Rezension des Albums "Garden Of Silences" von Clément Janinet
Clément Janinet
Garden Of Silences
Erscheinungstermin: 01.05.2026
Label: BMC, 2026
Ein Garten aus Klang und Stille – Clément Janinets poetische Klangreise
Manche Musik scheint weniger gespielt als vielmehr behutsam freigelegt zu werden. Garden Of Silences des französischen Geigers und Komponisten Clément Janinet gehört zu jenen seltenen Alben, die einen eigenen, beinahe zeitlosen Klangraum erschaffen – offen, poetisch und voller feiner Zwischentöne.
Janinet zählt längst zu den spannendsten Stimmen der französischen Musikszene. Zwar im Jazz verwurzelt, bewegt er sich bewusst jenseits stilistischer Grenzen und bewahrt aus dieser Herkunft vor allem eines: die Freiheit. Freiheit des Spiels, der Form und des musikalischen Denkens. Inspiriert von repetitiver Musik, europäischen und afrikanischen Traditionen sowie zeitgenössischer Klangsprache entwickelt er eine Ästhetik, die unverkennbar seine eigene ist.
Mit Garden Of Silences knüpft Janinet an frühere Projekte wie Ornette Under the Repetitive Skies, La Litanie des Cimes oder Sokou! an und versammelt ein außergewöhnliches europäisches Quartett: den norwegischen Trompeter Arve Henriksen, dessen schwebendes Spiel seit Jahren zu den markantesten Stimmen des nordischen Jazz zählt, die französische Akkordeonistin Ambre Villermoz sowie den deutschen Kontrabassisten Robert Lucaciu.
Gemeinsam erschaffen sie eine Musik, die sich behutsam entfaltet und sich einfachen Kategorien konsequent entzieht. Improvisation begegnet mikrotonalen Strukturen, zeitgenössische Kammermusik öffnet sich traditionellen Tanzformen und Melodien aus mündlich überlieferten Volksmusiken. Immer wieder entstehen dabei faszinierende Übergänge zwischen Vertrautem und Fremdem.
Besonders eindrucksvoll bleibt die Rolle der Stille. Der Albumtitel ist keine poetische Geste, sondern beschreibt präzise die Arbeitsweise dieser Musik. Räume bleiben offen, Klänge dürfen nachhallen, Spannungen entstehen oft aus Zurückhaltung statt aus Verdichtung. Gerade dadurch entfaltet Garden Of Silences eine ungewöhnliche Intensität.
Es ist Musik, die Aufmerksamkeit verlangt – aber nie überfordert. Vielmehr lädt sie dazu ein, langsamer zu hören, sich treiben zu lassen und Details zu entdecken. Jeder Klang scheint bewusst gesetzt, jede Begegnung zwischen den Instrumenten wirkt organisch und tief verbunden.
Garden Of Silences ist ein bemerkenswert feines, poetisches und äußerst eigenständiges Album – Musik zwischen Erde und Schweben, Tradition und Gegenwart, Bewegung und Stille.
Ein faszinierendes Werk, das lange nachhallt.
(Jacek Brun, 23.05.2026)
Besetzung
Clement Janinet - violon, composition
Ambre Vuillermoz - accordéon
Arve Henriksen - trompette
Robert Lucaciu - contrebasse
Titelliste
- Transformations
- Song for Madeleine
- Musette
- Garden Hosts Mystery
- Interlude
- Repetitive Cantum
- In The Head
- We Love Bass
- LOLA
- 3rd Meditation
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