Rezension des Albums "Pardon my French!" von Daniel John Martin & Robben Ford
Daniel John Martin & Robben Ford
Pardon my French!
Erscheinungstermin: 12.05.2026
Label: Continuo Musique Jazz, 2026
Manche Melodien altern nicht – sie warten geduldig auf den Augenblick, in dem sie ihre wahre Stimme finden
Manche Kompositionen entstehen in wenigen Minuten und verschwinden wieder. Andere begleiten ihren Schöpfer über Jahrzehnte, verändern sich mit ihm und finden erst viel später ihre endgültige Form. Pardon My French! ist genau ein solches Album. Es blickt zurück, ohne nostalgisch zu werden, und beweist, dass gute Musik keine Altersgrenze kennt.
Der Geiger und Komponist Daniel John Martin greift hier überwiegend auf Werke zurück, die bereits in seiner Jugend entstanden sind. Einige dieser Stücke haben ihn über viele Jahre begleitet, andere wurden eigens für dieses Projekt geschrieben – so etwa der Titelsong, der speziell für den Gitarristen Robben Ford entstand, nachdem dieser seine Mitwirkung zugesagt hatte. Vergangenheit und Gegenwart begegnen sich auf diesem Album nicht als Gegensätze, sondern als natürliche Fortsetzung einer musikalischen Biografie.
Das außergewöhnliche Konzept verbindet ein elektrisches Quintett mit einem Streichquartett. Im Mittelpunkt steht stets die Melodie. Die Streicher schaffen dabei keinen dekorativen Hintergrund, sondern bilden einen warmen, farbenreichen Gegenpol zum kraftvollen Gitarrensound und zur rhythmischen Energie der Band. Dadurch entsteht eine Klangwelt, die gleichzeitig elegant und unmittelbar wirkt.
Besonders eindrucksvoll sind die Violinenlinien von Daniel John Martin. Sie verleihen den Kompositionen eine unverwechselbare Handschrift und erzählen Geschichten, die weit über ihre melodische Funktion hinausgehen. Sein Spiel besitzt eine Natürlichkeit und lyrische Qualität, die dem gesamten Album einen eigenen Charakter gibt. Die Musik wirkt nie überladen, sondern entwickelt ihre Wirkung aus der Balance zwischen Feinheit und Ausdruckskraft.
Die Mitwirkung von Robben Ford erweitert diese Klangwelt um eine weitere Dimension. Seine Gitarrenparts sind weit mehr als brillante Solobeiträge. Sie treten in einen lebendigen Dialog mit den Streichern, antworten auf melodische Motive oder führen sie in neue Richtungen. Gerade diese Begegnung zweier scheinbar unterschiedlicher musikalischer Welten verleiht dem Album seine besondere Spannung.
Dabei entsteht nie der Eindruck eines stilistischen Experiments um seiner selbst willen. Alles wirkt organisch und selbstverständlich. Rockige Energie, jazzige Offenheit und kammermusikalische Eleganz finden zu einer gemeinsamen Sprache, in der jede Stimme ihren Platz besitzt und doch immer dem Ganzen dient.
Pardon My French! ist ein Album voller melodischer Schönheit und erzählerischer Kraft. Es zeigt, dass Kompositionen manchmal viele Jahre brauchen, bis sie genau die Musiker finden, die ihnen ihre endgültige Gestalt verleihen. Daniel John Martin und Robben Ford beweisen eindrucksvoll, dass musikalische Reife nicht im Blick zurück besteht, sondern darin, Vergangenes lebendig in die Gegenwart zu tragen.
(Jacek Brun, 15.06.2026)
Besetzung
Amalya Delepierre - Vocal (Tracks Nr 5, 7)
Line Kruse - Violin
Daniel John Martin - Violin
Nadine Colon - Violin
Camille Berard - Viola
Robben Ford - Guitar
Olivier Hutman - Piano/Piano rodes
Isabelle Sajot - Cello
Titelliste
- Alex in the sky
- Pardon my French
- Intro Jo'burg
- Jo'burg
- The Sorcerer
- Lacy Octopus
- Irene
- Intro Sonia
- Sonia
- Living Together
- Caméléonne
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