Rezension des Albums "Fam" von Christos Barbas & Nabil Naïr

Christos Barbas & Nabil Naïr - Fam - Album cover
Christos Barbas & Nabil Naïr - Fam

Christos Barbas & Nabil Naïr
Fam

Erscheinungstermin: 06.11.2026
Label: Seyir Muzik, 2026

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Was uns miteinander verbindet

jazz-fun`s recap:

Fam ist ein kleines Wort mit mehreren Bedeutungen. Auf Katalanisch steht es für Hunger, im Arabischen für Mund, im Französischen erinnert es an „femme“, die Frau. Unterschiedliche Sprachen, unterschiedliche Assoziationen – und doch führen sie alle zu grundlegenden menschlichen Erfahrungen: Bedürfnis, Ausdruck, Nähe und Verletzlichkeit.

Christos Barbas und Nabil Naïr machen diese Vieldeutigkeit zum Ausgangspunkt ihres gemeinsamen Debütalbums. Barbas spielt Ney und Klavier, Naïr Klarinette und ebenfalls Klavier. Zwei Musiker, drei Instrumente – und erstaunlich viele klangliche Möglichkeiten.

Die Musik bewegt sich zwischen meditativen Passagen, komplexeren rhythmischen Strukturen, modalen Melodien und freier Improvisation. Mal wirkt sie weit und ruhig, mal dichter und bewegter. Dabei entsteht nie der Eindruck eines demonstrativen Stilwechsels. Die verschiedenen Elemente gehen selbstverständlich ineinander über.

Thematisch trägt Fam einiges an Gewicht. Erinnerung, Kindheit, Verlust, Freiheit, gesellschaftliche Unsicherheit und die Zerbrechlichkeit unserer Umwelt sind in den Kompositionen präsent. Doch Barbas und Naïr formulieren daraus kein musikalisches Manifest.

Ihre Botschaft entsteht aus dem Klang selbst.

Die Musik fließt oft ruhig und beinahe unbeschwert. Sie schafft ein Gefühl von Sicherheit, ohne die Fragen zu verdrängen, die hinter ihr stehen. Vielleicht wirkt sie gerade deshalb so stark: weil sie nicht versucht, ihre humanistische Haltung mit Nachdruck zu beweisen.

Ney und Klarinette verleihen dem Album eine besondere Wärme und Beweglichkeit. Beide Instrumente können sich annähern, einander spiegeln oder ganz unterschiedliche Linien verfolgen. Das Klavier erweitert diesen Dialog, mal als harmonischer Raum, mal als rhythmischer Impuls, mal als zusätzliche Stimme.

Aus dieser reduzierten Besetzung entstehen fein abgestufte Texturen und immer neue Farben.

Improvisation bedeutet hier nicht Freiheit um ihrer selbst willen. Sie wird zu einer Form des Zuhörens. Die Musiker lassen einander Raum, reagieren auf kleine Veränderungen und führen musikalische Gedanken gemeinsam weiter.

Fam spricht von Werten, die leicht selbstverständlich erscheinen, bis sie bedroht sind: Menschlichkeit, Nähe, Freiheit, Erinnerung und das Bewusstsein dafür, dass wir voneinander abhängig bleiben.

Barbas und Naïr machen daraus keine schwere Musik. Sie schaffen etwas viel Schwierigeres. Eine Musik, die trotz aller Unruhe an die Möglichkeit von Nähe erinnert.

(Jacek Brun, 06.11.2026)

Besetzung

Christos Barbas - Ney, Piano
Nabil Naïr - Clarinet, Piano

Titelliste

  1. Fam
  2. Aloni
  3. Atfal
  4. Losian
  5. Arietta
  6. Reading Memories
  7. Bru

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