Deutscher Jazzpreis 2026 – Verleihung im Rahmen der jazzahead! in Bremen

Deutscher Jazzpreis 2026
Deutscher Jazzpreis 2026, Foto: Camille Blake

von Sarah Seidel

Die Verleihung des Deutschen Jazzpreises am 25. April 2026 im Congress Center Bremen mit 22 ausgezeichneten Künstlerinnen und Künstlern

Der Deutsche Jazzpreis – zum sechsten Mal wurde er an Künstlerinnen und Künstler vergeben, 2026 fand er zum dritten Mal in Bremen statt – dieses Mal integriert ins Samstagabend-Programm der Messe jazzahead!, zeitgleich mit dem musikalischen Programm der Night-Showcases in den Messehallen und im Schlachthof und mit der Clubnight.

In der dreistündigen Gala konnten 22 Künstlerinnen und Künstler einen Preis entgegennehmen, dotiert jeweils mit 12.000 Euro. Auch die Nominierten konnten sich über jeweils 4.000 Euro Preisgeld freuen.

Die erste Live-Musik des Abends entwickelte sich leise aus dem verdunkelten Saal heraus. Das Ensemble um die Saxofonistin Birgitta Flick erklang noch vor der ersten offiziellen Begrüßung. Erst danach ging das Spotlight auf das Moderatoren-Team mit Thelma Buabeng und Götz Bühler. Bühler machte an diesem Abend den Spagat zwischen zwei Rollen – als künstlerischer Leiter der jazzahead! und als Co-Moderator der Gala des Deutschen Jazzpreises. Beide Rollen erfordern erheblichen Einsatz. Fraglich, ob man zwei parallel stattfindenden, hochkarätigen Veranstaltungen so wirklich gerecht werden kann.

Thelma Buabeng hat Hadnet Tesfai in diesem Jahr als Co-Moderatorin von Götz Bühler abgelöst. Sie forderte nach einem knappen Hallo zum Tanz auf – twerkend, wie man es in Ghana mache, so wollte sie es haben. Das Publikum im Saal erhob sich also zur eingespielten Musik vom Band und tanzte. Eine Jazz-Gala, animiert wie eine Schlagershow – ein Moment, den man sich lieber gespart hätte.

Dem neu zusammengestellten Moderatoren-Duo des Deutschen Jazzpreises fehlte die Chemie. Thelma Buabeng fiel ihrem Bühnenpartner zu oft ins Wort, als dass sich moderativ ein roter Faden hätte entwickeln können. Auch die Dramaturgie gestaltete sich anders, als man es aus den Vorjahren kannte. Novum war, dass die Kategorien nicht mehr einzeln vergeben wurden, sondern dass sie zu fünf Hauptkategorien zusammengefasst waren, um die Veranstaltung zeitlich zu straffen. Weniger Laudatorinnen und Laudatoren, dafür längere Redezeit, die es den Zuhörern schwer machte nachzuvollziehen, welcher Preisträger eigentlich gerade gemeint war. Mehr Musiker, die auf einen Schwung zum Moderationsteam auf die Bühne gebeten und genauso schnell wieder heruntergeschoben wurden. So blieb die Würdigung der einzelnen Musikerinnen und Musiker auf der Strecke und das Geschehen auf der Bühne wiederholt tumultartig. Vieles wirkte unkoordiniert.

Die Live-Musik kam von Adeolu, hilde, ganavya und dem Moses Yoofee Trio. Ihre Performances fanden auf einem Konstrukt über Bühne statt, begleitet von effektvollen Visuals. Zeit zum Durchatmen. Das Soundsystem im Saal irritierte allerdings, da die Musik unmotiviert in Dolby Surround-Manier durch die Boxen fuhr und die Lautstärke unerwartet stark beeinflusste.

