Odd Wisdom – Diego Piñera zwischen Risiko, Odd Meter und Magie

Die Ruhe vor dem Sturm
Die Ruhe vor dem Sturm, Foto: Angela Ballhorn

Von Angela Ballhorn

Diego Piñera lud in die Zentrifuge ein, um beim Live-Recording seines neuen Albums dabei zu sein.

Das Studio liegt etwas konspirativ – wie in Berlin so oft – ein bisschen versteckt in einem Hinterhof im Wedding. Wer bei einem Studio an einen aufgeräumten Aufnahmeraum, farblich sortiert aufgehängte Kabel und klinische Ordnung denkt, könnte nicht falscher liegen.
Die Zentrifuge ist mit ihren gekachelten Wänden, den deckenhohen Regalen mit vielen Kisten mit obskurer Beschriftung, Hobelbänken und anderen Werkzeugtischen, ein paar zusammengewürfelten Stühlen und einer improvisierten Bar wild und unübersichtlich. Es gibt immer etwas für das Auge zu entdecken, über all stehen knick-knacks und bemalte Leinwände. Vor dem Aufnahmepult (und dem Techniker Tito Knapp) stehen ein Flügel, der aber nur als Ablage dient, da er für diese Formation nicht benötigt wird sowie ein Drumset, Verstärker und Mikrofone.

Das waren die Voraussetzungen für die Aufnahmen des neuen Albums des Drummers Diego Piñera, der zusammen mit seiner Band, bestehend aus Saxofonist Peter Ehwald, Gitarrist Igor Osypov und Bassist Marcel Krömker eingeladen hatte.
Ein Raum, eine Band, eine Aufnahme mit Freunden.

Das Album „Odd Wisdom“ soll am 19. März 2027 in der Gamma Edition von Unit Records erscheinen.

Live-Aufnahmen bergen immer Risiken, da Fehler schlecht korrigiert werden können, weshalb Diego gleich zu Beginn sagte „Es kann sein, dass wir Teile wiederholen müssen, wenn sie nicht gut genug waren“.

Das war selten nötig, trotz der hochkomplexen Kompositionen von Diego Piñera. Einmal bei dem schon fast popmusikalischen Liebeslied für seine Freundin mit Beach-Boys-Vibes (und Gastsängerin Mia Knop Jacobsen, die aus dem Publikum einen Backgroundchor formierte) und einmal, als Igor Osypov eine Gitarrensaite riss.

Die Musik des Drummers reichte von Kompositionen, die von griechischer traditioneller Musik inspiriert waren, über einem Song über eine „homeless clave“ bis hin zu einer wilden Bearbeitung von McCoy Tyners Stück „Passion Dance“ (in von Piñeras bevorzugten Odd Meters, diesmal in einer Clave in neun). „Odd Wisdom“  begeisterte das  Publikum und der Drummer selber bezeichnete den Abend als „absolutely magical“.

Die Ruhe nach dem Sturm
Die Ruhe nach dem Sturm, Foto: Angela Ballhorn

Text und Fotos: Angela Ballhorn

Über die Autorin

Angela Ballhorn ist Jazzjournalistin und ausgebildete Flötistin mit langjähriger Erfahrung im Musikjournalismus. Ihr besonderes Interesse gilt den Geschichten hinter der Musik und den kreativen Prozessen der Künstlerinnen und Künstler.

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