Elb(jazz) oder verlorene Jazzfans in Hamburg

Elbjazz 2024 - Foto
Elbjazz 2024

Wir lieben Hamburg an der Elbe. Wir lieben Jazz. Und seit 2010 lieben wir das Elbjazz-Festival. 2024 wurde unsere Liebe auf eine harte Probe gestellt.

Bisher sind unser Redaktionsteam und ich jedes Jahr mit guten Eindrücken und Vorfreude auf das nächste Elbjazz-Festival aus Hamburg zurückgekehrt. Die vergangenen Jahre waren geprägt von musikalischen Neuentdeckungen, die zu weiteren Begegnungen mit Musikern führten. Das diesjährige Line-Up hatten wir nicht so genau unter die Lupe genommen, sondern vertrauten auf den guten Geschmack der Veranstalter und freuten uns auf angenehme jazz-musikalische Überraschungen.

Am ersten Festivaltag standen wir in einer langen Schlange vor dem Eingang. Da die Festivalorganisatoren die Öffnungszeiten verschoben hatten, kamen wir erst zehn Minuten vor Beginn des ersten Konzerts auf das Gelände.

Schon beim ersten Auftritt fragten wir uns: Sind wir wirklich auf dem Elbjazz-Gelände? Die Musik, die wir zu hören bekamen, entsprach nicht unseren Vorstellungen von Jazz - eine Meinung, die auch von vielen anderen Besuchern geteilt wurde.

Als wir dann an mehreren Stellen das Logo "Elbjazz" sahen, wussten wir: Hier sind wir richtig. Doch die Musik, die auf den meisten Bühnen zu hören war, belehrte uns eines Besseren. Mit jedem neuen Künstler, der seinen Soundcheck absolvierte, erhärtete sich unser Verdacht, dass Jazz hier in diesem Jahr nicht mehr ganz oben auf dem Programm steht.

Der einzige Ort, an dem durchgehend Jazz zu hören war, war die vom Jazzbüro Hamburg organisierte Jazz-Truck-Bühne. Réka Csorba und ihr Team hatten Sponsorengelder gesammelt, um junge Hamburger Musikerinnen und Musiker einzuladen, ihre Musik vor einem fachkundigen und aufmerksamen Publikum zu präsentieren. An dieser Bühne verbrachten wir die meiste und interessanteste Zeit. Am Freitag hörten wir Bluff, Rökost und Monochrom, am Samstag spielten Hedwig Janko Trio, Cosmic Latte und Weather Report Project. Obwohl diese Bands aus jungen Musikern bestehen, die zum Teil noch studieren, zeigten sie große virtuose Klasse und präsentierten mitreißenden improvisierten Jazz.

Ein weiteres Manko des Festivals war, dass sich die gleichzeitig stattfindenden Konzerte gegenseitig störten. Darunter litten vor allem die Musiker der Jazz-Truck-Szene. Die Schiffbauhalle wiederum hat nur eine begrenzte Zuschauerkapazität. Wie schon im letzten Jahr stellten die Organisatoren eine Großbildleinwand im Freien auf, damit auch die übrigen Zuhörer die Konzerte draußen verfolgen konnten. Dass jeden Abend ein windiger, kalter Regen niederging, wollen wir natürlich nicht den Veranstaltern anlasten.

Wollte man das Konzept des diesjährigen Festivals noch weiter kritisieren, könnte man sich auch über die Preise der Verpflegung beschweren. Aber wir müssen zugeben, dass sich die meisten Festivalbesucher gut amüsiert haben. So war es auch völlig in Ordnung, dass die Veranstalter viele Künstler aus anderen Bereichen als dem Jazz eingeladen hatten. Damit konnten sie vor allem den Singer/Songwriter-Fans endgültig beweisen, dass Jazz "nicht weh tut" und keine "große Unbekannte" ist. So mancher Tanzmusikliebhaber hat vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben authentischen Jazz gehört.

Fazit: Für Jazz-Puristen klang das Programm auf den großen Festivalbühnen allerdings wenig faszinierend. Man traf sich lieber zum Fachsimpeln an den drei kleinen Bühnen: dem bereits erwähnten Jazz Truck, den HFMT Young Talents und der Kirche St. Katharinen. Nun haben wir wieder ein ganzes Jahr Zeit, unsere alten Vorstellungen und Jazz-Hörgewohnheiten zu überprüfen und neu zu justieren.

Alte Liebe rostet nicht. Aber sie könnte spätestens durch diese Ankündigung, die nach dem Ende des Festivals verbreitet wurde, einen neuen Knacks bekommen: Die Ticketpreise wurden für 2025 um 25 Prozent erhöht. Nun, wir vertrauen darauf, dass diese Mehreinnahmen den Musikern zugute kommen.

Text & Fotos: Jacek Brun

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Kommentar von Klaus Skrzipietz |

schon bei der Bekanntgabe der musikalischen Gäste, war eigentlich klar, das Jazz kleingeschrieben wurde.
Es sollte sicher ein musikalisches Hamburger Wochenende sein
und trotz aller Kosten waren ja reichlich Besucher dabei.
Aber ich bin sicher 2025 wird sich der eine oder andere Jazzer
die angeboten Music-Acts vor dem Besuch etwas genauer ansehen

Kommentar von Karline |

Ich kann mich dem Autoren nur anschließen. Es war mein 5. Elbjazz und auch ich hatte mich auf den sonst so fabelhaften Geschmack der Booker verlassen. Nunja, es waren am Ende 2 Konzerte in der Schiffbauhalle, die den Namen Jazz verdienen und 2 tolle Auftritte auf der Youth Stage.
Acts wie The Streets und Faithless hatte ich kurz mitgenommen, weil man die halt vom Namen her kannte. Eine mir gut bekannte Künstlerin, Akua Naru, hat mich leider musikalisch nicht überzeugt. Ebenso wenig wie Patrice.
Insgesamt war ich enttäuscht und irgendwie fehlen auch die Worte. Weil etwas vertraut schönes so anders war.
Deswegen werde ich im nächsten Jahr nicht dabei sein. Ob überhaupt irgendwann wieder, wird sich zeigen.

Was ist die Summe aus 3 und 6?