Etta Scollo - Nirgendland

Etta Scollo - Nirgendland - Albumcover
Etta Scollo - Nirgendland

Etta Scollo
Nirgendland

Erscheinungstermin: 10.01.2025
Label: jazzhaus records, 2024

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jazz-fun`s recap:

Etta Scollo ist eine Künstlerin, die sich frei über Genregrenzen hinweg auf vielen Ebenen bewegt und dabei überraschende und äußerst wertvolle Projekte schafft. Die Gedichte von Mascha Kaléko, vorgetragen in einem asketischen Sound, gesungen mit einer Stimme, die vor Emotionen nur so strotzt, berühren und erfreuen. Ein wunderbares Album, wir sind begeistert! (Jacek Brun, 10.01.2025)

Über das Album "Nirgendland" von Etta Scollo

Die Verbindung von Sprache und Musik ist so alt wie die Geschichte der Menschheit. In Ritualen, religiösen Zeremonien oder beim Erzählen von Geschichten verschmelzen Sprache und Musik zu einer Einheit, die weit über die Vermittlung von Informationen hinausgeht - eine Tradition, die von der Antike bis in die Moderne reicht. In Sprache und Musik begegnen sich Menschen und ihre Lebenswege und entdecken Verbundenheit, wo vorher Fremdheit war.

In dieser Tradition steht auch das neue Album Nirgendland" (Nessunluogo) von Etta Scollo, das im Januar 2025 bei Jazzhaus Records veröffentlicht wurde und auf dem Etta Scollo anlässlich des 50. Todestages der Dichterin Mascha Kaléko Gedichte in Musik übersetzt. Die Geschichte der Begegnung von Etta Scollo mit dem Werk von Mascha Kaléko beginnt 2007 in Catania, Sizilien. In einer kleinen Buchhandlung entdeckt die Sängerin einen zweisprachigen Gedichtband von Mascha Kaléko, deren Lyrik die Musikerin in ihren Bann zieht. „Ich trug das Buch immer bei mir und hatte das Gefühl, dass ihre Gedichte mich wie eine gute Freundin begleiteten“, erzählt Etta Scollo. Die Idee, Kalékos Gedichte musikalisch zu interpretieren, sollte einige Jahre reifen, bis Etta Scollo den passenden Rahmen fand, um der Dichterin eine Hommage zu widmen. Mit der Unterstützung von Kulturinstitutionen wie der renommierten Villa Massimo in Rom, wo die Künstlerin eine zweimonatige Künstlerresidenz verbrachte, konnte die Idee destilliert und konkretisiert werden - auch durch die Einladung von Gast*innen wie der Schauspielerin Eva Mattes, mit der Scollo zwei Duette für „Nirgendland“ (Nessunluogo) aufnahm. Ebenso spielte die ideelle Unterstützung der Stiftung Exilmuseum in Berlin eine wichtige Rolle bei der Realisierung des Albums.

Im Zentrum des Albums steht die Frage nach Heimat und Identität - Themen, die das Leben und Werk von Mascha Kaléko prägen und auch in der künstlerischen Auseinandersetzung von Etta Scollo tief verwurzelt sind. Kaléko, die 1938 vor dem nationalsozialistischen Regime in die USA fliehen musste, erlebte die schmerzliche Erfahrung des Exils und der damit verbundenen Entwurzelung. Für Etta, die seit ihrer Jugend zwischen verschiedenen Kulturen und Orten pendelt und heute zwischen Sizilien und Berlin lebt, sind Kalékos Verse auch ein Echo ihrer eigenen Lebensentscheidungen und der Suche nach Zugehörigkeit - wenn auch in einem anderen, modernen, europäisch-demokratischen Kontext. „Zur Heimat erkor ich mir die Liebe“, heißt es in einem der für Etta Scollo wichtigsten Gedichte Kalékos, „Die frühen Jahre“, das Scollo als erstes Stück für „Nirgendland“ (Nessunluogo) vertonte. Dieser Satz wurde zum Anker des gesamten Projekts.

