Rezension des Albums "Echoes of the Unknown" von David Giesel
David Giesel
Echoes of the Unknown
Erscheinungstermin: 29.05.2026
Label: Double Moon Records, 2026
Dem Unbekannten lauschen – Musik zwischen Instinkt und Entdeckung
Mit Echoes of the Unknown legt der deutsche Schlagzeuger und Komponist David Giesel ein bemerkenswert reifes Debüt vor – ein Album, das Unsicherheit nicht vermeidet, sondern bewusst zum kreativen Motor macht. Entstanden als Liveaufnahme im selben Raum des Jazzcampus Studio Basel und gemeinsam mit Mentor Paulo Almeida produziert, lebt diese Musik von Vertrauen, Offenheit und dem Mut, Dinge geschehen zu lassen.
Das Grundprinzip hinter dem Album scheint ebenso einfach wie anspruchsvoll: zuerst spielen, später verstehen. Genau daraus entsteht jene besondere Spannung, die Echoes of the Unknown durchzieht. Die Musik wirkt niemals konstruiert oder übererklärt – vielmehr entfaltet sie sich organisch, beinahe intuitiv, und gewinnt gerade dadurch an Klarheit.
Gemeinsam mit dem schwedischen Gitarristen Albin Ormegard, Moritz Langmaier an Piano und Keyboards sowie Thomas Fuller am Kontrabass formt Giesel ein Quartett, das hörbar auf aufmerksamem Zuhören basiert. Hier agieren keine Einzelkämpfer, sondern Musiker, die sich gegenseitig Raum geben und gleichzeitig wie ein einziger atmender Organismus funktionieren.
Musikalisch bewegt sich das Album souverän zwischen modernem Jazz, subtilen Rock- und Indie-Anklängen sowie offenen harmonischen Räumen. Groove spielt dabei eine zentrale Rolle – jedoch nie aufdringlich oder dominant. Vielmehr entsteht eine fließende Balance aus rhythmischer Energie, Transparenz und atmosphärischer Offenheit.
Besonders überzeugend bleibt die kollektive Qualität dieses Albums. Improvisationen wirken nie isoliert, sondern wachsen selbstverständlich aus dem Zusammenspiel heraus. Die Band hört einander aufmerksam zu, reagiert sensibel und entwickelt musikalische Ideen gemeinsam weiter. Gerade diese Natürlichkeit verleiht der Musik eine bemerkenswerte Wärme und Glaubwürdigkeit.
Echoes of the Unknown wirkt wie eine Einladung, sich auf das Ungewisse einzulassen – auf Musik, die nicht alles sofort erklärt, sondern ihre Wirkung langsam entfaltet. Je länger man zuhört, desto mehr Details, Spannungen und feine Verbindungen offenbaren sich.
Ein starkes Debüt voller Offenheit, musikalischer Reife und moderner Klangästhetik – neugierig, lebendig und überraschend tief.
(Jacek Brun, 29.05.2026)
Besetzung
Dae Bryant - Vocals
Moritz Langmaier - Piano
Albin Ormegard - Guitar
Thomas Fuller - Double bass
David Giesel - Drums
Titelliste
- Trial and error
- My heart is dancing into the universe
- This is for jim
- We dream of the road to paradise
- Moods
- Day dream
- Echoes of the unknown
- Where nothing is certain and that s okay
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