Rezension des Jazz-Albums "Romanian Dance" von Diego Piñera 4+4 Octet

Diego Piñera 4+4 Octet - Romanian Dance  - Album cover
Diego Piñera 4+4 Octet - Romanian Dance

Diego Piñera 4+4 Octet
Romanian Danc

Erscheinungstermin: 18.03.2026
Label: Iapetus, 2026

Diego Piñera 4+4 Octet - Romanian Dance - bei bandcamp kaufen

Ein Oktett als Denkraum

jazz-fun`s recap:

Mit Romanian Dance präsentiert der in Europa fest verankerte Schlagzeuger und Komponist Diego Piñera ein Projekt, das lange gereift ist – und nun mit bemerkenswerter Klarheit Form annimmt. Das 4+4 Octet ist dabei weit mehr als eine Besetzungsidee: Es ist der Versuch, komponierte und improvisierte Musik nicht nur zu verbinden, sondern in ein gleichberechtigtes Spannungsverhältnis zu bringen.

Die Verbindung eines klassischen Jazzquartetts mit einem Streichquartett eröffnet einen erweiterten Klangraum, der reich an Farben und differenzierten Texturen ist. Entscheidend ist dabei, dass diese Konstellation nicht als stilistische Gegenüberstellung funktioniert, sondern als organische Einheit. Struktur und Freiheit stehen sich nicht gegenüber – sie greifen ineinander, durchdringen sich, treiben sich gegenseitig voran.

Was sofort auffällt: Dieses Ensemble spielt nicht einfach „Piñeras Musik“. Es denkt, formt und entwickelt sie gemeinsam. Jede Phrase trägt die Handschrift kollektiver Verantwortung. Die Musiker agieren nicht als Ausführende, sondern als Mitgestalter eines offenen musikalischen Prozesses. Genau daraus entsteht diese besondere Spannung – eine Mischung aus Präzision und Unvorhersehbarkeit, aus Kontrolle und Risiko.

Trotz der konzeptionellen Tiefe wirkt das Album nie wie ein theoretisches Experiment. Im Gegenteil: Die Musik bleibt lebendig, beweglich, unmittelbar. Sie ist fest in Traditionen verwurzelt, ohne sich ihnen zu unterwerfen, und gleichzeitig offen für neue Perspektiven.

Eine zusätzliche Dimension erhält Romanian Dance durch seinen biografischen Hintergrund. Teile der Musik entstanden in einer Phase schwerer Krankheit, während Piñera vom Krankenbett aus weiter komponierte. Diese Erfahrung ist hörbar – nicht als dramatische Geste, sondern als leise, innere Intensität. Die Musik trägt eine Form von Widerstandskraft in sich, eine ruhige Entschlossenheit, die ihr eine besondere Tiefe verleiht.

So entsteht ein Album, das nicht laut nach Aufmerksamkeit verlangt, sondern sie sich durch Substanz verdient. Persönlich, konzentriert und von großer innerer Geschlossenheit.

(Jacek Brun, 20.03.2026)

Besetzung

Diego Piñera — drums, compositions, arrangements
Igor Osypov — guitar
Peter Ehwald — saxophone
Marcel Krömker — bass
Semion Gurevich — violin I
Alessia Laurora — violin II
Joaquín León Fernández — viola
Elisabet Iserte López — cello

Titelliste

  1. Cielo Gris
  2. Romanian Dance
  3. Bartók 2
  4. Through Hell
  5. Sueño Herido
  6. Mi Cosmos Reloaded
  7. Bartók 3
  8. Front Office
  9. Bartók 1
  10. Polovtsian Dances Reloaded

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