Rezension des Jazz-Albums "My World Is The Sun" von Dominique Fils-Aimé
Dominique Fils-Aimé
My World Is The Sun
Erscheinungstermin: 20.02.2026
Label: Ensoul Records, 2025
Soul, Jazz und poetische Vokalkunst
Die in Montreal lebende Sängerin und Songwriterin Dominique Fils-Aimé, zweifache Gewinnerin des Juno Award, gehört zu den markantesten Stimmen der zeitgenössischen nordamerikanischen Vokalmusik. Ihr künstlerischer Ansatz verbindet Elemente aus Jazz, Soul und Blues mit Einflüssen afroamerikanischer Musiktraditionen und einer klaren gesellschaftlichen Perspektive.
Mit My World Is The Sun richtet Fils-Aimé den Blick auf den schöpferischen Prozess selbst. Themen wie Freiheit, Offenheit und Authentizität stehen im Zentrum der musikalischen und inhaltlichen Gestaltung. Die Kompositionen entwickeln sich aus langen, melodischen Vokallinien, die zwischen gesungenem Text und poetischen Klanggesten wechseln. Ihre unverwechselbare Stimme bildet dabei das zentrale Ausdrucksmittel und prägt die dramaturgische Struktur des Albums.
Instrumental bewegt sich die Musik in einem fein austarierten Spannungsfeld zwischen minimalistischen Arrangements und atmosphärischen Klangflächen. Die Begleitung bleibt bewusst zurückhaltend und lässt Raum für vokale Nuancen. Gleichzeitig entstehen durch rhythmische und klangliche Elemente Anklänge an afrikanische und afro-diasporische Traditionen, die dem Album eine vielschichtige kulturelle Perspektive verleihen.
Auch wenn sich My World Is The Sun nicht eindeutig innerhalb eines klassischen Jazzrahmens verorten lässt, berührt es zentrale ästhetische Prinzipien dieser Musik: Improvisatorische Offenheit, expressive Individualität und eine enge Verbindung zwischen persönlicher Erfahrung und künstlerischem Ausdruck.
Das Album steht damit exemplarisch für eine zeitgenössische Form vokaler Musik, die stilistische Grenzen überschreitet und künstlerische Authentizität in den Mittelpunkt stellt.
(Jacek Brun, 06.03.2026)
Besetzung
Dominique Fils-Aimé - Vocals, chimes
Claudette Thomas - Vocals in Ma Mélodie [intro]
Jacques Roy - Upright bass, electric bass
Harvey Bien-Aimée - Drums, shakers
David Osei Afrifa - Keyboards, synthesizers, piano
Hichem Khalfa - Trumpet
Elli Miller Maboungou - Percussion, shakers
Shawn Mativetsky - Tabla
Etienne Miousse - Guitar
Steeve St-Pierre - Violin
Camille Gélinas - Piano in Je t’aimais, je t’aime, je t’aimerai
Kevin Annocque - Didgeridoo
Titelliste
- Ma Mélodie [intro]
- Sea of Clouds
- Sun Skin
- Echappée Belle
- Phoenix Rising
- The River
- The Waves
- Freedom Become
- Life Remains
- Catch Release
- Going Home
- Moon Child
- Rhythm of Nature
- Ma Mélodie [outro]
- Je t'aimais, je t'aime, je t'aimerai
Unterstützen Sie unabhängigen Jazzjournalismus
Wenn Ihnen unsere Arbeit gefällt, können Sie Teil der jazz-fun.de Community werden.
jazz-fun`s recap:
Einen Kommentar schreiben
Kommentar von Dieterle |
War gestern in Ihrem Konzert und das war keine Offenbarung. Statt eine musikalische Entführung in andere Klangwelten, fand eine inspirierte und identitätslose Klangfolter statt, aus der ich nach einer knappen Stunde flüchten musste. Dabei war die Lautstärke nicht das Problem, das kann ich verkraften. Vielmehr stellte sich mir die Frage, was passiert da, ist das Musik, fehlt da Können und ein Zusammenhang zwischen Inhalt und Musikalität. Vielleicht bin ich zu verwöhnt. Aber wenn ich als Künstlerin einen Inhalt in den Raum Stelle und dieser weder in Text noch Musik fühlbar wird, ist das ein Desaster.
Kommentar von Dieterle |
Sorry die Autokorrektur:
3. Zeile: inspirierte
Kommentar von Dieterle |
Noch einmal:
uninspirierte