Rezension des Jazz-Albums "Alone Finally" von Claude Diallo
Claude Diallo
Alone Finally
Erscheinungstermin: 23.01.2026
Label: Dot Time Records, 2025
Ein Soloalbum voller Präsenz und Tiefe
Mit seiner vielfach ausgezeichneten Formation The Claude Diallo Situation hat sich Claude Diallo über mehr als drei Jahrzehnte und rund 25 Alben hinweg als feste Größe im europäischen Jazz etabliert. Er ist ein Musiker, der ständig unterwegs ist, der spielt, komponiert, zuhört – und dabei sein Publikum genauso inspiriert wie sich selbst. Seine Idee des „Traveling With Music“ ist dabei keine Floskel, sondern gelebte Haltung. Umso besonderer ist es, ihn hier ganz allein am Klavier zu erleben, in einer offenen, beinahe privaten Atmosphäre.
Für mich entfaltet dieses Soloalbum eine enorme Sogwirkung. Mit jeder Phrase, mit jedem Stück wächst die Spannung – nicht durch Lautstärke oder Effekte, sondern durch Präsenz. Diallos Spiel ist technisch brillant, ja virtuos, aber nie selbstverliebt. Was mich besonders fesselt, ist sein ausgeprägtes melodisches Gespür und eine Improvisationslust, die jederzeit organisch wirkt. Man hört zu – und bleibt dran, ohne auch nur einen Moment abschweifen zu wollen.
Das Repertoire verbindet bekannte Stücke – etwa von Keith Jarrett oder Cole Porter – mit eigenen Kompositionen. Und genau hier wird deutlich, wie selbstverständlich sich Diallos Musik in diese Tradition einfügt. Seine eigenen Stücke stehen den Werken der großen Jazzkomponisten in nichts nach; sie wirken geschlossen, reif und in sich vollkommen schlüssig.
Claude Diallo zeigt sich auf Alone Finally als herausragender Improvisator, als Pianist mit exzellenter Technik und als Künstler mit scheinbar unerschöpflichen kreativen Möglichkeiten. Dass das Album live im Museum Weserburg während der jazzahead! Clubnight 2024 in Bremen aufgenommen wurde, ist ein weiterer, entscheidender Pluspunkt. Für mich gewinnt die Musik dadurch an Tiefe und Authentizität – man spürt den Raum, den Moment, das direkte Entstehen.
Unterm Strich ist Alone Finally für mich ein großartiges Soloalbum, getragen von Musikalität, Erfahrung und innerer Ruhe. Ein Konzert, ein Augenblick – festgehalten auf eine Weise, die lange nachklingt.
(Jacek Brun, 05.02.2026)
Besetzung
Claude Diallo - piano solo
Titelliste
- La Danse des Colibris
- Night And Day
- Sayo
- Free Improvisation on Sound Installation
- I Wish I Knew How It Feels To Be Free
- We’re All Alone / You Can Have Me Anytime
- Foz do Iguaçu
- Sweet Pumpkin
- B Minor Waltz
- Take Five
- Las Tres Lindas Hermanas
- Memories of Tomorrow
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