Der Titelsong „Nirgendland“, inspiriert von Kalékos Gedicht „Kein Kinderlied“, bildet das Herzstück des Albums. Darin schreibt Mascha Kaléko: „Die Wälder sind verschwunden, die Häuser verbrannt. Ich habe niemanden gefunden. Niemand erkannte mich. Und als der fremde Vogel schrie: lief ich davon. Wohin ich auch gehe, ich komme ins Nirgendland.“ Das Lied ist ein a cappella gesungenes Stück, das die Einsamkeit und Orientierungslosigkeit thematisiert, die Kaléko im Exil erlebte. Zugleich ist es ein eindringlicher Kommentar zur politischen Gegenwart, der auch im Rest des Albums subtil, aber präsent bleibt. „Nirgendland“ (Nessunluogo) wird so zu einem musikalischen Mahnmal gegen Abgrenzung und für Erinnerung. Musikalisch ist „Nirgendland“ (Nessunluogo) ein Werk, das verschiedenste Stile und Genres vereint, denn Etta Scollo sucht in jedem Gedicht die Klanggestalt, die zu Kalékos Worten passt. Zwischen jazzigen Klängen, Chanson-Elementen und eindringlichen Vokalstücken spannen Scollo und ihre hochkarätigen Gast*innen einen Bogen, der die Vielfalt und Komplexität der Gedichte widerspiegelt und doch jedes Stück wie ein musikalisches Diorama wirken lässt, das einen Zugang zu Kaléko und ihrer Lebenswelt bietet. Eine besondere Rolle auf diesem Album, das von einem kollektiven und gemeinschaftlichen Geist geprägt ist, spielen Künstlerinnen wie die Klarinettistin Tara Bouman, die Cellistin Susanne Paul und die deutsche Liedermacherin Dota Kehr, die jeweils einzigartige Beiträge zum Album beisteuern. Auch international renommierte Musikerinnen wie die belgische Vibraphonistin Els Vandeweyer und die Schauspielerin Maddalena Crippa prägen den unverwechselbaren Sound von „Nirgendland“ (Nessunluogo).

Besonders am Herzen liegt Scollo folgende Danksagung: “Mein ganz persönlicher Dank gilt Carmen Würth, die meine Arbeit seit einer ersten Begegnung in Palermo vor 20 Jahren verfolgt und kontinuierlich gefördert hat. Das Projekt “Hommage an Mascha Kaléko” ist ihr ein persönliches Anliegen”. Nur ein Mann und ein Chor sind unter den Frauen: Ferdinand von Seebach, der die Kompositionen und das Layout der Partituren überarbeitete und als Gastpianist mitwirkte, sowie der Chor des Albert-Einstein-Gymnasiums und sein Leiter Wolfgang Gerhardt Acquarone, die dem Stück „Inventar“ - einem Gedicht über die katastrophalen Auswirkungen von Kriegen auf die Zukunft junger Generationen - ihre Stimmen in italienischer und deutscher Sprache liehen.

„Nirgendland“ (Nessunluogo) ist weit mehr als ein Musikalbum oder die Vertonung von Literatur aus Bewunderung - es ist ein künstlerisches Projekt, das Etta Scollo selbst als eine der zentralen Stationen ihrer Karriere bezeichnet. Ihre facettenreiche Interpretation der Poesie Mascha Kalékos zeigt, wie zeitlos und kraftvoll die Worte der Dichterin auch heute noch sind. Und wie sie, in Musik übersetzt, zu einer Sprache werden, die Grenzen überwindet - „Nirgendland“ (Nessunluogo) ist ein intimes und zugleich universelles Werk, und Kalékos Worte finden in Scollos Musik auf „Nirgendland“ (Nessunluogo) eine neue Heimat, die weit über das Exil der eigenen Erfahrung hinausgeht.

Text: jazzhaus records

Titelliste

  1. Nacht ohne Schlaf
  2. Inventar/Inventario
  3. Chanson für Morgen
  4. Quasi un »Giano-scritto«
  5. Now's the time
  6. Bericht aus einer Kindheit
  7. Seiltänzerin ohne Netz
  8. Zeitgemäße Ansprache
  9. Dove si incontrano spazio e tempo...
  10. Es regnet
  11. Der Sternanzünder
  12. L’eremita/Der Eremit
  13. Ho eletto l’amore a mio rifugio
  14. Zur Heimat erkor ich mir die Liebe (Gedichttitel: Die frühen Jahre)
  15. Mein schönstes Gedicht…?
  16. Nirgendland (Gedichttitel: Kein Kinderlied)

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