Bobby Rausch - Stones & Stars

Bobby Rausch - Stones & Stars - Albumcover
Bobby Rausch - Stones & Stars

Bobby Rausch
Stones & Stars

Erscheinungstermin: 25.04.2025
Label: Ninety Days Records, 2025

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jazz-fun`s recap:

Bobby Rausch haben eine neue musikalische Qualität geschaffen – eine, die auf den ersten Blick weit entfernt von allem Bekannten scheint und dabei doch ganz nah an dem ist, was moderne Musik im Kern ausmacht. Die ungewöhnliche Besetzung des Trios ist nicht nur Ausdruck von Mut und Vielseitigkeit, sondern vor allem von künstlerischer Offenheit und dem bewussten Überschreiten stilistischer Grenzen. Oleg Hollmann, Lutz Streun und Nico Stallmann verfügen über einen klar definierten Stil und einen unverwechselbaren Sound – ihre klanglichen Expeditionen sind ebenso eigenwillig wie faszinierend. Ein großartiges Album, das man sich unbedingt anhören sollte! (Jacek Brun, 02.05.2025)

Besetzung

Oleg Hollmann - Baritone Saxophone & Effects
Lutz Streun - Bass Clarinet & Effects
Nico Stallmann - Drums & Effects

Über das Jazz Album "Stones & Stars" von Bobby Rausch

"Bobby Rausch haben im April 2025 das Album "Stones&Stars" veröffentlicht. Entstanden in enger Zusammenarbeit mit Tilman Hopf (Produzent u.a. von The String Theory, Bukahara), sorgen die 10 Tracks für ordentlich Wind auf allen Frequenzen. Die Berliner Formation behält ihre kompromisslose Klangsignatur bei, um neue musikalische und gedankliche Einflüsse fast unmerklich in das Bobby Rausch-Amalgam zu verschmelzen.

Gestatten, Bobby Rausch. Beste Berliner Band, sagen die einen, die anderen sagen: Das ist eine Berliner Band. Komma, Nachsatz: Die der deutsche Jazz und eigentlich jeder Dancefloor braucht. Ja, wer Bobby Rausch hört, schiebt die sesselwärmenden Altlasten aus dem Jazzkeller. Die verschmierten Fenster öffnen sich. Der Mief weicht drei Menschen, die zwar von der Musikgeschichte gehört, aber die Tradition längst vergessen haben - weil man sich in Berlin ständig daran erinnern muss, mal wieder was anderes zu machen.

So geschehen bei „Stones & Stars", dem neuen Album von Bobby Rausch. Es ist sein zweites. Und wahrscheinlich sein bestes, denn: Hier Jazz, da Elektronik, und dazwischen lotet Bobby Rausch jetzt wirklich aus, was man Synergieeffekte nennt. Aber bevor sich jetzt Regionalredakteure auf investigative Recherche begeben, um später stolze Sätze zu verbrechen wie: „Das ist Jazz, den auch Leute hören, die sonst keinen Jazz hören." Bitte alles auf Null, denn ... Das ist Bobby Rausch, das sind Lutz Streun (DE/Südafrika), Oleg Hollmann (DE/Ukraine) und, Achtung neu: Nico Stallmann, der lebt sogar in Köln. Man kann zu ihnen Band sagen oder Gruppe, besser nicht Jazzkapelle. Und ja, das mit der Bassklarinette und dem Baritonsaxophon und dem Schlagzeug, das ist eine tolle Sache, aber bevor jetzt wieder jemand auf die Idee kommt, das zwischen zwei Klammern zu sperren: Lass es!

Es gäbe ja genug anderes zu erzählen, zum Beispiel - was für eine Abrissbirne das neue Album ist. Und was der künstlerische Produzent Tilman Hopf damit zu tun hat. Oder wie viele Subwoofer im aktualisierten Techrider stecken, um ihn bei den Leverkusener Jazztagen, beim Elbjazz in Hamburg oder beim XJazz. Berlin aufzuführen. Um nicht missverstanden zu werden: Bobby Rausch sind nicht das Berghain. Aber sie waren schon im Sisyphos, im Watergate, auf Partys wie im KAOS. Und da waren die Leute immer glücklich, weil sie das können: Beats machen, elektronisch spielen, Jazz in die Clubnacht bringen. Mit dieser Prämisse geht man rein, „Stones & Stars", Krachbumm, Tschikitschäng! Erste Erkenntnis: Das ist wirklich „brodelnder Sound", ein „knackiger Groove"*, die altehrwürdigen Feuilletons des Landes haben nicht gelogen.

Sie haben es nur bisher falsch verstanden. Das muss man sich geben, die Geschwindigkeit, das Gebläse, alles. Und dazu brüllen und sich auflösen, am besten nie wieder zusammensetzen. Denn das, meine Damen und Herren, ist das Fundament der Gegenwart - handgemachte Musik, körperliche Arbeit und der wundersame Tanz der Maschinen.

Man könnte sich das mit verschränkten Armen und ernster Miene vom Beckenrand aus ansehen, man sollte es aber nicht. Bobby Rausch ist schließlich eine Ganzkörper-Druckpunkt-Massagetechnik. Oder, sozialverträglicher: Musik, die von freien Improvisationen und klanglichen Grenzüberschreitungen geprägt ist, die Denken und Fühlen gleichermaßen fordert, die Ecken und Kanten hat, aber auch Platz für Groove und Flow läss Dazwischen denkt man gerne mal: atmen, Luft holen, irgendwie die Lungenflügel voll kriegen. Sonst rauscht „Stones & Stars" als Lichthupe auf der linken Spur an einem vorbei, wusch, „Twenty Years of War", rote, verwaschene Lichter am Horizont - so ist das bekanntlich mit dem Schock der Gegenwart.

Auch gut: Nach „Soap" von 2020 und der EP „Hidden" von 2021 beweist das spätestens „Stones & Stars": Mit zwei Bläsern aus der Familie der tektonischen Erdverschiebungen macht das Leben einfach mehr Sinn. Wenn die beiden nicht nur füßeln, sondern sich auf „Atlantic" richtig geil in die Hallfahne fahren, dann ist das die Welt und das Meer und der absolute Moment, von dem uns die Abteilungen für Achtsamkeit erzählen:
Keine Geschichte. Keine Tradition. Nur das, was man hört und erlebt, es vergeht. Bis etwas anderes kommt. Eine Reise, eine Überraschung.

Text: Ninety Days Records

Titelliste

  1. Calling
  2. Stones & Stars
  3. Zuppa Inglese
  4. 12 NT on TV
  5. Twenty Years of War
  6. Chemistry of a Radical Encounter
  7. Atlantic
  8. Tiger Moon
  9. The Fact of Rain
  10. Enjoy the Silence

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