David Bergmüller - Know Thyself

David Bergmüller - Know Thyself - Album cover
David Bergmüller - Know Thyself

David Bergmüller
Know Thyself

Erscheinungstermin: 17.10.2025
Label: Berlin Classics, 2025

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jazz-fun`s recap:

Ein ganzes Soloalbum für Laute – das ist in unserer Zeit eine Seltenheit. Doch David Bergmüller wagt genau das und erschafft mit Know Thyself ein faszinierendes Klanguniversum, das Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbindet.

Im Mittelpunkt steht stets der zarte, schwebende Ton der Laute. Elektronische Klänge und Texturen dienen hier nicht als Effekt, sondern als atmosphärischer Hintergrund, der dem Instrument Raum und Tiefe verleiht. So entsteht ein Spannungsfeld zwischen akustischer Reinheit und subtiler Moderne.

Bergmüller zeigt, wie aus einem einzigen Instrument eine ganze Welt entstehen kann – voller Poesie, feiner Emotionen und meditativer Ruhe. Diese Musik wirkt introspektiv, beinahe kontemplativ, und zieht den Hörer immer tiefer in ihren Bann.

Know Thyself ist ein Album, das man nicht nebenbei hören sollte. Es verlangt Aufmerksamkeit – und schenkt dafür Momente von großer Schönheit und Klarheit.

(Jacek Brun, 30.10.2025)

David Bergmüller erschafft poetische Klangräume auf der Laute

David Bergmüller ist Lautenist, Komponist und Spezialist für Alte Musik. Zudem ist er ein Grenzgänger, der es liebt, Neues auszuprobieren. Mit seinem am 17. Oktober 2025 beim Label Neue Meister erscheinenden Album „Know Thyself“ möchte der in Wien lebende Musiker die Laute aus ihrem vermeintlich musealen Schatten holen und ihre Klangwelt neu definieren. Dafür verbindet er die reichen akustischen Klänge der Laute mit subtilen elektronischen Texturen – eine Fusion aus Tradition und Innovation.

„Know Thyself“ ist nicht das erste Projekt, für das David Bergmüller Neuland betritt. Im Jahr 2022 veröffentlichte er beispielsweise gemeinsam mit David Orlowsky das Album „Alter Ego“. Die Kombination aus Laute und Klarinette hat historische Vorbilder, sodass die beiden Musiker mit ihrer Aufnahme in unerforschte Gefilde vorstießen. Mit der Musiktheaterproduktion „Combattimenti” eröffnete David Bergmüller die Saison 2024/25 der Wiener Kammeroper. Es war Bergmüllers Debüt als musikalischer Leiter. In Zusammenarbeit mit dem in Paris geborenen Regisseur Oliver Fredj erweiterte er Monteverdis „Il combattimento di Tancredi e Clorinda“ mit weiteren Madrigalen. So entwickelte er daraus ein abendfüllendes Musiktheater, das barocke Komposition und moderne Klanggestaltung zusammenführte. Dabei kombinierte er einen puristischen Ansatz historischer Aufführungspraxis mit den klanglichen Möglichkeiten moderner Technologien – von virtuellen Instrumenten über Surroundsound bis hin zu Live-Elektronik.

David Bergmüller setzt diese Experimentierfreude nun fort. „Für dieses Album habe ich mich nicht an einen puristischen Ansatz gehalten, sondern mich vom rein akustischen, scheinbar alten Klang der Laute inspirieren lassen und ihn unbefangen mit modernen Produktions- und Bearbeitungstechniken kombiniert. In Anlehnung an die Tradition meiner historischen Kollegen, die stets ihre eigene Musik geschrieben haben, versuche ich, dieses Album im gleichen Geist anzugehen“, erläutert der Lautenist und ergänzt: „Das Konzertieren in außergewöhnlichen akustischen Räumen hat mich nachhaltig inspiriert – vom speziell für die Laute konzipierten Fronmiller-Saal im Schloss Ebenthal bis hin zur Frari-Kirche in Venedig, deren Atmosphäre eher von Tizian und Monteverdi als von der reinen Akustik geprägt ist. Ihre besondere Wirkung in einer Aufnahme festzuhalten, ist jedoch eine ganz andere Herausforderung.“ Die Zusammenarbeit mit Janus Rasmussen bei der EP „WIRBEL“ veränderte seine Sichtweise auf Klang und Raum und führte ihn in die elektronische Musik sowie die digitale Produktionsumgebung ein. „Know Thyself“ ist der Versuch, diese beiden Welten zusammenzubringen. Alle Titel auf diesem Album wurden von David Bergmüller komponiert und eingespielt.

