Rezension des Albums "Øyeblikk" von Caktus x OJKOS

Caktus x OJKOS - Øyeblikk - Album cover
Caktus x OJKOS - Øyeblikk

Caktus x OJKOS
Øyeblikk

Erscheinungstermin: 29.05.2026
Label: Sonic Transmission Records, 2026

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Wie Nebel über einem nordischen Fjord – langsam öffnet sich eine neue Welt

jazz-fun`s recap:

Es gibt Musik, die sofort Aufmerksamkeit verlangt. Und es gibt Musik, die Geduld einfordert und den Hörer nach und nach in ihre eigene Welt hineinzieht. Øyeblikk gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Dieses Album möchte nicht erobern, sondern entdeckt werden – Schicht für Schicht, Klang für Klang.

Die dänische Saxophonistin und Komponistin Maria Dybbroe hat mit ihrem Quintett Caktus bereits auf den beiden ersten Alben eine höchst eigenständige kammermusikalische Klangsprache entwickelt, die sich weit vom Mainstream des Jazz entfernt. Mit Øyeblikk erweitert sie dieses Konzept durch die Zusammenarbeit mit dem fünfzehnköpfigen norwegischen Ensemble OJKOS. Doch anstatt die Musik einfach größer werden zu lassen, gewinnt sie vor allem an Tiefe.

Die neuen Kompositionen und die neu bearbeiteten Stücke des Quintetts entfalten sich in einem vielschichtigen Klangraum, in dem Intimität und orchestrale Kraft nebeneinander bestehen. Klassische Big-Band-Strukturen spielen dabei kaum eine Rolle. Vielmehr entstehen fließende musikalische Landschaften, deren Farben und Texturen sich ständig verändern. Kleine instrumentale Konstellationen treten hervor, lösen sich wieder auf und machen neuen Begegnungen Platz.

Während der rund fünfundsechzig Minuten entwickelt sich die Musik wie eine Folge ineinander übergehender Räume. Die Übergänge sind kaum wahrnehmbar, die Atmosphäre verändert sich behutsam und dennoch kontinuierlich. Ruhige Passagen schaffen Momente der Konzentration und laden dazu ein, nicht nur zuzuhören, sondern sich der Musik vollständig anzuvertrauen. Gerade in dieser Langsamkeit liegt eine große Stärke des Albums: Es schenkt Zeit – und fordert sie zugleich ein.

Bemerkenswert ist dabei, wie selbstverständlich Spannung ohne Lautstärke entstehen kann. Die Dynamik wächst aus den feinsten Veränderungen der Klangfarben, aus dem gemeinsamen Atmen der Musiker und aus einer außergewöhnlichen Sensibilität für Raum und Stille. Nichts wirkt überladen, nichts demonstrativ. Alles scheint sich organisch zu entwickeln, als würde die Musik ihren eigenen natürlichen Weg finden.

Irgendwann verliert man das Gefühl für Minuten und Takte. Man folgt einer musikalischen Erzählung, die weniger aus einzelnen Stücken als aus Stimmungen und Bildern besteht. Und wenn schließlich der letzte Ton verklungen ist, entsteht fast unwillkürlich eine leise Sehnsucht, noch ein wenig länger in dieser Klangwelt zu verweilen.

Øyeblikk ist ein facettenreiches, mutiges und außerordentlich poetisches Album. Es verlangt Aufmerksamkeit, schenkt dafür aber eine musikalische Erfahrung, die lange nachhallt und bei jedem erneuten Hören neue Details offenbart.

(Jacek Brun, 07.06.2026)

Besetzung

Maria Dybbroe – composition, clarinet & alto saxophone
Camilla Hole – soprano saxophone
Sigrid Aftret – tenor saxophone & flute
Tina Lægreid Olsen – clarinets & baritone sax
Tancred Heyerdahl Husø – trumpet
Lyder Øvreås Røed – trumpet
Magnus Murphy Joelson – trombone
Johannes Fosse Solvang – trombone
Jørgen Bjelkerud – trombone
Arne Martin Nybo – guitar
Thorbjørn Kaas – cello
Petter Asbjørnsen – double bass
Alexander Hoholm – double bass
Knut Kvifte Nesheim – drums
Tobias Andreassen – drums

Titelliste

  1. Stærk strøm
  2. Kalvøya
  3. Fornebu
  4. Trollhättan
  5. Min have
  6. Det nye år

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