Aller guten Dinge sind zwei

Elina Duni & Rob Luft
Elina Duni & Rob Luft, Foto: Blerta Kambo

Von Robert Fischer

So oft kommt es nicht vor, dass es Beate Sampson die Sprache verschlägt. Die langjährig erfahrene Redakteurin des Bayerischen Rundfunks, Hörerinnen und Hörern von Kultsendungen wie „Jazztime“ oder „Hören wir Gutes und reden darüber!“ (mit ihren Kollegen Roland Spiegel und Ulrich Habersetzer) auf BR-Klassik bestens vertraut, präsentiert seit Januar 2025 auch die Reihe „Live-Jazz im Bergson Kunstkraftwerk“. Bereits zum 15. Mal stand sie an diesem Juniabend auf der Bühne des zum Kunstkraftwerk gehörenden Clubs Barbastelle, wo alle Konzerte der Reihe für den Hörfunk aufgezeichnet und jeweils am zweiten Freitag des darauffolgenden Monats um 23.05 Uhr im Programm von BR-Klassik gesendet werden. Dass alle diese Konzerte außerdem gefilmt und als Teil des Jazzangebots der ARD über deren Mediathek verfügbar gemacht werden, ist auch nichts, was Beate Sampson nervös machen könnte. Kleinere Misslichkeiten wie die Rückkoppelung ihres Mikrofons gleich zu Beginn moderiert sie locker weg, spricht vom „Rockkonzertmoment“ des Abends und davon, dass ihr ganzes Team schon vom Soundcheck am Nachmittag, der wie ein kleines Konzert gewesen sei, so begeistert gewesen sei, dass man wohl ganz vergessen habe, auch ihr Mikrofon richtig auszusteuern. Wirklich sprachlos wirkt sie erst, als sie nach der Konzertpause ein zweites Mal auf die Bühne kommt, um ein paar weitere Ansagen zu machen, und meint, nein, sie wolle nun gar nicht erst versuchen, die Schönheit der Musik, die sie gerade gehört habe, zu beschreiben: Dafür fehlten ihr einfach die Worte …

Reaching for the Moon

Leicht ist es in der Tat nicht, die richtigen Worte dafür zu finden, was Elina Duni und Rob Luft da auf die Bühne des bis auf den letzten Platz ausverkauften Clubs zaubern. Vom ersten Ton des Titelstücks ihres aktuellen Albums an, Irving Berlins „Reaching for the Moon“, schaffen die albanische Sängerin, die einst als Zehnjährige nach Genf kam, und der britische Gitarrist eine unglaublich intime, hoch konzentrierte, sehr eigene Stimmung, die Staunen macht. Und das mit den geringsten Mitteln: Rob Luft hat zwar ein ganzes Arsenal sorgfältig ausgewählter Effektgeräte vor sich auf dem Boden stehen, die aber in erster Linie dazu zu dienen scheinen, in der Summe (s)einen (Signature-)Sound zu kreieren. Am meisten bedient er das Volumenpedal, um zart angetupfte Akkorde zum Schweben zu bringen; zudem gibt er sich mit diversen Loops selbst repetierende Akkordfolgen und Grooves vor, die er dann solistisch „verzieren“ kann. Nie aber drängt er sich als Gitarrist in den Vordergrund, immer scheint er ganz darauf bedacht, Elina Dunis Gesang ein stimmiges Klangbett zu liefern. Die aber vertraut ganz allein auf ihre Stimme, sehr dezent unterstützt ab und zu von ein bisschen Percussion, und wer ihr dabei zuhört, wird ihrem samtenen Timbre schnell erliegen. Auffallend ist, wie geschmeidig sie ihre Stimme zu führen weiß und wie gefühlvoll sie singt – nie hat man den Eindruck, dass sie dabei in irgendwelche Register gerät, die sie nicht scheinbar spielerisch-leicht meistern könnte. Noch verblüffender ist nur, in wie vielen verschiedenen Sprachen sie singt und dass es niemals so klingt, als wäre das nicht jeweils ihre ureigene Sprache. Am verblüffendsten aber ist sicher, wie gut die beiden als Duo harmonieren: Das ist wie ein wahr gewordener Traum, und wer noch irgendeinen Zweifel daran hatte, dass Musik eine heilende Wirkung haben, ja glücklich machen kann, der braucht nur in die vom Bühnengeschehen gebannten Gesichter des Publikums zu schauen.

A Time to Remember

Neun Alben hat Elina Duni inzwischen veröffentlicht, sechs auf ECM; an dreien war Rob Luft als Gitarrist beteiligt. „Reaching for the Moon“ aber ist das erste Album, das sie als reines Duo eingespielt haben. Auf der Bühne wechseln sie sich in den Ansagen ab. Elina erzählt gern, worum es in einzelnen Songs geht – um ein albanisches Mädchen zum Beispiel, das sich nur einen Mann wünscht, „der schwarze Kleidung trägt und raucht“. Was die gebürtige Albanierin mit dem Zusatz garniert, albanische Frauen seien offenbar „nicht schwierig“. Ernster wird sie, als es um ein gefährdetes Naturschutzgebiet bei Tirana, der Hauptstadt Albaniens, geht – „Natur und die Liebe“ seien den Albanern sehr wichtig. Passend dazu gibt es im gemeinsamen Programm auch „eine Ecke für gebrochene Herzen“. Und ganz sicher ernst ist es ihr auch mit dem Satz, um die Menschlichkeit zu retten, müssten viel mehr Menschen in Jazzkonzerte wie dieses gehen, um das gemeinsame Miteinander zu erleben – und zu fühlen.

Rob Luft lockert seine Ansagen gern mit feinem britischen Humor auf, schaut etwa wie verdutzt auf sein ihn an einen „magic mushroom“ erinnerndes Mikrofon oder macht den in der fast andächtigen Stimmung beinahe etwas untergehenden Scherz, er wisse jetzt gerade nicht mehr, worum es in dem Song „Time to remember“ vom gleichnamigen Vorläuferalbum gehe – er sei ja nur der Gitarrist, nicht die Sängerin. Auch auf dem aktuellen Album gibt es drei Stücke, die die beiden gemeinsam geschrieben haben: „Foolish Flame“, „Magnolia“ und „Your Arms“. Und wenn es an diesem Abend, der wohl die meisten im Raum mindestens für die Zeit des Konzerts wunschlos glücklich gemacht hat, doch noch einen Wunsch gibt, der offen blieb, dann ist das der, dass die beiden bald einmal auch ein Album ausschließlich mit ihren eigenen wunderbaren Songs veröffentlichen.

Text: Robert Fischer
Fotos: Robert Fischer, Blerta Kambo

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