Im Gespräch mit Frank Haschler, dem Leiter des EBE-JAZZ Festivals in Grafing und Ebersberg, über Highlights, Herausforderungen und Zukunftspläne eines Festivals, das Jazz in all seinen Facetten feiert
Beim EBE-JAZZ Festival 2025 in Grafing und Ebersberg wurden an zehn Tagen 112 Musiker:innen in 19 Events gefeiert – von Stars wie Shake Stew und Camille Bertault bis zu Workshops und Impro-Performances. Im Interview spricht Festivalleiter Frank Haschler über Highlights, Hintergründe und die Zukunft des Festivals.
Die Fakten sind rasch aufgezählt: 112 Musiker waren heuer an zehn Tagen bei 19 Events in Grafing und Ebersberg zu Gast, darunter Stars und Newcomer in einem kunterbunt-reizvollen Programm, zu dem Impro-Performances genauso gehörten wie Jam-Sessions, Filmvorführungen, musikalisch unterstützte Exkurse in die Jazzgeschichte sowie Jazz für Kinder, Improvisations-Workshops – und natürlich die Konzerte auf großer Bühne. Über dieser der Konzerte – Shake Stew (bitte Link eintragen) und Camille Bertault (Link) – haben wir bereits ausführlicher berichtet; nun wollen wir den erfolgreichen Abschluss der Festivaltage dazu nützen, um uns mit dem Festivalleiter Frank Haschler zu unterhalten und ihm die Gelegenheit zu einem persönlichen Resumee zu geben und und dabei auch uns einen Blick hinter die Kulissen des Festivals zu gestatten.
Von Robert Fischer
jazz-fun.de:
Gerade mal eine Woche ist es jetzt her, dass die letzten Töne des Festivals in Ebersberg verklangen. Hast du dich schon von den Strapazen erholt? Was waren diesmal die größten organisatorischen und sonstigen Herausforderungen an dich und dein Team?
Frank Haschler:
Jetzt, sechs Tage danach, stellt sich wieder so etwas wie ein Normalzustand ein – ausgeschlafen und nicht mehr angespannt. Sehr fordernd war neben der schon für sich anspruchsvollen Aufgabe, die vielen Bands, die sieben Locations, die Technik, Logistik etc. zu koordinieren, die für uns neue Tatsache diesmal gleich zwei Groß-Ensembles (Bigbands) zu „versorgen“ (Technik, Hotels, Catering, Transfers). Wir haben zu allen Künstlern persönliche Kontakte, was sehr schön, aber eben auch zeitintensiv ist.
jazz-fun.de:
Bei allem – hoffentlich überwiegend positiven – Stress, der mit einem solchen Festival verbunden ist: Was waren diesmal deine persönlichen Highlights? Was denkst du, würdest du bei der nächsten Ausgabe vielleicht anders machen?
Frank Haschler:
Als absolutes Highlight empfinde ich es, dass unsere Message des Festivals, die „gesamte“ stilistische Breite des Genres Jazz zu zeigen, vom Publikum angenommen wurde. Alle Säle waren gut gefüllt oder ausverkauft. Da müssen wir das Publikum im Landkreis Ebersberg, das wir seit über einem Jahrzehnt aufgebaut haben, sehr für seine Treue und Offenheit loben. Musikalisch sind natürlich die internationalen Stars MARE NOSTRUM und die NDR Bigband mit TOYTOY zu erwähnen, die die Erwartungen voll erfüllt haben. Aber es wäre nicht richtig die heimische EBE-JAZZ BIG BAND zu übergehen, die den ausverkauften Saal mit THE FUNKY SIDE OF JAZZ zum Toben brachte. Auch die weiteren, weniger großen Events, teilweise sehr Nischen-spezialisiert, teilweise experimentell, fanden großen Zuspruch und Beifall.
jazz-fun.de:
Welchen Vorlauf hat euer Festival eigentlich? Sind die Acts für die nächste Ausgabe schon gebucht? Und wer entscheidet darüber, wer – nach welchen programmatischen Kriterien – gebucht wird?
Frank Haschler:
Operativ tätig werden wir wohl Anfang kommenden Jahres, nachdem wir in der Vorstandschaft eine kritische Analyse von 2025 erarbeitet haben. Dann werden Ideen ausgetauscht, Wünsche geäußert. Heuer kamen die meisten Vorschläge von mir – ich hatte auch am meisten Zeit für Konzert- und Festivalbesuche, zum Lesen und Hören. Tatsächlich sind es aber vier Personen im Leitungsteam-Team, die nach sorgfältiger Abwägung von Stilistik und Finanzen gemeinsam die Entscheidungen treffen.