Im letzten Drittel der Veranstaltung kam Dr. Andreas Bovenschulte, amtierender Bürgermeister der Stadt Bremen, auf die Bühne und sorgte mit einer flammenden Rede für Furore. Ein bewegendes Plädoyer für den Jazz. Er betonte, dass der Jazz sich nicht von der falschen Seite vereinnahmen lasse und sich der autoritären Aufladung widersetze. Man brauche diese Kunstform in den heutigen Zeiten mehr denn je, nicht nur als künstlerisches, sondern auch als politisches Statement. Bremen stehe für Internationalität und gegen Abschottung. Für Vielfalt und gegen Monokultur. Mit Fürsprache wie dieser aus der Politik ist für die deutsche Jazz-Szene und für die jazzahead! am Standort Bremen viel gewonnen.

Alle Preisträger des Abends standen nach drei Stunden fest, darunter Rebekka Salomea als Künstlerin des Jahres, Moses Yoofee mit dem Album des Jahres und Aki Takase, die für ihr Lebenswerk geehrt wurde, aber den Preis aufgrund einer Rückenverletzung nicht persönlich entgegennehmen konnte. Die Laudatio auf die Pianistin hielt kenntnisreich und feinfühlig ihr musikalischer Wegbegleiter Daniel Erdmann. Er spielte für die Preisträgerin solo auf dem Saxofon »Duke Ellington’s Sound of Love«.

Die Gala des Deutschen Jazzpreises – eine Veranstaltung, die immer wieder nach einer geeigneten Form sucht, auch abhängig vom jeweiligen Veranstaltungsort. In Hinblick auf Entertainment und Ambiente ist sie nicht einfach zu konzipieren und umzusetzen, das zeigte sich hier aufs Neue. Diejenigen, um die es bei der Preisverleihung aber eigentlich gehen sollte, waren die ausgezeichneten Musikerinnen und Musiker. Und die kamen in puncto Sichtbarkeit und Möglichkeit zur Danksagung bei dieser Ausgabe des Deutschen Jazzpreises schlicht zu kurz. Die 2026er-Ausgabe präsentierte zwar eine große Vielfalt an Preisträgern, war als Veranstaltung aber nicht rund. Dafür gab es zu viele Unstimmigkeiten.

Die dreistündige Show mit vielen Live-Acts gibt es hier zum Nachschauen.

Die Preisträger:innen des Deutschen Jazzpreises 2026

KÜNSTLER:INNEN
Vokal: Christina Wheeler
Holzblasinstrumente: Peter Ehwald
Blechblasinstrumente: Lina Allemano
Piano/Tasteninstrumente: Olga Reznichenko
Saiteninstrumente: Robert Lucaciu
Schlagzeug/Perkussion: Lukas Akintaya (Adeolu)
Künstler:in des Jahres: Rebekka Salomea
Großes Ensemble des Jahres: Luise Volkmann & Été Large
Künstler:in des Jahres international: Sullivan Fortner
Großes Ensemble des Jahres international: Webber/Morris Big Band

AUFNAHME/PRODUKTION
Album des Jahres: Bring a Friend – Phil Donkin
Debüt-Album des Jahres: MYT – Moses Yoofee Trio
Rundfunkproduktion des Jahres: The Stories We Tell – Luise Volkmann & Été Large
Album des Jahres international: My Life Matters – Johnathan Blake
Debüt-Album des Jahres international: Invisible Worker – yonglee & the DOLTANG

LIVE
Festival des Jahres: 62. jazzwerkstatt Peitz
Live Act des Jahres: Fuasi Abdul-Khaliq
Live Act des Jahres international: Kris Davis Trio

KOMPOSITION/ARRANGEMENT
Komposition/Arrangement des Jahres: Das Summen meiner Teile – Max Andrzejewski

SONDERPREISE
Journalistische Leistung: „Being Hipp – First Lady of European Jazz” – Anna Schmidt
Lebenswerk: Aki Takase
Musikvermittlung und Teilhabe: Groove Inclusion

Text: Sarah Seidel
Fotos: Camille Blake, Niklas Marc Heinecke

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