Im Studio 3 im Funkhaus Berlin fand er schließlich den passenden Rahmen für sein Projekt. Dort entstand der Dialog zwischen der Klarheit historischer Spieltechnik und der Offenheit moderner Produktion. Das Resultat sind Stücke, die sich wie kleine Reisen anfühlen. Im Mittelpunkt steht dabei die Laute, die von Delay-Schleifen, Synthesizern und sorgfältig gesetzten Effekten eingerahmt wird.

Das Album beginnt mit „Cicadas“, einem Unisono-Stück für 23 übereinanderliegende Renaissance-Lauten. Das Stück erzeugt einen natürlichen Delay-Effekt und einen schwarmartigen Klang.

Das zweite Stück des Albums, „Rains“, wurde auf einer Erzlaute eingespielt und mit Delay bearbeitet. David Bergmüller hat die Lauten-Stimme in MIDI übersetzt und sie von diversen Synths spielen lassen, die beide über Delay-Effekte geleitet wurden. Die Suite „Another“, „Uppon“ und „Descent“ wurde auf einer mit Filz gedämpften Erzlaute gespielt. „Ich habe viele Jahre lang spät in der Nacht geübt und musste das Instrument oft dämpfen, um andere nicht zu stören. Die Intimität des gedämpften Klangs hat mich zu diesen Stücken inspiriert. Die Laute kommt in der Stille am besten zur Geltung – sie ist nicht dafür gemacht, laut zu sein“, erzählt David Bergmüller.

„Sieben” basiert auf einer Akkordfolge, die um ein 7-Noten-Arpeggio herum aufgebaut ist. Vor einigen Jahren hat David Bergmüller zusammen mit dem österreichischen Perkussionisten Tobias Steinberger eine Version dieses Stücks für Rahmentrommel und Theorbe veröffentlicht. Seitdem ist es fester Bestandteil seiner Solokonzerte und hat sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt. Nun sind neben der Theorbe auch einige Bassnoten aus einem Moog Sub 25 hinzugekommen. Das kontinuierliche Arpeggio erzeugt einen anhaltenden Ton innerhalb der Theorbe, der nur aus nächster Nähe oder in bestimmten akustischen Räumen zu hören ist. Diesen Ton hat David Bergmüller nachgebildet, sodass er auch auf der Aufnahme zu hören ist.

„Napoli Prelude“, „Napoli Sketch“ und „Sotterranea (auch bekannt als Napoli Sketch II)“ sind in einer Phase entstanden, in der David Bergmüller erstmals mit Polyrhythmen arbeitete. Sie reflektieren meine Auseinandersetzung damit, wie sich Dinge – Menschen, Planeten, Rhythmen – auf eigenen Bahnen, mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Richtungen bewegen und dennoch am Ende in Einklang stehen“, beschreibt er. Für die vorliegende Aufnahme wurden die ersten vier Saiten der Theorbe mit Filz gedämpft, um eine bessere Balance zwischen dem Tapping der rechten und der linken Hand zu erzielen.

„Sotterranea” wurde auf einer Theorbe eingespielt und mit Mandolinen-Overdubs versehen – rechte und linke Hand wurden separat mit mehreren Delay-Effekten bearbeitet. Das letzte Stück des Albums ist „Lullaby“. Es ist ein Wiegenlied für Barockgitarre, das David Bergmüller für seine Tochter geschrieben hat. „Liebevoll getestet und für gut befunden“, schmunzelt er.

„Know Thyself“ lädt dazu ein, mit offenem Herzen zuzuhören – und nicht mit verstaubten Ohren. Das Stück zeigt, wie Musik zwischen Vergangenheit und Gegenwart wandert, wie Räume Klang wirken lassen und wie Technik Neues ermöglicht, ohne den Kern zu verraten: die Laute als lebendiger Gesprächspartner.

Text: Berlin Classics

Titelliste

  1. Cicadas
  2. Rains
  3. Another
  4. Uppon
  5. Decent
  6. Sieben
  7. Napoli prelude
  8. Napoli sketch I
  9. Scotteranea
  10. Lullaby

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