Rezension des Jazz-Albums "Hellbent Daydream" von Brandon Seabrook
Brandon Seabrook
Hellbent Daydream
Erscheinungstermin: 20.02.2026
Label: Pyroclastic Records, 2025
Avantgarde-Jazz zwischen Spannung und Fantasie
Der amerikanische Gitarrist und Banjo-Spieler Brandon Seabrook zählt zu den eigenwilligsten Persönlichkeiten der zeitgenössischen improvisierten Musik. In seinen bisherigen Projekten verbindet er Elemente aus Avantgarde-Jazz, experimenteller Rockmusik und freier Improvisation zu einer unverwechselbaren Klangsprache. Mit Hellbent Daydream führt Seabrook diese ästhetische Linie konsequent weiter und erweitert sie zugleich um neue konzeptionelle Facetten.
Bereits der Titel deutet auf ein Spannungsfeld hin: „Hellbent“ suggeriert kompromisslose Entschlossenheit, während „Daydream“ eine Atmosphäre von Fantasie und gedanklicher Abschweifung heraufbeschwört. Diese scheinbare Gegensätzlichkeit bildet das zentrale Prinzip des Albums. Seabrooks Musik lebt von solchen konzeptionellen Reibungen, in denen impulsive Energie und imaginäre Klangräume miteinander verschmelzen.
Die Kompositionen des Quartetts entwickeln sich in ständig wechselnden Perspektiven. Instinktive Impulse treffen auf komplexe strukturelle Ideen, rhythmische Unruhe auf fragile melodische Linien. Das Resultat ist eine Musik, die bewusst mit Erwartungen spielt. Harmonische Verzerrungen, unerwartete Übergänge und abrupte Dynamikwechsel erzeugen ein Klangbild, das sich jeder eindeutigen stilistischen Zuordnung entzieht.
Gerade diese kontrollierte Irritation bildet den dramaturgischen Kern des Albums. Seabrook nutzt scheinbare Widersprüche als kreatives Werkzeug: Kontraste werden nicht aufgelöst, sondern produktiv nebeneinander gestellt. Aus dieser Spannung entsteht eine musikalische Einheit, die zugleich herausfordernd und faszinierend wirkt.
Hellbent Daydream präsentiert sich damit als Werk, das die künstlerische Haltung Seabrooks exemplarisch verdichtet. Die Musik fordert Aufmerksamkeit und Offenheit, belohnt jedoch mit einer vielschichtigen Klangwelt, deren Details sich erst im wiederholten Hören vollständig erschließen.
(Jacek Brun, 06.03.2026)
Besetzung
Brandon Seabrook - guitars and banjo, compositions
Henry Fraser - bass
Erica Dicker - violin
Elias Stemeseder - piano and synthesizers
Titelliste
- Name Dropping is the Lowest Form of Conversation, Waltz
- Bespattered Bygones
- Hellbent Daydream
- I'm a Nightmare and You Know It
- Existential Banger Infinite Ceiling
- The Arkansas Tattler
- Autopsied Cloudburst
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