Sławek Koryzno mit Schlagzeug, modularen Synthesizern und Elektronik rhythmische Strukturen auf, die sich stetig verdichten und wieder öffnen.
Das Duo präsentierte Musik aus seinem Album Terra Incognita. Der Titel stammt aus alten Landkarten, auf denen unbekannte Gebiete so bezeichnet wurden. Bei BLED geht es jedoch weniger um geografische Räume als um innere Landschaften – um Orte jenseits von Lärm und Überfluss, an denen sich etwas Neues entdecken lässt.
Unterstützt von den atmosphärischen Visuals von Gary Garnowski entstand eine fast rituelle Konzertatmosphäre. Die Musik wirkte wie ein hypnotischer Prozess, der sich langsam aufbaut und immer tiefer in die Wahrnehmung eindringt.
Irgendwann hatte ich das Gefühl, nicht mehr nur einem Konzert zuzuhören, sondern Teil eines musikalischen Zustands zu sein. Alles geschah gleichzeitig ganz bewusst – und doch wie in einer Art Trance.
Die Musiker spielten mit einer Intensität und Hingabe, als würden sie selbst von der Magie ihrer Musik getragen. Dieser etwa einstündige Klangraum verging viel zu schnell – und wird mir noch lange in Erinnerung bleiben.
Emil Miszk (POL) - Trompete, Moog Rogue, Elektronik
Sławek Koryzno (POL) - Schlagzeug, modulare Synthesizer, Elektronik
Gary Garnowski - Visuals
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BLED - Emil Miszk, Foto: Christian Lau -
BLED - Slawek Koryzno, Foto: Christian Lau -
BLED - Emil Miszk, Foto: Christian Lau -
BLED - Emil Miszk, Foto: Christian Lau -
BLED - Emil Miszk, Foto: Christian Lau -
BLED - Emil Miszk, Foto: Christian Lau -
BLED - Slawek Koryzno, Foto: Christian Lau -
BLED, Foto: Christian Lau
Interview mit Emil Miszk:
Emil Miszk im Interview – Jazz zwischen Tradition und Innovation
Vor seinem Konzert in der Halle 424 in Hamburg trafen wir den polnischen Trompeter und Komponisten Emil Miszk zu einem Video-Interview. Im Gespräch mit Sarah Seidel spricht er über seine Arbeit an der Schnittstelle von Komposition und freier Improvisation, über das Spannungsfeld zwischen Tradition und Innovation im Jazz sowie über seine musikalische Denkweise als Suchender und Gestaltender. Ein Gespräch über künstlerische Neugier, kollektive Energie – und darüber, warum Musik für ihn immer ein offenes Experimentierfeld bleibt.
Ein besonderer Dank gilt dem Verein JazzDayGermany e.V., der dieses Konzert organisiert hat und auch die Konzertreihe „Jazz in den Gängen“ ins Leben gerufen hat. Mit dieser Initiative schafft der Verein regelmäßig Räume für Begegnungen zwischen Musikerinnen und Musikern aus unterschiedlichen Szenen und Ländern und bringt zeitgenössischen Jazz an ungewöhnliche Orte. Gerade solche Abende zeigen, wie wichtig engagierte Initiativen für eine lebendige Jazzkultur sind – sie ermöglichen Konzerte, die Neugier wecken, neue musikalische Perspektiven eröffnen und das Publikum unmittelbar an aktuellen Entwicklungen der Szene teilhaben lassen.
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