Rezension des Jazz-Albums "Ember" von Ellas Kapell
Ellas Kapell
Ember
Erscheinungstermin: 27.02.2026
Label: Naxos Prophone, 2025
Zwischen Standard und Innovation: Ellas Kapell zünden mit „Ember“ ein neues Kapitel
Mit ihrem vierten Album Ember schlägt das schwedische Ensemble Ellas Kapell ein neues Kapitel auf. Die Gruppe, die sich zuvor vor allem durch ausdrucksstarke Interpretationen klassischer Jazzstandards einen Namen gemacht hat, erweitert hier ihren musikalischen Horizont deutlich. Die Musiker treten selbstbewusst als Komponisten und Klanggestalter auf und entwickeln eine ästhetische Sprache, die Tradition und zeitgenössische Produktion miteinander verbindet.
Im Zentrum steht die charismatische Stimme von Lovisa Jennervall, deren warmer und zugleich klarer Ton das Klangbild prägt. Unterstützt wird sie von Manne Skafvenstedt (Klavier, Synthesizer), August Eriksson (Kontrabass und E-Bass) sowie Edvin Glänte (Schlagzeug und Percussion). Gemeinsam entwickelt das Quartett einen Sound, der kammermusikalische Intimität mit einer überraschend weiten klanglichen Perspektive verbindet.
Trotz der neuen stilistischen Offenheit bleibt das Album fest in der Jazztradition verwurzelt. Klassiker wie Very Early, All the Things You Are, I Cover the Waterfront oder I Fall in Love Too Easily werden mit großer Sensibilität neu interpretiert. Die Arrangements zeichnen sich durch nordisch geprägte harmonische Feinheit, transparente Ensemblearbeit und eine ruhige, kontrollierte Dramaturgie aus.
Gleichzeitig öffnet sich Ember bewusst für neue klangliche Räume. Elektronische Texturen und subtile Produktionselemente erweitern das klassische Jazzquartett um zusätzliche Farben. Diese Kombination aus akustischer Intimität und moderner Klanggestaltung verleiht der Musik eine eigenständige Atmosphäre, die sowohl Jazzliebhaber als auch ein breiteres Publikum anspricht.
So entsteht ein Album, das nicht nostalgisch auf die Vergangenheit blickt, sondern die Tradition als Ausgangspunkt für neue musikalische Wege nutzt. Ember zeigt Ellas Kapell als Ensemble, das seine Wurzeln kennt und zugleich den Mut besitzt, diese in eine zeitgenössische Klangsprache zu übersetzen.
(Jacek Brun, 14.03.2026)
Besetzung
Lovisa Jennervall - Vocals
Manne Skafvenstedt - Piano, Synthesizers
August Eriksson - Double Bass, Electric Bass, Violin
Edvin Glänte - Drums, Percussion
Featuring
Johan Christoffersson - Alto Sax
Tobias Wiklund - Cornet
Gustav Alte - Pedal Steel
Titelliste
- Very Early
- I Didn't Know What Time It Was
- All The Things You Are
- I Cover The Waterfront
- How Deep Is The Ocean
- The Very Thought Of You
- Don't Explain
- I Fall In Love Too Easily
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