jazz-fun.de:
Auffallend war für diejenigen, die euer Festival zum ersten Mal besucht haben, wie gut das Ganze organisiert ist: eine echte Werbung auch für die Region! Man hatte den Eindruck, dass jeder im Team hochmotiviert, freundlich und engagiert bei der Sache ist. Magst du uns ein bisschen was über dieses Team erzählen und wie die Aufgaben bei euch verteilt sind
Frank Haschler:
Ja, sehr schön dass dir das aufgefallen ist, darauf sind wir auch sehr stolz. Das Leitungs-Team besteht aus der Vorstandschaft des Vereins jazz.grafing e.V. (4 Personen), die Arbeitsteilung ist sehr präzise organisiert. Von Anbeginn an eingebunden ist der Verein „Altes Kino Ebersberg e.V.“ mit seinen hervorragenden Spielstätten. Hinzu kommen weitere Organe der IG (Interessengemeinschaft) EBE-JAZZ wie die Musikschule Ebersberg Land und der Kunstverein Ebersberg. Im Inneren-Circle des EBE-JAZZ-Teams gibt es rund ein Dutzend ehrenamtlicher Helfer, allesamt Jazzfreunde aus dem Landkreis, die sich mit PR, Social Media, Technik, administrativen Dingen, Fahrdiensten, Künstlerbetreuung etc. befassen. Insgesamt sind wir wohl knapp über 50 Aktive, die während des Festivals mit anpacken – das ist eine enorme Hilfe, und wir schätzen deren Einsatz sehr.
jazz-fun.de:
Bleibt es auch in Zukunft beim zweijährigen Turnus des Festivals?
Frank Haschler:
Ja. So etwas jedes Jahr zu bewerkstelligen wäre mit unserer auf Freiwilligkeit und Ehrenamt aufgebauten Struktur nicht möglich … mal abgesehen von den finanziellen Möglichkeiten und dem doch sehr hohen perönlichen Einsatz.
jazz-fun.de:
Ganz offensichtlich ist euer Konzept, was den Zuspruch des Publikums angeht, erfolgreich. Geht die Rechnung auch kaufmännisch auf? Und in welchen Größenordnungen bewegt sich das Budget?
Frank Haschler:
Ja, „unser“ Publikum geht mit, trägt unsere Idee des „JAZZ FÜR ALLE“. Und wegen der internationalen Top-Acts kommen auch Leute von weiter her zum EBE-JAZZ. Natürlich ist es jedes Mal eine Gratwanderung, bei gestiegenen Kosten, sinkenden Fördergeldern und mit moderaten (leistbaren) Eintrittsgeldern eine schwaze Null zu planen (wir sind ja nicht gewinnorientiert). Dennoch ist es uns bislang immer geglückt. Für die 2025-er Edition ist es heute noch zu früh, eine Schlussbilanz zu ziehen, doch wir sind zuversichtlich, auch diesmal unseren Plan erreicht zu haben. Insgesamt soll unser Budget nicht sechsstellig werden – immer größer zu werden ist nicht unser Ziel.
jazz-fun.de:
Gibt es noch etwas, das dir am Herzen liegt, das du uns noch sagen möchtest?
Frank Haschler:
Ja. Bei allem Stolz blicken wir ein weing skeptisch in die Zukunft des Jazz, der improvisierten Musik. Die vielfältigsten kulturellen Angebote überfluten uns und sind meist eher kommerziell auf den Mainstream ausgerichtet. Vor allem das Wegbleiben der Jugend besorgt uns. Wie erreichen wir diese Zielgruppe besser? Wo bleibt deren Offenheit, etwas auszuprobieren (aktiv als Musiker, wie passiv als Zuhörer)? Und wie können wir die offensichtlich in der breiten Gesellschaft vorherrschenden Vorurteile gegenüber „der Jazzmusik“ abbauen? Mit unserem EBE-JAZZ wollen wir ein Angebot schaffen, die Ohren zu öffnen für alles, was Jazz sein kann.
jazz-fun.de:
Vielen Dank für das Gespräch.
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EBE-JAZZ 2025, Foto: Robert Fischer -
Herbert Pirker und Niki Dolp - Shake-Stew, Foto: Robert Fischer -
Oliver Potratz, Johannes Schleiermacher und Lukas Widauer - Shake-Stew, Foto: Robert Fischer -
Frank Haschler, Foto: Robert Fischer -
Sylvain Romano, Foto: Robert Fischer -
Richard Galliano, Foto: Robert Fischer -
Camille Bertault und Julien Alour, Foto: Robert Fischer -
Camille Bertault, Foto: Robert Fischer -
Camille Bertault, Foto: Robert Fischer -
Lukas Kranzelbinder und Fabian Rucker - Shake-Stew, Foto: Robert Fischer -
Paolo Fresu, Foto: Robert Fischer -
Shake Stew, Foto: Robert Fischer -
Philippe Maniez, Foto: Robert Fischer -
EBE-JAZZ 2025, Foto: Robert Fischer
EBE-JAZZ Internerseite:
https://ebe-jazz.de/
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