Bill Frisell, Andrew Cyrille & Kit Downes - Breaking the Shell
Bill Frisell, Andrew Cyrille & Kit Downes
Breaking the Shell
Erscheinungstermin: 18.10.2024
Label: Red Hook Records, 2024
Statt ihre Muskeln spielen zu lassen, geben sich die drei Männer einer bescheidenen musikalischen Meditation hin. Da ist kein Platz für schön gespielte Melodien oder mitreißende Rhythmen und Soloparts. Vom Anfang bis zum Ende hört und spürt man die Gedanken und musikalischen Emotionen, die sich zwischen den Musikern und ihren Instrumenten austauschen. Die Reinheit des Klangs und das Tempo der Darbietung sind beeindruckend. Es ist kein einfaches Album, aber nach einer Weile ist es schwer, sich von dieser Musik zu lösen. (Jacek Brun, 01.11.2024)
Besetzung
Andrew Cyrille - drums
Bill Frisell - electric guitar
Kit Downes - pipe organ
Über das Jazz Album von Bill Frisell, Andrew Cyrille & Kit Downes - Breaking the Shell
Die neueste Veröffentlichung des Labels Red Hook Records präsentiert eine einzigartige und selten gehörte Kombination von Instrumenten - E-Gitarre, Pfeifenorgel und Schlagzeug. Das Ergebnis ist eine Meditation über verschiedene Klänge und eine Gelegenheit für drei hochkreative Musiker, sich in einer völlig neuen Dimension frei zu bewegen. „Breaking the Shell“ vereint Gitarrenikone Bill Frisell, Organist Kit Downes und Schlagzeuger Andrew Cyrille.
Das Trio aus Koryphäen der Improvisationsmusik präsentiert mit seinem gemeinsamen Album etwas entschieden Neues und Kühnes, indem es eine unerwartete Verbindung von E-Gitarre, Schlagzeug und Orgel schafft. Die Aufnahmen entstanden konzentriert, aber mit bewundernswerter Freiheit und Furchtlosigkeit an zwei warmen Frühlingstagen im Mai 2022. Als Ort wählte das Trio die ruhige Atmosphäre von St. Luke in the Fields in Greenwich Village, New York. Die Kirche mit ihrer an englische Landkirchen erinnernden Architektur und einer sorgfältig gepflegten Barockorgel bot dem Trio eine einzigartige Umgebung. Die Orgel mit ihren 27 Registern und 1.670 Pfeifen eröffnete Kit Downes unendliche Möglichkeiten. Sowohl ihre ungewöhnliche Instrumentierung als auch die klanglichen Eigenschaften der Kirche drängten das Trio in einen Raum, in dem das Zuhören im Vordergrund stand und die Klangfarben und harmonischen Fähigkeiten der Instrumente auf die Probe gestellt wurden. Dieser Raum war ein fruchtbarer Boden für Erfindungen, und „Breaking the Shell“ ist ein atemberaubendes Dokument dieses Unterfangens.
Mit einer Mischung aus neuen Kompositionen und Interpretationen traditioneller Volkslieder schafft "Breaking the Shell" einen Klangteppich, der sowohl innovativ als auch tief in verschiedenen musikalischen Traditionen verwurzelt ist. Das Trio mit Bill Frisell, Kit Downes und Andrew Cyrille schafft eine wunderbar abstrakte Klangwelt, eine Perspektivstudie, in der die Orgel am wenigsten im Vordergrund steht - paradox für ein Kircheninstrument, das mitunter bombastisch klingen kann. Das Eröffnungsstück „May 4th“ gibt mit seiner immersiven Klanglandschaft den Ton an, man hört, wie jeder Instrumentalist seinen eigenen Klang sucht und doch als Teil eines Ganzen agiert. Downes' „Untitled 23“ hat eine kantige, fast klösterliche Melodie - die Atmosphäre wird urbaner und kantiger - eben mehr New York. „Kasei Valles“ ist ein raumgreifendes Stück, das eine übersteuerte Gitarre mit der ganzen Bandbreite der Orgel verbindet und die Kirche mit Klang füllt. Benannt ist das Stück nach einem riesigen Canyonsystem auf dem Mars - fast 500 km breit und 1.600 km lang. Die Klangcollage wird mit der Zeit immer dunkler, dichter und beunruhigender und vermittelt ein Bild von der Einsamkeit und der stürmischen Natur dieser Landschaft. „El“, komponiert von Downes, erforscht eine harmonischere Seite dieser Instrumentenkombination. Das Trio erzählt eine melancholische Geschichte und erforscht dabei ihre gemeinsamen Texturen. Die Gastmusikerin und Cellistin Lucy Railton schafft eine üppige Atmosphäre, die Frisells Interpretation der süßen Melodie und Cyrilles exquisiten und intuitiven Pinselstrich begleitet.
Frisells „Two Twins“ ist ein Meisterwerk an Dynamik und Reaktivität, das Cyrille mit seinen rhythmischen Refrains einfühlsam gestaltet. Zusammen mit „Southern Body“ bietet dieses Stück ein ganzes Universum an Möglichkeiten. „Cypher“ zeigt Downes' Fähigkeit, die Pfeifenorgel wie einen Pad-Synthesizer zu benutzen und Klangfelder zu erzeugen, die sich in Wellen von Komplimenten und Kollisionen mit den vorgegebenen Harmonien bewegen. Dieses kurze, beunruhigende und pulsierende Stück zeichnet sich durch einen eher reduzierten und ruhigen Klang aus, die Erzählung ist eher angedeutet. Das Album enthält wunderschöne Interpretationen von Cyrilles Ballade „Proximity“ und zwei traditionelle europäische Volkslieder, das stimmungsvolle „Sjung Herte Sjung“ aus Norwegen und „Este a Székelyeknél“ aus Ungarn, das mit dem Klang des Windes endet, der durch die Orgelpfeifen flüstert, als würde ein riesiges Wesen sanft ausatmen.
Diese Stücke sowie die Eigenkompositionen von Frisell und Downes zeigen die Fähigkeit des Trios, eine kohärente und fesselnde musikalische Erzählung zu schaffen, die über das Genre hinausgeht. "Breaking the Shell" ist ein Beweis für die Fähigkeit dieser herausragenden Musiker, zuzuhören, zu reagieren und in Echtzeit gefühlvolle Stücke zu kreieren - der Grundstein der Jazzmusik, erweitert um eine neue Dimension. Dieses Album ist eine aufregende Erkundung des Klangs und eine Feier der grenzenlosen Möglichkeiten improvisierter Musik.
Titelliste
- May 4th
- Untitled 23
- Kasei valles
- El
- Southern body
- Sjung herte sjung
- Two twins
- Cypher
- July 2nd
- Proximity
- Este a székelyeknél
jazz-fun`s recap:
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